Sonntag, 30. September 2018

...lang lebe die Königin


Kaum haben JSA und DL (auch bekannt als Johann Schneider Amman und Doris Leuthard. Aber langsam finde ich Gefallen an diesen Abkürzungen. Macht das Schreiben irgendwie einfacher) verkündet, dass sie ihr Amt niederlegen, richtet sich das Scheinwerferlicht auf potenzielle Nachfolger beziehungsweise vor allem auf potenzielle Nachfolgerinnen. Denn, wenn Doris Leuthard ausscheidet, verbleibt mit Simonetta Sommaruga nur noch eine Frau im Bundesrat. Unhaltbar, findet vor allem die Linke, schliesslich wird die Bevölkerung mit einem fast rein männlichen Bundesrat nicht angemessen repräsentiert. Und da sich vermutlich keiner der amtierenden Bundesräte einer Geschlechtsumwandlung unterziehen wird (wobei, eine Ursula statt ein Ueli und eine Aline statt ein Alain wäre doch auch ganz nett) sucht man jetzt vor allem nach Kandidatinnen.

Fast schon als gesetzt bei der FDP gilt die ebenso kluge, wie durchsetzungsstarke Ständerätin Karin Keller – Sutter (oder wie ich sie nenne KKS). Sie erfüllt geradezu spielend alle Kriterien: Sie ist qualifiziert, sie ist beliebt beim Volk und im Parlament und sie ist Ostschweizerin. Doch obwohl alle Journalisten und Politiker, ihr glänzende Chancen ausrechnen, zögert sie mit ihrer Kandidatur. Was nicht weiter verwundert. Denn KKS war vor acht Jahren schon einmal Bundesratskandidatin. Doch sie verloren gegen Johann Schneider – Ammann. Lag vielleicht an ihrem Spitznamen. Weil sie als Regierungsrätin im Sicherheitsdepartement eine harte Linie fuhr, wurde sie auch als „Iron Lady“ betitelt. Und die SP hat es zwar mit Frauen, aber jetzt eher nicht so mit denen die aus Eisen sind.

Inzwischen ist aber einige Zeit vergangen und Keller – Sutter darf sich auch bei den Linken Chancen ausrechnen. Tatsächlich habe ich letzthin in der Zeitung gelesen, dass sich ein SVPler über sie mokiert hat, von wegen wer immer nach links schiele, dürfe nicht mit bürgerlicher Unterstützung rechnen (ernsthaft, ich glaube manchmal, die SVPler sollten sich mal dringend wegen akuter Links – Paranoia untersuchen lassen. Irgendwie ist für die immer jeder gleich links, der auch nur einen Zentimeter von ihrer Meinung abweicht. Ich meine wenn KKS links ist, was war denn Didier Bukhalter? Ein Linksalternativer?) Ebenfalls vorgeworfen wird ihr, dass sie damals nach der Nichtwahl, erklärt hat, sie werde sich nicht noch einmal als Bundesratskandidatin aufstellen lassen. Wenn sie es jetzt tue, sei das inkonsequent, so die Schlussfolgerung.

Ach, bitte. Als würde das sich zieren vor der Bundesratswürde nicht dazugehören. Sie wäre nicht die erste Bundesrätin, die einmal behauptet hat, sie wolle das Amt gar nicht (Ueli Maurer lässt grüssen). Und auch dass sie jetzt zögert, ist irgendwie nachvollziehbar. Wenn ich gegen JSA verloren hätte, würde ich mir eine erneute Kandidatur auch zweimal überlegen. Dennoch vermute ich stark, dass sie schlussendlich kandidieren wird.

Bei der CVP dagegen gibt es weder eine klare Favoritin noch einen klaren Favoriten. Ein Name der viel ins Spiel gebracht wird ist Viola Amherd (irgendwie will ich immer Viola Tami sagen/schreiben…). Habe ich ehrlich gesagt bis jetzt nicht wirklich auf dem Schirm gehabt, wirkt aber sehr sympathisch. Und ihr Walliser Dialekt ist zum Schiessen! Stellt euch vor, sie erklärt Abstimmungsvorlagen („än ü hüere güeti Idee…“). Das fände ich wirklich sehen – und hörenswert.

