Dienstag, 13. März 2018

Einhörner an die Macht



Liebe Leser, liebe Leserinnen

Ich weiss, dass ich mich in der Vergangenheit ziemlich oft in diesem Blog über die SP beschwert habe (Na gut, ich gebe es ja zu: Eine Zeitlang habe ich mich dauernd über die SP beschwert, aber nur weil ich eine  Identitätskrise hatte! Wobei, wenn ich es mir recht überlege, habe ich immer eine Identitätskrise…) Aber ich bin nun mal so. Ich beschwere mich immer über irgendwas! Ich nenne mich deshalb gerne auch einen kritischen Geist. Andere nennen mich deshalb eine Nervensäge.

Egal, darum geht es nicht. Es geht darum, dass bei uns im Kanton Bern Grossrats – und Regierungsratswahlen vorstehen und auch wenn die SP sicher nicht perfekt ist – wer oder was ist das schon – bin ich der festen Überzeugung, dass wir von allen Parteien mit Abstand die meisten Einhörner in unseren Reihen wissen. Und stellt euch einmal vor: Zwölf dieser munteren, bunten Einhörnern stellen sich im Oberaargau zur Wahl!

Jetzt verdreht wahrscheinlich der eine (oder die eine) entnervt die Augen. Jetzt kommt die schon wieder mit Wahlen, stöhnt ihr und vielleicht schlagt ihr sogar vor Frustration den Kopf auf die Tischplatte. Aber hey, ich kann auch nichts dafür, dass wir dauernd irgendwelche Wahlen haben! Ich meine es ist jetzt ehrlich gesagt auch nicht so mein Hobby am frühen Morgen in Eiseskälte den Menschen lächelnd Prospekte in die Finger zu drücken (verflucht sei mein Pflichtgefühl. Wobei ich dieses Jahr aufgrund meiner Monstererkältung noch keinen Einsatz als wandelnde Wahlwerbung hatte).

Auch wenn euch mein Geschwafel über Wahlen und Kandidaten auf die Nerven geht, es ist nun einmal wichtig. Enorm wichtig für all jene, die im Kanton Bern leben. Denn es sind nicht nur leere Floskeln. Die Menschen, die wir in den Grossen Rat und in den Regierungsrat wählen haben massgeblichen Einfluss auf unsere Zukunft. Sie sind es, die die Marschrichtung bestimmen.

Jetzt kann man sagen, dass die hohe Politik uns kleine Menschen kaum berührt, ja im Grunde gar nicht so viel mit uns zu tun hat. Das ist nicht wahr. Die Geschicke des Kantons Berns gehen uns alle etwas an, weil wir hier leben, unsere Steuern hier zahlen, unsere Kinder hier zur Schule schicken, hier gepflegt werden wenn wir alt sind und hier Sozialhilfe beziehen, wenn wir sie brauchen (ausser wir ziehen weg, natürlich).

Wenn es einen richtigen Zeitpunkt gibt, sich ernsthaft mit Wahlen auseinanderzusetzen, dann ist er jetzt gekommen. Denn die Sparmassnahmen, die im Kanton Bern zurzeit mit eiserner Hand durchgepeitscht werden, fallen nicht in die Kategorie „blöd, aber man kann damit leben“ sondern eher in die Kategorie „das wird sich verheerend auswirken“.

Ich kann nicht mit Zahlen um mich werfen, wie das andere so fleissig in Leserbriefen oder Diskussionen tun. Ja, ich höre immer wieder: Die Sparmassnahmen sind notwendig. Wir müssen noch mehr. Wir müssen dieses Opfer bringen. Vielleicht stimmt das. Vielleicht stehen die Finanzen im Kanton Bern nicht zum Besten (auch wenn wir – wenn ich mich nicht täusche – in den letzten Jahren immer über dem Budget waren, aber nach unserer Finanzdirektorin, kann man das ja nicht so beurteilen). Das Problem fängt schon mal damit an, dass nicht wir diese Opfer bringen. Die Opfer bringen in erster Linie die Schwächsten von uns. Die Kranken. Die Arbeitsunfähigen. Die Alleinerziehenden. Diejenigen, die auf Hilfe angewiesen sind.

Das in der Bildung gespart wird, ist schlimm, denn die Kinder und die Jugend sind unsere Zukunft und für uns als kleine Land enorm wichtig. Dass aber im Sozialwesen auf eine so rücksichtslose Art und Weise gespart wird, wie unter unserem sogenannten Sozialminister Pierre – Alain Schnegg ist eine Katastrophe. Ich verstehe das nicht. Ich verstehe nicht wie jemand mit völlig emotionsloser Miene den Rotstift ansetzt und sich nicht einmal die Mühe macht, auf irgendjemanden, der sich an der Front mit der Materie auseinandersetzt, zu hören. Man kann das Sozialdepartement doch nicht wie ein gewinnorientiertes Unternehmen führen!

Also man kann schon. Ist halt einfach scheisse, weil weder das Gesundheitswesen noch die Sozialhilfe Gebiete sind, die sich für hohe Gewinne eignen. Weil – und das wird jetzt vielleicht manchen Bürgerlichen überraschen – es hier nämlich nicht um Fischstäbchen geht, sondern um Menschen. Menschen, die Hilfe brauchen und für einen Sozialminister muss es nicht die erste Priorität haben, möglichst viel Kohle zu scheffeln, sondern mit den zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst vielen jene Unterstützung bieten, die sie brauchen, wenn es ihnen schlecht geht. Wenn sich ein Sozialminister dann noch grossartig als Christ bezeichnet, wie es Pierre – Alain Schnegg tut, dann erst recht. Ich finde es eine äusserst merkwürdige Auffassung von Nächstenliebe, wenn man die Sozialhilfe so rigoros kürzt. Als Christ hätte er die Pflicht, den Schwächeren zu helfen und er wäre verdammt noch mal auch in der Position dazu wirklich etwas zu bewegen. Und wenn er das nicht tut, weil er lieber über Wirtschaft faselt, dann soll er uns wenigstens mit seinem Geplapper von christlichen Werten verschonen.

