Samstag, 22. April 2017

Der Mörder in meinem Bett



Ich teile mein Bett mit einen Mörder. Mit einem sehr süssen Mörder sogar. Flauschig mit spitzen Öhrchen und Samtpfoten; schnurrend und anschmiegsam, zärtlich und liebevoll; ein praktischer Wärmeofen im Winter, mit dem man wunderbar kuscheln kann. Die Rede ist natürlich von meinem Kater, den ich so heiss und innig liebe, dass ich ihm bereitwillig einen Teil meines Betts überlasse (also in seinem Universum ist es SEIN Bett, dass er MIR in seiner endlosen Grossmut zumindest nachts zur Verfügung stellt). Mein zweiter Kater kommt zwar nicht in mein Bett, dafür leistet er mir auf dem Sofa oder beim Frühstück Gesellschaft, wo er sich mit Vorliebe auf meiner Zeitung räkelt. Ich liebe meine Katzen.

Aber jetzt musste ich lesen, dass meine Stubentiger boshafte Mörder sind; verschlagen und falsch, ein Wolf im Katzenfell. Denn laut einigen Naturschützern sind die Büsis dafür verantwortlich, dass der Bestand von Wildvögeln und Reptilien rapide abnimmt. Deshalb sollen laut dem Aargauer Grossrat Johannes Jenny in Zukunft auch Katzenhalter eine Steuer entrichten müssen. Oder die Katzen gar nicht mehr nach draussen gelassen werden.
Wir hatten immer Hauskatzen. Dies weil wir keine Lust hatten die überfahrenen Reste unserer Tiere von der Strasse zu kratzen. Immer wieder mussten wir uns anhören, dass das Tierquälerei und nicht artgerecht sei. Und jetzt plötzlich finden die Naturschützer, dass Katzen nach drinnen gehören, damit sie nicht jagen können?

Ja, es stimmt: Katzen sind Jäger. Und sie sind nicht zimperlich. Für sie ist die Jagd auch immer Teil eines Spiels. Und sie töten auch nicht nur aus Hunger, sondern aus Lust an diesem Spiel. Meine Stubentiger sind zwar zu doof, um auch nur eine Fliege zu erwischen, aber wenn sie sich auf die Lauer legen, sieht man die Veränderung ihres Wesens. Katzen haben auch eine boshafte Seite an sich. Das gehört zu ihnen, so wie die spitzen Ohren und der lange Schwanz.

Ihnen aber jetzt die Schuld am Schwund der Wildpopulation in die Schuhe bzw. in die Pfoten zu schieben, ist einfach nur bescheuert. Warum haben wir denn überhaupt einen so geringen Bestand an Reptilien? Ich rate jetzt einfach mal wild drauflos und sagte, das liegt daran, dass wir alles zubetonieren, was uns in die Finger kommt. Möglicherweise liegt es auch daran, dass wir überall Strassen bauen. Möglicherweise liegt es daran, dass der natürliche Lebensraum für diese kleinen Tierchen schwindet. Aber das ist jetzt wirklich nur eine ganz gewagte These von mir, es ist natürlich viel wahrscheinlicher, dass diese bösen Teufelskatzen dafür verantwortlich sind!

Wie viele Frösche werden jährlich bei ihren Wanderungen überfahren? Kommt deshalb jemand auf die Idee, Autos zu verbieten? Nein! Obwohl es der Natur definitiv mehr helfen würde als eine Katzensteuer zu erheben. Aber weil wir halt alle mobil sein wollen (ich schliess mich da auch gar nicht aus), zahlen wir halt auch den Preis. Man kann halt nicht immer den Bio – Apfel und den Porsche haben.

Ein Tier ist ein Tier und handelt aus purem Instinkt. Wenn Naturschützer der Meinung sind, Katzen seien rücksichtslose Jäger, die andere Tiere aus purer Bosheit töten, müssen man konsequenterweise auch eine andere Haltung gegenüber dem Wolf einnehmen. Denn auch der Wolf ist ein Jäger, der es zum Beispiel auf süsse Rehe abgesehen hat. Oder möchte man dem Wolf auch ein Glöckchen um den Hals binden, damit seine Beute eine reale Chance auf eine Flucht hat?

Nicht falsch verstehen: Ich persönlich finde es toll, dass der Wolf es sich wieder in den Schweizern Wäldern bequem macht. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass gewisse Naturschützer ein eher verdrehtes Verhältnis zur Natur haben. Natur ist nun einmal kein hübscher ordentlicher Garten, in dem sich alle ganz dolle lieb haben. Natur ist oft wild, ungebändigt und brutal.

Katzen wurden schon mal fast ausgerottet. Im Mittelalter wurden die Katzen gejagt, weil sie als Hexentiere galten. Das Resultat war eine Mäuseplage. Wenn man etwas nicht versteht, ist es immer gleich böse. Natürlich sind Katzen keine Heiligen. Sie sind auch nicht einfach nur süss und knuddelig. Sie haben scharfe Zähne und scharfe Krallen, die sie auch einzusetzen wissen.

Aber wisst ihr was: Katzen lassen selten ihren Müll in Wäldern zurück. Katzen hatten auch noch nie den genialen Einfall Elefanten zu töten, um an ihre Stosszähne zu kommen oder den Regenwald abzuholzen, um damit einen Haufen Geld zu verdienen. Katzen bauen keine riesigen künstlichen Schneepisten, damit sie schon im September Skifahren gehen können. Katzen machen auch keine Tierversuche mit Affen um herauszufinden wie deren Gehirn funktioniert. Und Katzen organisieren auch keine Safaris, wo Touristen bequem mit dem Gewehr Tiere abknallen können. Das alles macht der Mensch und es schadet der Natur enorm.

Wie wäre es also mit einem Ausgehverbot für Menschen?

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