Aber auch die CVP – Männer bringen sich in Stellung. Denn wie die baldige Alt – Bundesrätin Doris Leuthard in einem Interview betont, sei die CVP jetzt schliesslich 12 Jahre lang von einer Frau im Bundesrat vertreten gewesen. Nun ja. Dazu möchte ich nur anmerken, dass der Bundesrat sehr lange NUR aus Frauen bestehen muss, bis wir all die Jahre nachgeholt haben, in denen es KEINE Frau im Bundesrat gab. Nur so.

Apropos, das ist auch sehr spannend: Seit Elisabeth Kopp (übrigens die erste Bundesrätin der Schweiz) hat die FDP keinen weiblichen Bundesrat mehr gestellt. Elisabeth Kopp hat das Amt allerdings kein Glück gebracht. Sie musste gehen, weil der Vorwurf des Amtsmissbrauchs im Raum stand. Später wurde sie in allen Punkten frei gesprochen, aber da war ihre Karriere schon beendet. So schnell kann es gehen. Pierre Maudet kann ein Lied davon singen. Auch davon, wie schnell sich politische „Freunde“ verabschieden, wenn es brenzlig wird.

Pierre Maudet war auch einmal Bundesratskandidat und überzeugte mit seinem spitzbübischen Charme. Damals ahnte niemand von der Leiche aus Abu Dhabi, die in seinem Keller vergraben war. Was lernen wir daraus? Egal, wie sorgfältig die Auswahl ist, egal wie sehr man die Kandidaten auf Herz und Nieren prüft, egal wie perfekt sie die äusserlichen Kriterien betreffend Heimatkanton, Geschlecht und Sprachen erfüllen, man kann nie sicher sein, dass man den besten wählt.

Ich wäre ja für eine Kandidatur von Globi. Der hat einen grossen Erfahrungsschatz, ist kinderfreundlich, witzig, schlagfertig und vertritt seit Jahren die ganze Schweiz ohne eine Partei oder eine Landesregion zu bevorzugen. Einen besseren Botschafter könnte man sich gar nicht wünschen.

Und was das Geschlecht betrifft: Es gibt auch eine Globine. Die ist noch besser als Globi. Schliesslich ist das bei Frauen ja immer sehr wichtig, dass sie nicht nur gut sind. Sondern schlichtweg die Fähigsten.

PS: Wo wir gerade bei der Frauenfrage sind, die SP verlangt natürlich zwei Frauenkandidaturen. Allerdings wäre ich etwas vorsichtig mit solchen Forderungen. So wurde doch im Kanton Aargau gerade Cédric Wermuth zum Ständeratskandidaten gekürt…und nicht Yvonne Feri. Ausgerechnet Cédric Wermuth, der sich selbst gerne als feministischen Mann bezeichnet. Aber er könne Frauenanliegen schliesslich auch vertreten, findet er. Da müssen Frauen wohl dankbar sein, dass die Männer bis 1971 die Frauenanliegen so energisch vertreten haben…Selbst im Feminismus nehmen Männer für sich in Anspruch es besser zu können.

Samstag, 29. September 2018

Der König ist tot...


Wie das Leben so spielt: Da beschwere ich mich in meinem letzten Blog über den hauseigenen Bundesrat aus Langenthal – auch bekannt unter dem Namen JSA (zumindest behaupten manche Zeitungen, man nenne ihn so. Also ich finde ja, JSA klingt wie die Abkürzung von einem dubiosen Geheimdienst – und zack, zwei Tage später tritt er zurück. Vielleicht hat er ja meinen Blog gelesen und gedacht: Hm, diese kluge, junge Frau hat absolut Recht, dass mit den Waffenexporten war wirklich eine dumme Idee. Und mein Junior macht wirklich Unsinn. Am besten kümmere ich mich wieder selbst um das Geschäft! (Hey, man darf doch wohl noch seine Wahnvorstellungen haben!)