Während man im Sozialwesen alles einspart, was nicht bei drei auf dem Baum ist, will man den im Kanton Bern ansässigen Unternehmen Steuergeschenke in den Hintern schieben. Obwohl der Kanton Bern die nationale Unternehemensteuerreform wuchtig abgelehnt hat, lässt sich der Regierungsrat davon nicht beirren und will immer noch die Steuern senken. Weil die Unternehmen ja wichtig sind für den Kanton. Weil es wichtig ist, dass die Wirtschaft gut läuft. Ja, das kann ich schon nachvollziehen. Nur bin ich der Meinung: Von einer blühenden Wirtschaft müssen wir alle profitieren. Und vor allem eben jene, die auf Unterstützung angewiesen sind. Die Gleichung sollte sein, wer viel hat, soll auch einige davon geben. Und nicht, wer viel hat, soll noch mehr bekommen.

Ja, ja, sagt nur ich bin naiv und weltfremd. Nur ganz ehrlich: Wir haben die Wirtschaft erfunden. Wir haben die Regeln dafür festgelegt. Wir haben dieses Werkzeug erschaffen. Die Wirtschaft ist nicht ein gottgegebenes Naturgesetz. Und die Wirtschaft soll uns, den Menschen dienen und nicht wir Menschen der Wirtschaft.

Gut, die Bürgerlichen versprechen Steuersenkungen. Auf den ersten Blick ist das verlockend. Wer zahlt schon gerne viel Steuern? Nur, was haben wir schlussendlich davon? Vielleicht zahlen wir weniger Geld, dafür sind unsere Strassen schlechter, unsere Gesundheitsversorgung mies und keinerlei Absicherung für den Fall, dass das Leben uns aus übel mitspielt. Ich bin eine gesunde, junge Frau, die ihr eigenes Geld verdient. Aber ich kann schon morgen einen Unfall haben, der mich arbeitsunfähig oder zum Pflegefall macht. Uns allen kann das passieren. Was wollen wir dann für einen Kanton? Einen, der uns unterstützt oder einen, der uns sagt, wir sollen so schnell wie möglich wieder selber auf die Beine kommen?

Ich habe mal in einem Buch gelesen, dass man den wahren Charakter eines Menschen nicht danach beurteilen soll, wie er die Starken behandelt, sondern wie er sich den Schwachen gegenüber verhält. Natürlich wäre es anmassend von mir zu behaupten, dass jeder Bürgerliche im Grossen Rat, der die Sparmassnahmen unterstützt, ein schlechter Mensch ist. Ich wünschte mir allerdings, dass sie ihre Moral und ihren Anstand nicht einfach abstreifen würden, wenn es um politische Handlungen geht. Was ist das zum Beispiel für ein Verhalten, wenn man in einer Debatte über schmerzhafte Einsparungen bei Behinderten, einfach den Saal verlässt? Und danach redet man sich damit heraus, es seien halt so viele SP Leute am Rednerpult gewesen? Das ist zum einen eine völlig bekloppte Ausrede, weil da ja auch irgendwo der Sinn des Grossen Rates ist. Dass man miteinander redet und dann eine Lösung findet, die für möglichst viele passt. Und dass man auch mal den Argumenten der Gegner zuhört. Ansonsten könnte man sich die ganzen Debatten ja sparen und die Grossräte und Grossräte gehen einfach schnell ins Rathaus zum Abstimmen. Wäre wahrscheinlich sowieso billiger.

Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass es damals einen anderen Grund gab, wieso so viele Grossräte den Saal verliessen. Weil sie keine Lust hatten, sich den Konsequenzen ihres Handelns zu stellen. Sparen ist immer leicht, wenn man nicht selbst direkt betroffen ist und ausblenden kann, was es von Menschen abfordert.

Die Mentalität, die gerade so hoch im Kurs ist, lautet: Wenn jeder für sich selber schaut, ist für jeden gesorgt. Das ist kurzsichtig. Und das ist gefährlich. Wenn jeder sich nur um sich selbst kümmert, gibt es kein gemeinschaftliches Denken und Streben mehr. Keinen Zusammenhalt mehr. Ich bezweifle irgendwie, dass das so gut ist für die Gesellschaft.
Aber wir haben die Chance, das zu ändern. Ich höre immer wieder: wieso macht die SP nichts? Nun, liebe Leute, wenn die Mehrheitsverhältnisse so bleiben wie sie sind, kann die SP nichts machen. Oder zumindest nicht viel. Denn egal wie leidenschaftlich die SP debattiert – und glaubt mir, unsere Grossräte können das gut – am Ende wird gemacht, was die Mehrheit will.

Wenn ihr also eure Wahlzettel ausfüllt, überlegt euch gut was ihr wollt. Wenn ihr einen bunten, lebhaften Kanton wollt, der für alle da ist, statt für wenige, dann gebt bitte den Linken und den Grünen eure Stimme. Und wenn ihr zufällig im schönen Oberaargau wohnt, dann schmeisst doch die Liste 6 in den Briefkasten oder in die Urne und unterstützt damit die kreativen, cleveren und farbigen Einhörner aus unserer Region.

Denn mehr Einhörner braucht der Kanton!

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