Sonntag, 19. März 2017

Schöne neue Modelwelt



Die gute Nachricht: Es ging tatsächlich hauptsächlich ums Modeln. Die schlechte Nachricht: Auch das machte die aktuelle Staffel nicht unbedingt besser.

Die Kunst zelten zu gehen

Die Folge startete schon einmal mit einem Schock für die Mädels: Statt sich in einem Luxushotel verwöhnen zu lassen, mussten die armen Dinger doch tatsächlich campen gehen. So richtig mit Zelt und Luftmatratze. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, denn eigentlich war man mit ihnen ja extra nach Las Vegas gefahren. Wer hätte auch damit gerechnet, dass es nicht in die Casinos geht, sondern in die Wüste?

Auch wenn ich die mangelnde Begeisterung nachvollziehen kann (ich hasse zelten), finde ich die Reaktion der Damen einfach nur überzogen und verwöhnt. „Wenn ich Model bin, dann wohne ich in teuren Hotels und habe Kohle ohne Ende!“, mault Lynn und zieht dabei eine Schnute, als hätte man sie gezwungen in einem mit Kuhscheisse gefüllten Fass zu übernachten. Woher Lynn ihre Vorstellungen hat, bleibt mir ein Rätsel. Freischaffende Menschen haben nur in höchst seltenen Fällen so viel Geld auf der hohen Kante,  dass sie sich mal locker das Hilton leisten können.

Trotz dieses Widerwillens stellen sich die Luxuszicken beim Aufstellen der Zelte gar nicht so blöd an. Die peinlichste Performance liefert Juror Michael ab, der erst mit der Luftmatratze kämpft und dann mit seinem Schnarchen das ganze Camp wachhält. Wenigstens wirkt er so zumindest für ein paar Minuten sympathisch, die restliche Zeit wünscht man sich nämlich als Zuschauer nur eines: Dass Michalsky endlich mal  seine Klappe hält.

Paris, Paris, Paris

Auch Carina hat bekanntlich Mühe damit, einfach mal ihr süsses Plappermäulchen zu halten. Sie wird es einfach nicht müde allen ihre Talente und ihr Luxusleben unter die Nase zu reiben. Wie es der Zufall will, wird Carina zusammen mit Greta und Giuliana auf ein Casting in Paris eingeladen. Paris ist Carinas Wohnort und so erklärt sie ihren genervt aussehenden Mitreisenden auch gleich, wo man am besten shoppen gehen kann. Das interessiert natürlich alle brennend.

In Paris angekommen haben die drei allerdings gar keine Zeit shoppen zu gehen (wieso wird in dieser Sendung eigentlich immer suggeriert, dass alle Models immer unbedingt shoppen wollen? Die haben sicher noch andere Hobbys. Hoff ich.). Sie müssen nämlich gleich zu einem Casting bei Kaviar Gauche. Da geht es nicht etwa um verschiedene Kaviarsorten sondern um Brautkleider. Als Zuschauer wird man da fast ein bisschen neidisch. Teure Brautkleider anziehen und dafür noch bezahlt werden? Ein Traum!

Dass die Models dieses Jahr jedoch zu verwöhnt sind um solche Dinge zu schätzen zu wissen, beweisen Greta und Giuliana erneut auf eindrückliche Weise. Als Carina einen Freund anruft, damit er sie zum Casting fährt, erntet sie dafür wenig Dank. Grund: Der Bekannte taucht nicht etwa in einer Luxuskarosse auf, die dem hohen gesellschaftlichen Stand der Jungmodels entspricht, sondern in einem schlichten Mini – Auto. Ein Skandal!

Erneut kommt man nicht umhin, sich über die Damen zu wundern. Ich weiss nicht wie oft ich mich schon in winzige Autos gequetscht habe, aber offenbar werden viele Gleichaltrige sonst standardmässig in Limousinen rumkutschiert. Irgendwas mache ich wohl falsch.

