Montag, 12. Februar 2018

Die schönste Jahreszeit



Warum bist du so angefressen von der Fasnacht, werde ich oft erstaunt gefragt. Und ja, eigentlich passt die Fasnacht auf den ersten Blick gar nicht zu mir. Ich fühle mich nie besonders wohl in einer grossen Menschenmenge und wie ihr alle wisst, trinke ich nicht nur keinen Alkohol, sondern mag es auch nicht, wenn alle um mich herum betrunken rumwanken.

Und doch ist es so, dass mich die Fasnacht fest im Griff hat. Schon als Kind wurde ich mit diesem Virus infiziert, weil meine Eltern sich in die Langethaler Fasnacht verliebt hatte. Sie waren zwar nie Mitglied in einer Gugge oder in einer Schnitzelbank, aber meine Mutter schneiderte immer die Kostüme für die ganze Familie und da wir ja immerhin sechs Personen sind, kam immer eine flotte Truppe zusammen (Tatsächlich haben es meine Eltern es – als Clowns - sogar ins Langethaler Fasnachtsbuch geschafft. Nicht schlecht für zugewanderte Winterthurer oder?).

Als ich noch klein war – also bis ich neun war – lebten wir in einer Wohnung direkt in der Marktgasse. Da hatten wir die Fasnacht quasi im Wohnzimmer. Das war immer etwas Besonderes. Klar, ging einem der Lärm auch mal auf die Nerven und wenn man dabei zusehen konnte, wie jemand gerade den Parkplatz vollkotzte, war das sicher nicht der schönste Anblick. Und doch, man spürte einfach, dass ein ganz anderer Geist herrschte. Es war, als hätte sich Langenthal von einem etwas behäbigen gutbürgerlichen Städtchen in ein wildes Land voller unbegrenzter Möglichkeit verwandelt, in ein verzaubertes Land voller Farben und Musik.

Das Schönste an der Fasnacht war als Kind natürlich der Umzug mit den fantastischen Kostümen und den prächtigen Masken. Tatsächlich war ich so hingerissen davon, dass ich oft vergass, dass hinter den Verkleidungen ganz normale Menschen steckten. Für mich waren das wirklich fremdartige Wesen aus einer anderen Sphäre. Deshalb habe ich immer Angst bei den unheimlichen Sujets bekommen und noch heute rieselt mir der eine oder andere Schauer über den Rücken, wenn ich dunklen Vollmaskierungen über den Weg laufe.

Als Teenie ging ich immer noch gerne an die Fasnacht, nur hatte ich immer mehr Mühe Begleiter zu finden. Weil meine Freundinnen hatten keinen Spass mehr daran und auch bei meinen Eltern war das Fasnachtsfieber abgeflaut. Und plötzlich stand die Fasnacht vor der Türe, aber niemand wollte mit mir hingehen. Also fragte ich meine Schwester und es wurde nicht nur der Abend an dem wir feststellten, dass wir super miteinander feiern können, sondern auch der Abend, an dem die Idee geboren wurde, eine Schnitzelbank zu gründen.

Was liebe ich an der Fasnacht also? Die Kreativität, die sich in den Kostümen und den fantasievollen Wagen widerspiegelt. Die Vorfreude, die lange vorher durch die Gassen vibriert. Die Leidenschaft, die jeder mitbringt, der aktiv an der Fasnacht teilnimmt. Das Tanzen auf der Strasse. Dass überall Musik zu hören ist. Dass man sich mit jedem unterhalten kann. Der freche Witz, den man zeigen darf. Dass man feiern und fröhlich und sorglos sein kann. Zumindest für diese Tage, kann man den Alltag wegschieben und sich ganz in das fasnächtliche Treiben werfen.

Wenn die Fasnacht beginnt ist es, als würde man eine andere Welt betreten. Staunend betrachtet man erst das wilde Treiben, ist fasziniert von den bunten Gestalten und plötzlich ist man mitten drin, als hätte man schon immer dazugehört. Und wenn der Zauber dann vorbei ist, ist man enttäuscht und hat Mühe damit, wieder in die graue Welt zurückzukehren.

Für mich ist Fasnacht ein Stück Freiheit und ein Atemholen bevor sich das Jahr, gespickt mit Arbeit, Terminen und Pflichten, wieder anfängt zu drehen. Die Fasnacht strahlt in allen Facetten des Lebens. Obwohl die meiste Zeit ausgelassen und lustig, spürt man doch manchmal auch eine gewisse Melancholie, die mitschwingt und man hört – gerade in Schnitzelbänken – auch die Kritik am Lauf der Welt. Diese stillere und ernsthaftere Seite gehört für mich genauso zur Fasnacht wie das fröhliche Feiern.

Natürlich hat  auch die Fasnacht ihre schlechten Seiten. Es gibt sie, diese Menschen, die glauben an der Fasnacht würden die üblichen Anstandsregeln nicht gelten und man könne ungestört die Sau rauslassen, ohne Rücksicht auf andere. Das ist schade. Fasnacht ist dann schön, wenn man respektvoll und freundlich miteinander umgeht. Sie ist weniger schön, wenn man sich sogar in diesen tollen Tagen das Leben noch schwermacht.

Deshalb bitte ich euch: Mault nicht rum, wenn die Gugge falsch spielt oder euch die Schnitzelbank nicht gefällt oder der Umzug zu lange ist. Freut euch lieber daran, dass wir so eine tolle, inspirierende Fasnacht haben und freut euch über all jene, die viel Zeit, Liebe und Engagement in Kostüme, Wagen, Lieder und Verse stecken. Wir alle sind die Fasnacht und wir alle können dazu beitragen, dass sie auch dieses Jahr ein unvergessliches Fest für Langenthal wird.

In diesem Sinne: Schöni Fasnacht!

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