Ach, ich liebe Bundesratsrücktritte. Und Bundesratswahlen. Das ist alles so spannend. Wie in einem historischen Roman, wenn der König stirbt und seine Erben dann versuchen sich mit allerlei Intrigen die Krone unter den Nagel zu reissen (naja, nur dass man sich in der Schweiz nicht gleich den Schädel einschlägt. Und auch nicht gleich einen Rosenkrieg anzettelt. Und auch keine armen Kinder im Tower einsperrt und dann verschwinden lässt. Was natürlich auch daran liegt, dass wir gar keinen Tower haben).

Spannend sind auch immer die Porträts über die abtretenden Bundesräte und die möglichen Kandidaten. Ich weiss ja noch, damals als JSA in den Bundesrat gewählt wurde. Damals war ich siebzehn und sass gerade in der Schule im Informatikunterricht. Mein politisches Interesse hielt sich in Grenzen, ich hatte damals keinen blassen Schimmer was Johann Schneider – Ammann für eine Politik macht. Und dennoch hoffte ich damals, dass dieser gemütlich wirkende Herr mit der bedächtigen Miene und dem schiefen Lächeln, gewählt werden würde. Und wieso?

Weil er Langenthaler war/ist.

Tja. Irgendwo tief in mir drin sitzt eben doch eine kleine Lokalpatriotin. Manchmal meldet sie sich zu Wort. Bevor sie dann brutal von meiner inneren Hexe verprügelt wird und sich wieder stumm in die Ecke stellt. Eigentlich ist es nämlich total bescheuert, jemanden als Politiker gut zu finden, nur weil er aus derselben Gegend kommt. Realistisch betrachtet werde ich als junge, alleinstehende Frau, die als Buchhändlerin arbeitet, wohl kaum von einem über sechzigjährigen Unternehmer angemessen vertreten, nur weil wir zufällig im selben Coop oder Migros einkaufen gehen (wobei, ich glaube, meistens geht seine Frau einkaufen. Mit dem Fahrrad. Was zugegebenermassen sympathisch ist).

Trotzdem, dieser kleine, gut versteckte lokalpatriotische Teil in der Ecke meiner Seele, hoffte bei jedem offiziellen Auftritt von JSA, dass er eine gute Figur machen würde. Und so ärgerte ich mich dann, wenn die Sätze wieder schleppend über die Lippen kamen, die Miene wieder unbeweglich blieb, die Körpersprache allzu deutlich Nervosität ausdrückte. Irgendwie wirkte er immer verloren, der gute Herr, verloren auf der Weltbühne, verloren vor der Kamera und irgendwie auch verloren in den Wirren der Politik. Das weckte zweierlei Gefühle. Zum einen verspürte ich manchmal den Wunsch, ihm einen kräftigen Tritt in den Hintern zu verpassen – um den berühmt berüchtigten Pfupf im A…… zumindest zu simulieren – zum anderen, Mitgefühl. Mitgefühl, mit einem Mann, der unter der Bürde des Amtes zusehends zusammenzuschrumpfen schien. Kommunikation, Charme, Empathie – nicht gerade seine Stärken. Unfreiwillig komisch wurde seine Rede zum Tag der Kranken, die ihn und seine Leichenbittermiene weltberühmt machte (wobei ich mich immer noch frage: Wieso kommt er – als Berner und Oberaargauer – auf die Idee, diese Rede auf Französisch zu halten? In seiner Mundart, wäre es im wahrscheinlich leichter gefallen. Ich würde auch nie eine Rede auf Französisch halten. Da ich ein Bonne Chance Kind bin, würde sie sich auf „Bonjour Pierot, Bonjour Pierette“ beschränken.)