Immerhin schafft es der Freund problemlos seine kostbare Fracht pünktlich beim Casting abzuliefern. Das Casting verläuft dann sehr eintönig. Die Models werden in Brautkleider gesteckt und müssen ein wenig posen. Carina zeigt sich überraschend zurückhaltend. Giuliana bringt es gar nicht auf die Reihe. Sie ist nervös, fummelt in ihren Haaren und sieht aus, als wäre sie gerade in eine Arena mit hungrigen Löwen geschickt worden. So ist es schlussendlich die hübsche Greta, die den Job einsacken kann.

Offensichtlich stören die Kunden sich weder an ihrem mageren Körper noch an ihren Falten um den Mund, die Heidi so negativ aufgefallen sind.

Quietschende Bremsen und kreischende Models

Unterdessen haben sich unsere Wüstenmäuse mit der Situation angefreundet. Über dem nächtlichen Lagerfeuer werden Marshmallows geröstet und ob es nun daran liegt, dass sie mal was Süsses essen dürfen oder an der romantischen Stimmung, auf jeden Fall ziehen die Katzen mal ihre Krallen ein und geniessen die gemeinsame Zeit. So schön kann das Modelleben sein!

Damit die Stimmung aber auch ja nicht zu kuschelig friedlich wird, müssen die Teams schon am nächsten Morgen wieder gegeneinander antreten. Den Gewinner winkt ein Luxushotel, den Verlierern ein Motel. Da lob ich mir die Zeiten als es bei solchen Aufgaben noch Schmuck oder teure Massagen zu gewinnen gab. Die ständige Ungleichbehandlung der Teams ist einfach nur nervig und dient schlussendlich ja nur dazu, den Wettkampf anzuheizen. Dennoch kreischen die Models ganz brav, als wäre die Übernachtung in einem edlen Hotel die Erfüllung ihres allergrössten Herzenswunschs.

Überraschenderweise muss nun jeweils eine Kandidatin aus Team Thomas gegen eine Kandidatin aus Team Michael antreten. Sie müssen eine starke Pose einnehmen und gelassen in die Kamera schauen, während hinter ihnen ein Auto in aufgeschichtete Würfel fährt. Stylen müssen sie sich dieses Mal selber. Bewertet wird auch das Modebewusstsein.

Die Duelle sind  nicht sonderlich spannend, die Bewertungen grösstenteils nichtssagend. Zu erwähnen sei hier der Kampf zwischen der eher stillen Maja und der offensiven Brenda. Letztere trägt ein aufreizendes rotes Kleid, das mehr enthüllt als bedeckt und bei dessen Anblick ihrem Juror Michael die Kinnlade herunterfällt. Beide sind schon siegessicher, doch der Punkt geht überraschenderweise an die wesentlich schlichter gekleidete Maja. Der Fotograf ist der Meinung, dass sexy sein, nichts mit Stilsicherheit zu tun habe. So schadenfreudig hat man Thomas Hayo selten gesehen.

Allerdings ist es wieder Team Michael, das den Sieg einstreicht. Schade.

Welcome to Burlesque!

Für das Fotoshooting dürfen die Models dann in wunderschöne Tänzerinnenkostüme schlüpfen und mit dem Po wedeln. Ich bin ja ein grosser Fan von diesem Burlesque – Thema, dennoch finde ich es ermüdend, dass es schon wieder hauptsächlich darum geht, sich vor der Kamera möglichst sexy zu geben.

Erwartungsgemäss ist Brenda bei diesem Shooting sehr stark, aber auch Soraya (die immer gute Leistung bringt, allerdings so gut wie nie gezeigt wird) und Anh fühlen sich in ihrem Element. Julia hat Startschwierigkeiten, sobald Heidi Selena Gomez abspielt, klappt der Hüftschwung auch bei ihr. Kritisch beurteilt wird Céline, die zu langweilig und farblos sei.

Spannend ist, dass genau die Kandidatinnen, die von Heidi oft als hübsch aber langweilig abgestempelt werden, schlussendlich bei den Castings abräumen. Natürlich ist es schön, wenn eine Frau tanzen oder sich verbiegen kann, allerdings wird das von den Kunden dann doch wenig gefordert. Und auch Modeschöpfer arbeiten lieber mit freundlichen, zurückhaltenden Frauen als mit durchgeknallten Diven und mögend die auch noch so viel „Persönlichkeit“ haben. Auch eine Naomi Campbell konnte sich am Anfang ihrer Karriere noch keine Ausraster leisten.  

