Freitag, 14. April 2017

Models, am Rande des Wahnsinns



Inzwischen geht die Staffel schon mit grossen Schritten auf das Ende zu. Schon geht es um den Einzug in die Top Ten. Und um zu den besten zehn zu gehören, müssen die Models noch einmal alles geben – vor allem aber ihre Skrupel und Hemmungen. Zumindest den kläglichen Rest, der nach mehreren Wochen unter der Fuchtel von Heidi Klum noch übrig geblieben ist.

Der Po – Skandal

Letzte Woche mussten sich die Nachwuchsmodels vor die Linse des gefürchteten Star – Fotografen Rankin wagen. Der ist nicht nur anspruchsvoll, sondern auch mürrisch und so direkt, dass er sich auch nicht davor scheut, die jungen Frauen zu beleidigen, wenn sie ihn nicht überzeugen. In dieser Staffel hält er sich gar nicht zurück. Die bildschöne Céline bezeichnet er als Fisch, die hübsche und bemühte Serlina erntet nur Hohn und für die Posen der gerade mal siebzehnjährigen Soraya hat er nur Spott übrig.

Wohlgemerkt: Das Shooting bestand darin, sich in einem fahrenden Bett mit einem männlichen Model zu vergnügen. Obwohl die jungen Frauen nur aufreizende Unterwäsche tragen, werden die Bilder mitten auf den Strassen von Los Angeles geschossen, wo jeder Passant einen hervorragenden Blick auf sie hat und jeder mit seinem Handy Fotos schiessen kann.

Ich bin sicher nicht prüde (siehe Eintrag Nackte Tatsachen), aber ich kann absolut verstehen, wenn sich jemand unwohl dabei fühlt sich so vor einer grölenden Menschenmenge zu präsentieren. Allerdings verblüfft mich da eines: Wieso wehren sich die Models nicht? Dieselben Models, die einen Wutanfall bekommen, wenn man ihnen zwei Millimeter Haare abschneidet und einen Weinkrampf, wenn sie in keiner Luxusvilla übernachten dürfen, lassen sich von einem schwitzenden Typen mit Bierbauch beleidigen und sagen keinen Ton. Wieso? Weil es ein Starfotograf ist? Das gibt ihm noch lange nicht Recht ein siebzehnjähriges Mädchen als langweilig zu bezeichnen, nur weil es Hemmungen hat, sich mit einem ihr wildfremden Typen auf dem Bett rumzuwälzen. 

Das Resultat des Shootings: Soraya wurde rausgeworfen und die Bilder der Models landeten in der Presse. Lynn hat die zweifelhafte Ehre ihren Hintern in der Bild – Zeitung bewundern zu dürfen. Das erschüttert sie mehr, als dass es sie freut. Verständlicherweise fühlt sie sich entblösst.

„Das gehört eben zum Modelleben“ lautet der lapidare Kommentar zu Thomas Hayo zu Lynns persönlichem Drama. Nun gut, natürlich wird man als Models auch mal freizügige Fotos von sich schiessen und natürlich wird vielleicht mal ein Bild in der Presse landen, dass man nicht da haben wollte. Aber man muss die Situation deswegen nicht gleich absichtlich provozieren.

Der Charme einer Kratzbürste

Auch zu einem Casting dürfen die Models gehen. Oder zumindest drei von ihnen: Anh, Romina und Leticia. Den Job absahnen tut dann Leticia. Die Freude ihrer Mitkonkurrenten hält sich in Grenzen, besonders das gegnerische Team empfängt Leticia nach ihrem Erfolg sehr kühl. Das wiederum ärgert die stolze Schöne.

Nur: Leticia ist es, die kein gutes Haar an den anderen Models lässt und die sich nicht zu schade ist, andere nachzuäffen oder  sie schlechtzumachen. Besonders auf eine hat sie sich eingeschossen: Sabine. Die kleine Blonde mit dem süssen Lachen hat schon Greta und Neele die Laune versaut und jetzt eben Leticia.