So wird er dann auch gewürdigt: Als stiller Schaffner im Hintergrund, der lieber abseits er grossen Bühne werkelte. Daran ist nichts auszusetzen. Zumal er sicher auch einer zuwege brachte.  Nur, die Fähigkeit, die eigene Arbeit gut zu verkaufen, gehört zu einem Bundesrat. Er konnte das nicht wirklich. Genauso wenig, wie er in der Lage war, Kritik an seinen Ideen und Vorhaben wirklich nachzuvollziehen und auf seine Kritiker einzugehen. Das war beim umstrittenen Freihandelsabkommen mit China genauso wie bei der Lockerung der Waffenexporte und dem Knatsch mit den Gewerkschaften. So ganz konnte er wahrscheinlich nie verstehen, wenn Menschen anderer Auffassung waren.

Dass er immer nach seinem besten Wissen und Gewissen handelte und es sich dabei nicht leicht machte, glaube ich sofort. Sollte aber noch einmal ein Oberaargauer Bundesrat werden, würde ich mir wünschen, dass dieser mehr wagt, mehr Farbe hat und mehr Spuren hinterlässt (ach ja, und wenn er ein Sixpack hätte und ein hübsches Gesicht und halblange Haare würde ich auch nicht nein sagen.)

Und wenn eine Oberaargauerin Bundesrätin werden würde, wären diese Eigenschaften ja ohnehin gesetzt. Wie Doris Leuthard bereits bewiesen hat. Zwei Tage nach JSAs Rücktritt, gab auch DL – auch genannt die schönste, kuhäugige Bundesrätin der Schweiz – bekannt, dass sie ihr Amt niederlegen wird. Die rasch aufeinander folgenden Rücktritte inklusive Pressekonferenz betonten noch einmal wie unterschiedlich Leuthard und Schneider – Ammann sind. Sie, emotional, energiegeladen und  aufgeräumt, er, trocken, spröde und erschöpft.

Laut einiger Journalisten soll Leuthard ja sauer auf Schneider – Ammann sein, weil der immer behauptet hat, er wolle erst 2019 zurücktreten und sie mit seinem abrupten Abgang nun komplett überrumpelt und in Zugzwang gebracht hat. Angeblich hat er absichtlich nicht bis zu ihrer Rückkehr gewartet, weil er lieber allein gehen wollte, um noch ein letztes Mal das Rampenlicht zu geniessen. Nun ja. Ob das jetzt stimmt oder nicht, sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall ist es schon ein bisschen komisch, dass sie nicht zusammen abgetreten sind. Wäre irgendwie…eleganter gewesen? Hätte geschlossener gewirkt? Kollegialer? Organisierter? Fast habe ich erwartet, dass Ueli Maurer auch noch verkündet, er wolle nicht mehr. Das hätte dann noch spannendere Bundesratswahlen gegeben.

Eine Frage stellt sich im Fall von JSA noch: Als er zum Bundespräsidenten gewählt worden ist, hat Langenthal ihm einen Platz gewidmet. Jetzt, wo er seine Bundesratskarriere beendet hat, ohne die Schweiz in die Luft zu jagen, müsste ja noch ein grösseres Geschenk her. Benennen wir jetzt Langenthal um? In Ammannthal? In Langenschneider? Oder doch eher Schnammannthal? Ich bin gespannt!

Samstag, 22. September 2018

Dorfgeflüster

Leider musste ich aufgrund meines vollen Terminkalenders die letzte Stadtratssitzung ausfallen lassen. Aber auch neben dem politischen Parkett gibt es aus Langenthal einiges zu berichten...ich sag nur: Drama Baby, Drama! 



Kunst oder nicht Kunst, das ist hier die Frage….

