Sonntag, 19. November 2017

Trägst du denn keine Liebe mehr in dir?



Es gibt Dinge, die kann ich nur schwer akzeptieren. Eines davon ist, dass die PNOS (Jupp, das sind die Rechtsextremen. Wenn ihr euch mal so richtig schön ekeln wollt, geht auf deren Webseite) offenbar bei den Grossratswahlen antritt. Das ist schlimm. Klar man sagen: Das ist eine politische Partei, die haben das Recht dazu und überhaupt, was ist mit der Meinungsfreiheit? Nun, ich persönlich halte die PNOS für äusserst grenzwertig. Die Partei verbreitet Rassentheorien, bezeichnet Menschen als „Geschwür“, bildet Mitglieder zu einem eigenen Sicherheitsdienst mit dem sinnigen Namen „Ahnensturm“ aus, lädt rechtsextreme Redner zu Podien ein und trauert offensichtlich einem Weltbild nach, dass direkt aus Nazideutschland stammen könnte.
Ja, sie geben sich gerne als soziale Partei aus und behauptet, sich am demokratischen Prozess beteiligen zu wollen, aber weder salbungsvolle Worte noch schicke Anzüge können darüber hinwegtäuschen, dass ihre Gesinnung tiefbraun ist. Und wer das nicht sieht, ist definitiv auf dem rechten Auge blind.

Ich richte das folgende Gedicht an alle Rechtsextremen. Weil es mich echt interessieren würde, was in ihren Köpfen vorgeht und wie sie mit sich selbst überhaupt im Reinen sein können. Zugleich möchte ich dem Leser auch zeigen, dass wir die Konsequenz von solchem Gedankengut bereits kennen. Man kann schon die AfD oder die PNOS wählen. Aber dann sollte man sich auch damit konfrontieren, was geschehen wird, wenn wir solchen Menschen  das Ruder überlassen.

„Trägst du denn keine Liebe mehr in dir?“

Sag mir, was spürst du denn wenn du mit deinen Springerstiefel in stumpfen Gleichklang mit den anderen marschierst,
Und dabei unter den schweren Sohlen alles Andersdenkende zerbrichst?
Was denkst du, wenn du brüllend im Chor Parolen skandierst,
Und du dabei genau jene  Worte wiederholst,
Die unsere Welt einst in Fetzen rissen,
Und alles was gut und schön war in die Dunkelheit stiessen.
An denen das Blut so vieler Menschen klebt,
Und deren Echo noch heute das Leben weiterer zerstört?

Trägst du denn keine Liebe mehr in dir?
Kein Mitgefühl, kein Verständnis, kein Funke Gespür,
Ist alles von Hass und Wut so zerstört,
Dass du das Menschliche in dir gar nicht mehr hörst?

Sag mir, fühlst du denn gar kein Mitgefühl in dir,
Wenn du siehst wie das Feuer des Krieges ganze Städte verschlingt,
Und das Leben von Kindern im Blut ihrer Eltern versinkt,
Und ihr Lebenslicht auf einen Schlag erlischt,
Weil ihr Fluchtweg über ihnen zusammenbricht,
Fühlst du denn gar nichts dabei, nur deine kalte Gleichgültigkeit?

Trägst du denn keine Liebe mehr in dir?
Ist dort wo dein Herz schlagen sollte, nur eine geschlossene Tür,
Ist hinter den Fenstern deiner Seele das Leben längst entflohen,
Oder hat das Gift des Hasses deine Liebe einfach gestohlen?

Sag mir, warum denkst du, ein Mensch sei weniger wert,
Nur weil sein Spiegelbild ein anderes Gesicht als deines zeigt,
Nur weil in seinen Adern nicht das Blut deiner Vorfahren fliesst,
Nur weil sein Mund eine andere Sprache spricht,
Hast du vergessen, dass wir alle aus derselben Erde geschaffen wurden,
Und unsere Herzen im Gleichklang unserer Seelen schlagen?

Ich denke du fühlst es, aber es ist dir egal.

Dir ist es egal, wie viel du kaputt machst,
Dir ist es egal, wie viel Hass du säst,
Dir ist es egal, dass du zum Krieg ausrufst,
Dir ist es egal, dass du auf die Menschlichkeit spuckst,
Dir ist es egal, dass deine Ideologie alle Individualität zerfrisst,
Dir ist es egal, dass du andere einfach vom Leben ausschliesst,
Dir ist es egal, dass du uns mit deiner Kälte die Luft zum Atmen nimmst,
Dir ist es egal, dass du das gefährdest, was andere errungen haben,
Dir ist es egal, dass Schwächere den Preis für deinen Nationalstolz sagen,
Dir ist es egal, wenn das Unrecht Legitimation erhält,
Dir ist es egal, wenn unsere Freiheit zur Asche verfällt.

Denn wenn die Welt erneut am Abgrund steht,
Und die Flagge des Krieges über unseren Köpfen weht,
Wenn Unschuldige von falschen Richtern verurteilt werden,
Weil sie nach deren Auffassung nicht die richtige Meinung vertreten,
Wenn die Schwulen für ihre Liebe den Tod auf dem Richtblock finden,
Und statt Lieder die Schreie der zu Unrecht Erschlagenen erklingen,
Wenn die falsche Hautfarbe schon Grund genug ist, vernichtet zu werden,
Und Kinder Seite an Seite mit ihren Eltern sterben,
Dann lachst du nur, marschierst, skandierst, hebst stolz die rechte Hand
Und rufst: „Heil und Sieg dir, mein getreues Vaterland!“

Denn du trägst keine Liebe mehr in dir.

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