Sabine ist nicht nur eine ganz schöne Diva, die schon mal in Tränen ausbricht, wenn sie mit einem Stock laufen muss, sie ist auch wahnsinnig beliebt bei den Kunden. Immer wieder wird sie gebucht, was den anderen Models sauer aufstösst. Denn Sabine sei ja total falsch und würde die Jobs nur bekommen, weil sie so hübsch lächeln könnte. Besonders Leticia findet es unverständlich, dass sich ein Kunde nicht für sie, sondern für die zierliche Blondine entscheiden kann.

Nur ist es eben so, dass es den Kunden herzlich wenig interessiert, ob das Model jetzt wirklich aus tiefstem Herzen lacht oder einfach überzeugend die Fröhliche spielen kann Es soll ja auf dem Foto gut aussehen. Und Sabine mag zwar anstrengend sein, aber bei Kunden gibt sie sich freundlich, offen und herzlich, während Leticia öfters so dreinschaut, als möchte sie den Kunden gleich mal die Fresse polieren, sollten sie es wagen, sich nicht für sie zu entscheiden.

Aber Leticia ist nicht die Einzige, die ein kleines Problem mit ihrer Eifersucht hat. Auch Anh, die am Anfang eigentlich durch ihre Professionalität und Sachlichkeit bestach, entpuppt sich langsam als Giftschlange. Als auch sie einmal gegen Sabine den Kürzeren zieht, beschwert sie sich bei der Jury, dass Sabine den Job bekommen hat obwohl ihre Performance nicht überzeugend gewesen sei. Nur übersieht Anh bei ihrer Schimpftriade ein kleines Problem: Sie kritisiert so nicht Sabine, sondern den Kunden, dem sie so ja unterstellt, nicht in der Lage zu sein, ein geeignetes Model für sein Produkt zu finden.

Auch Anh macht jedoch noch so ihre Erfahrungen mit Leticias eigenwilligem Charme. Diese Woche ist ein besonderer Catwalk geplant, bei dem die Models Schachfiguren darstellen sollen. Die Teams müssen selbst entscheiden, wer welche Figur verkörpert. Während Team Schwarz das Ganze demokratisch und nach der Leistung der Models verteilt, wird im Team Weiss einfach nach dem Grapsch – Prinzip entschieden – wer die Figur als erstes in der Hand hat, hat gewonnen. So schnappt sich Leticia einfach den König, während für Anh, die eigentlich am besten im Team Weiss läuft, nur der Bauer übrig bleibt. Als sie sich über diese Ungerechtigkeit beklagt, wird sie von Leticia angeblafft, sie solle jetzt kein Theater machen.

Ihre Hoheit hat gesprochen.

Ein Schmierentheater

So begabt die jungen Mädels auch sind in der einen Sekunde das Unschuldslamm und in der anderen Sekunde den Teufel zu mimen, so untalentiert sind sie offenbar, wenn es ums Theaterspielen geht. Der Dreh eines Fashion – Films wird zum komödiantischen Höhepunkt der Episode. Allerdings ist es eher unfreiwillig komisch.

Da wäre zum Beispiel Lynn, welche ihre Sätze so monoton runterleiert, als wäre sie ein Roboter auf Speed und das Ganze noch mit eckigen Bewegungen unterlegt. Oder Céline, die den Gangster anschreien soll, ihn aber anpiepst. Oder natürlich Giuliana, die keinen einzigen
zusammenhängenden Satz herausbringt.

Bei Giuliana schwankt man ohnehin zwischen Mitleid, Ungläubigkeit und Amüsiertheit. Das schöne Model fällt eher durch ihre ständige Verwirrung auf als durch ihre Leistungen. So macht sie vor dem wichtigen About – You Casting lieber ein Nickerchen, als sich einen Text zu überlegen. Sie könne so was spontan machen, behauptet sie. Minuten später blamiert sie sich vor dem Kunden mit einer super spontanen Darbietung, die hauptsächlich aus „Ähms“ besteht. Auch mit Choreographien tut sie sich schwer. Sie bricht ihren Lauf auch einfach mal ab und flucht dann schlimmer als ein Kesselflicker. Oder sie stopft während eines Interviews einfach mal einen Apfel in sich rein. Oder knutscht während einer Challenge, obwohl sie eigentlich gar nicht knutschen wollte. Kurz: Giuliana ist wandelndes Chaos dabei aber wahnsinnig sympathisch.