Meine süsse kleine Heimatstadt nimmt ja durchaus für sich in Anspruch eine Kunststadt zu sein (wir denken eben gross) und so stolpert man hier auch als Kunstbanausin zwangsläufig über das eine oder andere Kunstwerk. Zum Beispiel über die verrostete Skulptur, die seit ein paar Monaten vor dem Manor steht. Sie ist schwer zu beschreiben. Ich würde jetzt sagen, es ist ein arg verbogener Bilderrahmen. Aber ich wurde darüber belehrt, dass das gute Stück irgendeinen vergangenen Konflikt zwischen Stadt – und Burgergemeinde darstellen soll. Diese in Eisen gebannte Nostalgie hat einen Wert von 25‘000 Franken.

Ganz schön viel Kohle für etwas so Unscheinbares, aber bei Kunst kommt es ja nicht zwingend darauf an ob es hübsch ist oder nicht, sondern vielmehr darauf wer es geschaffen hat. Würde ich so ein Teil aufstellen, würde man mich freundlich bitten meinen Schrott wegzuräumen. Wenn ein von der Kritik gefeierter Jean Maboulès so was erschafft ist es Kunst. Das ist wie bei Aktien. Eigentlich hat es keinen Wert, aber weil die hohe Kunstgarde beschliesst, dass es Wert hat und es als gut und eigensinnig einstuft, ist es halt mal 25‘000 Franken wert. Und genau das ist das, was mich an dieser aufgeblasenen Kunstwelt stört: Es zählt nicht, ob es den Menschen gefällt oder sie berührt oder es inspiriert. Es ist eine Handvoll erlesener Kritiker, die sich das Recht herausnimmt, zu entscheiden was „echte“ Kunst ist. Dann wird sie gefördert, dann werden ein paar hochtrabende Zeilen darüber verfasst, wie „intellektuell“ und „herausfordernd“ das Gesamtwerk ist und schliesslich unterhält man sich bei der Ausstellung über „die fatale Nonchalance“ der Gesellschaft. Und alle Leute, die mit dieser Form der Kunst nichts anfangen können, sind halt einfach ein bisschen dumm und ungebildet.

Das ist wie bei RTL. Die haben sich einfach die Zielgruppe „14 – 30“ ausgesucht und schmeissen alle anderen aus der Statistik. Und so hat man plötzlich die viel besseren Quoten.  

Äh, ja, also jetzt bin ich abgeschweift. Eigentlich ging es um den Würfel, der so plötzlich vor dem Manor aufgetaucht ist, dass man hätte glauben können, ein paar Ausserirdische hätten ihr Gepäck vergessen. Das wiederum führte dann zu einigem Gerede. Woher kommt es? Und die noch viel wichtigeren Fragen: Wieviel hat es gekostet und vor allem: Wer hat es bezahlt? Hat sich vielleicht der Gemeinderat auf Kosten des armen Steuerzahlers ein persönliches Kunstwerk gegönnt? Oder ist das Kunstobjekt etwa ein raffiniert getarnter Bestechungsversuch? (mir fällt gerade niemand ein, der ein Motiv hätte Langenthal zu bestechen, aber bestechen klingt immer gut…hm, vielleicht sollte ich mal einen Verschwörungsroman schreiben…)

Aber nein, getreu dem Langenthaler Motto „warum vorher, wenn man auch nachher kann“ informierte die Stadt schliesslich, dass es sich bei dem Objekt um eine Skulptur und nicht um eine Bombe handelt. Und auch die Finanzierung ist skandalfrei: Die Stadt hat zwar einen Teil der Skulptur gezahlt, allerdings war das Geld auch von Anfang an für Kunst bestimmt (Kunst am Bau nennt man das. Ach, was sind wir doch für eine kultivierte Stadt!) Der andere Teil wurde von der Burgergemeinde spendiert. Alles hat also seine Ordnung.

Auch wenn ich persönlich finde, man hätte die 10‘000 Franken in ein schöneres Kunstwerk investieren können. In ein Einhorn – Denkmal zum Beispiel. Oder in eine lebensgrosse Skulptur von mir….