Ein erneuter Totalausfall ist Giuliana. Die sympathische Kandidatin ist völlig verunsichert, weiss nicht wohin mit ihren Händen und wirkt völlig konfus. Vielleicht hat Heidis schrille Stimme sie in einen Zustand ewiger Verwirrung gestürzt.

Aber Giuliana hat Glück. Auch Neele stellt sich nicht sonderlich geschickt an, grinst schief in die Kamera, macht Kuhaugen und stakst herum wie der Storch im Salat. Danach führt sie tiefschürfende Gespräche mit Heidi Klum, die sich mit einem neckischen Grinsen laut fragt, was wohl in den Köpfen der Mädchen so  vor sich gehe, antwortet Neele lapidar: „Nichts.“
Nun, das erklärt einiges.

Ich zicke, du zickst, wir zicken

Neele ist auch erneut Protagonistin in dem obligatorischen Zickenkrieg der jede Woche stattfinden muss. Diesmal sind es Neele und Sabine, die sich in den Haaren liegen. Letztere ärgert sich noch immer darüber, dass Neele sie bei der letzten Entscheidung angefahren hat. Darunter leidet Sabine noch immer. Nicht so sehr, weil Neele gemein zu ihr gewesen ist, sondern weil sie Angst hat, die Zuschauer könnten nicht merken, wie falsch Neele sei.

Der Streit spitzt sich zu, Sabine kann sich nicht auf ihr Shooting konzentrieren, bricht in Tränen aus und schüttet schliesslich der verständnisvollen Mama Heidi ihr kleines Herzchen aus. Das findet Neele wiederum gar nicht cool, wie sie mit leidender Miene am Telefon ihrem Freund klagt. „Ich habe hier nie was Böses über jemanden gesagt“, verteidigt sie sich. Da hat Neele allerdings eine eigenartige Sicht auf ihre Äusserungen. Ich erinnere da nur an ihre abschätzige Bemerkung über Carinas Körperbau in der letzten Folge.

Sabine hat jedoch ebenfalls eine verzerrte Sicht auf sich selbst. Sie beschreibt sich in jedem Interview als Sonnenschein. Bis jetzt haben wir sie hauptsächlich weinend erlebt. Da versperrt wohl eine dicke Regenwolke die Sicht auf den Sonnenschein.

Schlussendlich gipfelt das Gespräch in einem albernen Streitgespräch darüber, wer jetzt die grössere Zicke ist. Da lob ich mir wieder solche Frauen wie Carina, Leticia oder Lynn. Die fahren wenigstens offen die Krallen aus, ohne vor uns das brave Kätzchen zu spielen.

The Eye of the Tiger

Trotz des Streits ist für Heidi die Stimmung noch immer zu wenig kämpferisch und so müssen ihre Mädchen den Abschlusswalk in einem Wrestling – Ring absolvieren. Und zwar während die Wrestler sich gegenseitig vermöbeln. Die Kleider sind furchtbar, dafür haben sie schöne Flechtfrisuren. Und sind erstaunlich souverän in Anbetracht der Tatsache, das um sie herum gerade schwitzende Leiber zu Boden geworfen werden.

Lynn jedoch hat die Frechheit ihren Bizeps in gespielten Boxerposen zur Schau zu stellen. Das geht natürlich gar nicht, handelt es sich doch um einen sogenannten „High Fashion Walk“ bei dem nicht rumgeblödelt werden darf. „Hast du solche Posen schon jemals bei einer Fashion – Show gesehen?“, rügt Heidi Klum die hübsche Rothaarige. Es sei an dieser Stelle die Frage erlaubt, ob man schon je eine Fashion – Show inmitten von Wrestlern abgehalten hat.

Trotz dieses gravierenden Fehlers darf Lynn in die nächste Runde einziehen. Genau wie Giuliana. Für Neele dagegen ist Schluss. Ein Abgang, der abzusehen war. Grosse Klappe, wenig Leistung, ziemlich von sich überzeugt. Für Greta, Neeles beste Freundin dagegen bricht eine Welt zusammen.

Schöne neue Modelwelt sage ich da nur!

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