Dass es mit ihr und dem Fashion – Film nicht klappen wird, ist realtiv schnell klar. Giuliana kann nämlich nur schlecht Englisch und der Text ist eben in genau dieser Sprache verfasst. Auch wenn Romina ihr noch versucht einige Brocken Englisch einzuhämmern: Am Ende klingt es bei Giuliana eher wie Klingonisch.

Vielleicht hätte Heidi mit ihren Models weniger Turnübungen auf Männern üben sollen und dafür etwas mehr Englisch pauken sollen. Das hätte den Damen nämlich wirklich etwas gebracht für ihr zukünftiges Leben. Und Michael hätte vielleicht weniger gegen Thomas ätzen und sich ein bisschen mehr um Giuliana kümmern sollen. Die völlig überforderte Kandidatin wird von Heidi einfach im Regen stehen gelassen. Statt ihr die Aufregung zu nehmen und sie zu unterstützen, kommt von Heidi nur ein ständiges „Konzentrier dich mal, Giuliana.“

Nur hat Giuliana da schon längst die Nerven verloren, stottert hilflos durch ihren Text und erweitert ihn abwechselnd durch „Fuck“ und „ich hab grad einen Totalausfall.“  Albino – Model Shaun Ross, der ihr Filmpartner ist, versucht zu helfen, doch leider benimmt sich Giuliana noch immer wie ein Huhn, dem man gerade den Kopf abgehackt hat.

Das Spiel der Könige

Da der Videodreh bei allen ähnlich schlecht gelaufen ist, kommt es erst richtig auf den Abschlusswalk an. Und ich muss sagen: Dieses Mal haben sich die Macher wirklich was Cooles überlegt. Die Models stehen sich als Schachfiguren gegenüber und die Choreo, ausgedacht von den Laufsteg – Coaches sieht klasse aus. Warum nicht öfters mal so was? Würden die Zuschauer bestimmt lieber sehen als nackte Frauenpopos und endlose Zickereien.

Der gute Eindruck wird dann aber gleich wieder zunichte gemacht. Als sie sich ihre Kritik abholen werden die ahnungslosen Kandidatinnen gefragt, wen sie nicht in der Top Ten sehen. Mal abgesehen davon, dass die Frage natürlich wieder absolut manipulativ ist, ist sie auch völlig sinnlos. Im viel zitierten echten Modelleben entscheiden ja auch nicht die Konkurrentinnen ob man jetzt erfolgreich ist oder nicht. Eins muss man den Models allerdings lassen: Sie beurteilen tatsächlich die Leistung und nicht die persönliche Meinung. So wird von den meisten Giuliana genannt. Bis auf Sabine, die ihren Kleinkrieg mit Anh weiterführt und ihren Namen nennt. Unkluger Schachzug.

Thomas Hayo jedoch scheint nicht mehr so einfach bereit zu sein, die ständige süffisante Kritik von Michael einfach zu schlucken. Er gibt sich überraschend streitbar, auch wenn sein Lob an seine Mädels teilweise auch gar seltsam rüberkommt. So lobt er Lynns Qualitäten als „Turm“. Welches Mädchen träumt nicht davon, ein echter Turm zu sein?

Gehen muss schliesslich Giuliana. Auch Michael kann sie nicht mehr retten, mag er auch noch so von ihrem aussergewöhnlichen Look schwärmen. Giulianas Leistungen haben sich konstant verschlechtert, als Mensch wird sie uns aber sehr positiv in Erinnerung bleiben. So verschusselte Menschen kann man nur lieben.

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