Wie war das noch mal mit der Vorzeigefirma?

Johann Schneider – Ammann. Ein Name, der untrennbar mit Langenthal verbunden ist. Ein Vorzeigepatron, der für seine Angestellten schaut, pflegte man zu sagen, keiner dieser gesichtslosen Manager, die nur Geld scheffeln wollen. Und dann kommt dieser unscheinbar wirkende, bescheidene Mann auch noch zu den höchsten Ehren überhaupt: Er wird Bundesrat! Seitdem stottert er sich durch Fernsehreden, Sessionen und Arenas. Gut, er wirkt bei öffentlichen Auftritten immer ein bisschen, als hätte er zu viel gekifft und zu wenig geschlafen, aber hey: Er ist Langenthaler! Das ist schon Qualitätsmerkmal genug.

Meine Sympathie für ihn ist inzwischen bei Minusgraden angekommen. Das liegt nicht an seinem fehlenden Redetalent, das ist nun einmal nicht jedem gegeben. Menschlichkeit aber sollte gerade bei jemanden der ein so hohes Amt bekleidet, an oberster Stelle stehen. Das ist bei ihm offensichtlich nicht der Fall, sonst hätte er nicht den grandiosen Einfall gehabt, Waffenexporte in Konfliktgebiete zu erlauben, weil sonst so viele Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie verloren gehen würden.

Ach ja stimmt, Arbeitsplätze rechtfertigen alles! Darum lass uns doch den Drogenhandel auch gleich legalisieren! Dann haben wir auf einen Schlag ganz viele neue Arbeitsplätze in einer aufstrebenden Branche geschaffen. Und die paar Menschen die deswegen draufgehen…Man muss eben Opfer bringen für das Wohl der Wirtschaft.

Mit Arbeitsplätzen ist das ohnehin so eine Sache. Mal sind sie wahnsinnig wichtig und dürfen unter keinen Umständen gefährdet werden (das ist immer dann der Fall, wenn irgendeine Wirtschaftsvorlage ansteht, bei der Unternehmen Privilegien einbüssen würden), dann aber ist das Schicksal der Arbeitnehmer wieder zweitrangig.

Ammann Junior zum Beispiel, der nach der Wahl des Herrn Papa, das Ruder in der Ammann Group übernommen hat, legt trotz den salbungsvollen Worten seines Vaters, nicht mehr besonders viel Wert auf den Erhalt heimischer Arbeitsplätze. Letztes Jahr hat das Unternehmen verkündet, dass es 130 Stellen abbauen wird. Beziehungsweise eben nicht komplett abbauen sondern ins Ausland verlagern. Dort ist es halt billiger.

Der Vater findet, dass man für den Erhalt von Arbeitsplätzen lästige moralische Bedenken schon mal zur Seite schieben kann, während der eigene Sohn aus wirtschaftlichen Gründen im Familienunternehmen Stellen streicht…Welche Ironie. Es wäre saukomisch, wenn es nicht so traurig wäre.

Immerhin: Heute konnte die Amman Group mit Stolz verkünden, dass sich für die meisten der betroffenen Arbeitnehmer bereits eine Lösung gefunden hätte. Dies dank dem von Ammann organisiertem und finanzierten Jobcenter. Damit sei der soziale Auftrag  der Unternehmung erfüllt, so Stadtpräsident Reto Müller. Ehrlich gesagt, hätte ich mir von der Stadt von Anfang an etwas mehr erhofft als „ist schon traurig, aber wir haben Verständnis für diesen Schritt“. Ein bisschen mehr Mut zur Kritik hätte nicht geschadet. Immerhin ist es doch der vielbeschworene Wirtschaftsstandort Langenthal (das sind wir auch noch, wenn wir nicht gerade Kulturstadt oder Sportstadt sind), der Schaden nimmt.

Denn, egal wie man es dreht und wendet: Die Stellen sind weg. Und damit hat das Märchen von dem „vorbildlichen Patron, der für seine Firma und seine Mitarbeiter kämpft“ eine unschöne Wendung genommen. Auch wenn es der Sohn ist, der nun das Sagen hat, ein Rest bleibt eben doch am Herrn Bundesrat hängen. 

Ein Trost bleibt Schneider – Ammann immerhin: Wir haben immer noch einen Platz, der nach ihm benannt ist. Eine grosse Ehre für ihn. Ob es eine Ehre für Langenthal ist muss jeder für sich entscheiden.


Eiszeit

Momentan erhitzt aber ein ganz anderes Thema die sonst eher behäbigen Langenthaler Gemüter: Das neue Eisstadion. Obwohl das Projekt noch immer arg in den Kinderschuhen steckt (um exakt zu sein, hat man sich gerade mal darauf geeinigt, wo man es hinstellen will), liegt man sich schon in den Haaren. Der SCL zieht seine Tochtergesellschaft, die Arena Oberaargau, aus der Projektplanung zurück. Der Grund: Die Stadt wolle die Projektplanung wieder an sich reissen. Das würde zu Verzögerungen führen und das sei unzumutbar, denn schliesslich brauche der Club ein neues Stadion.

Äh ja. Ich gebe zu, ich bin kein Fan der Eishalle (eventuell hat man das bei ein paar meiner Blogs es bizzeli gmerkt) aber ich sehe durchaus, dass vielen Langenthalern der SCL wichtig ist. Und na ja, schliesslich haben wir ein neues Stadttheater gekriegt, dann sollen die Sportler (oder die kulturellen Sportler) auch ihr Stadion kriegen (was bin ich nicht für ein solidarischer und grossherziger Mensch)  wenn es mal zur Abstimmung über die Eishalle kommt, würde ich tatsächlich Ja hinschreiben. Aus purer Herzensgüte).

Als nicht  sportinteressierte Langenthalerin finde ich das Verhalten des SCL rein objektiv betrachtet allerdings ganz schön wunderlich. War es nicht von Anfang an klar, dass man nicht heute den Standort hat, morgen die Bewilligungen kriegt und übermorgen schon baut? Und ist es nicht besser, wenn man sich die Planung gründlich überlegt? Hat beim Stadttheater schliesslich auch geklappt. Ja, es ging lange, aber am Ende hatten alle Freude daran. Was nützt es, wenn man etwas übers Knie bricht und es dann verdirbt?

Und mal abgesehen davon: Ich kenne mich jetzt nicht wirklich mit solchen Bauprojekten aus, aber ich könnte mir vorstellen, dass es da noch ein paar Vorschriften zu beachten gibt. Wir haben hier auch so etwas, das nennt sich Demokratie. Das bedeutet, das eben nicht einer allein entscheiden kann, sondern das mehrere Menschen in den Entscheidungsprozess eingebunden werden. Das kann man nicht einfach so wegwischen kann nur weil es jetzt halt der SCL ist, der etwas bauen will.

Ja, ja ich weiss, der SCL ist wichtig für die Region. Trotzdem stört mich die anmassende Haltung des Clubs. Immerhin finanziert die Stadt  das Stadion. Nicht jeder hier ist ein Eishockeyfan (ich bin der lebende Beweis dafür) und wird es nutzen. Da wäre vielleicht eine Spur Dankbarkeit und ein Schuss Demut ganz angebracht, statt so eine Trotzreaktion. Schliesslich kriegen sie ja ihr Stadion. Nur halt nicht so schnell.

Ausserdem: Lasst uns mal die Relationen sehen. Es geht um ein Stadion und um einen Eishockeyclub. Nicht darum, dass hungernde und frierende Menschen kein Dach über den Kopf haben. Man muss also auch nicht so ein Drama machen, als ginge es um Leben oder Tod. Sportstadt hin oder her.

Aber was wäre Langenthal ohne all diese kleinen Dramen?

So durchschnittlich wie alle immer behaupten.