Samstag, 11. März 2017

Der Sinn von Weiblichkeit



Ich bin der Ansicht, es macht schon einen Unterschied ob man als Frau oder als Mann geboren ist. Und ich glaube auch, dass das Geschlecht Einfluss auf den Charakter hat. Ich kann das nicht wissenschaftlich belegen, aber ich glaube, wenn es vollkommen egal wäre, ob wir nun Männlein oder Weiblein sind, dann wären manche Menschen nicht so todunglücklich, im falschen Körper geboren zu sein.

Ich kämpfe immer wieder mit manchen feministischen Tendenzen. Ich kann zum Beispiel nur begrenzt nachvollziehen, wenn man sich darüber aufregt, dass Frauendeo Rosenduft beinhaltet. So von wegen, die Hersteller würde uns dadurch aufzwingen, wie wir zu riechen hätten. Ich meine, ganz ehrlich, wenn ich keine Lust habe nach Blumen zu duften, dann kauf ich mir eben ein Männerdeo. Oder wälze mich im Motorenöl. Oder tauche in einen See aus Bier. Ich kann auch nicht verstehen, wieso sich Eltern darüber ereifern, wenn in einem Spielzeugladen die Waren nach Jungs und Mädels aufgeteilt sind. Es ist ja nicht so, als würde das Kind Feuer fangen, wenn es sich dann in der Abteilung des anderen Geschlechts umsieht. Als ich klein war habe ich unter der Woche mit meinem Bruder Barbie gespielt  und am Wochenende sind wir beide mit dem Pfeilbogen durch die Gegend getobt. Das war einfach ganz natürlich und unverkrampft, trotz der bösen Konsumwelt die uns geschlechterstereotypische Klischees aufdrückte.

Ich glaube, dass Problem, mit dem wir Frauen kämpfen ist nicht in erster Linie, dass wir nicht wie Männer sein dürfen, ich glaube, dass Problem ist, dass wir glauben, wir müssten unsere Weiblichkeit unterdrücken um Erfolg zu haben. Das spiegelt sich schon in der Kleidung wider. All die Politikerinnen in ihren grauen oder schwarzen Kostümen, die sie aussehen lassen, als hätten sie den Anzug ihres Vaters geklaut. Wenn sie es so tragen, weil es ihnen so gefällt: Kein Problem. Manchmal habe ich jedoch  das Gefühl, es geht ihnen mehr darum, ihren Körper zu verstecken als ihren persönlichen Stil auszuleben.

(Allerdings finde ich sowieso, dass es in der Politik viel zu starre Kleidungsvorschriften gibt. Mich deprimiert der Anblick von Männern in Anzügen. Ich hätte viel lieber, wenn Politiker ärmellose Shirts anziehen würden. Ich wette, dann würden sich auch mehr Menschen die Arena ansehen. Das ist wie beim Fussball. Es ist im Prinzip langweilig aber zumindest kann man ein paar Schnitten in engen Trikots anhimmeln.)

Wieso wird Frauen eigentlich immer eingeredet, der weibliche Körper sei etwas, für das man sich schämen muss? Gerade in Führungspositionen wird so getan, als sei die Schönheit einer Frau ein Werkzeug des Teufels. Nur mal so zum Mitschreiben: Ein kurzer Rock bedeutet nicht automatisch mangelnde Kompetenz. Es bedeutet auch nicht, dass die Frau sich hochgeschlafen hat. Es bedeutet einfach, dass die Frau sich in dem Rock wohlfühlt. Und dass es ihr vielleicht gefällt, wenn ihre Beine bewundert werden.

Ach ja und ich finde es auch legitim, wenn Frauen ihr Äusseres einsetzen um zu bekommen, was sie wollen. Nicht sehr feministisch, ich weiss. Und doch: Wenn Männer so doof sind und ihren Hormonen die Regierung überlassen, ist das schliesslich nicht unser Problem.

Natürlich ist es scheisse, auf sein Aussehen reduziert zu werden. Allerdings hat das nichts mit männlich oder weiblich zu tun. Wir müssen uns wohl oder übel damit abfinden, dass wir von den meisten Menschen nie in unserer ganzen Individualität erfassen werden. Ich bin Frau, Buchhändlerin und SP – Mitglied. Alles davon ist klischeebelastet, die Nuancen, die mich als Person ausmachen, werden von vielen nie bemerkt werden. Nur darf man sich nicht so sehr davon abhängig machen, was andere von einem denken.

Eine andere Frage, die ich mir oft stelle: Wieso wird ein Karriereunterbruch, der aufgrund von Schwangerschaft und nachfolgender Kindererziehung erfolgt, in der Geschäftswelt so negativ beurteilt? Klar, sie hat ein paar Jahre nicht in einem anerkannten Beruf gearbeitet. Aber Kindererziehung ist schliesslich auch kein Zuckerschlecken, sondern erfordert Geduld, Ausdauer und grosse Flexibilität. Es ist sogar ein 24 – Stunden – Job. Es gibt keinen Feierabend, keine Ferien und keine bezahlten Überstunden. Und quasi nebenbei schmeisst die Frau noch den Haushalt, was ein riesiges Organisationstalent erfordert. Mal ganz abgesehen davon, dass eine Frau, die ein Kind geboren hat, über eine wahnsinnig gute körperliche Konstitution verfügen muss. Ich meine, sie hat ein Baby neun Monate rumgeschleppt und dann aus sich rausgepresst. Wenn das mal nicht beeindruckend ist, weiss ich auch nicht

Das alles wird einfach weggewischt. Weil Hausarbeit immer noch gleichgesetzt wird mit „gemütlich – im – Haus -  rumhocken“. Auch ansonsten werden weibliche Eigenschaften grundsätzlich eher negativ beurteilt. Es wird immer wieder betont, dass eine Frau keine gute Führungsperson sein kann, weil sie zu emotional sei und deshalb nicht in der Lage sei sachliche Entscheide zu treffen.

Emotionalität ist allerdings nicht zwangsläufig eine Schwäche, sie ist oft eine riesige Stärke. Eine Frau spürt früher, wenn Konflikte im Team auftauchen und kann schneller reagieren. Sie hat oft einen schärferen Blick für zwischenmenschliche Beziehungen, weshalb sie auch persönliche Unstimmigkeiten schneller bemerken. Männer dagegen haben die unvergleichliche Begabung Konflikte erst dann wahrzunehmen, wenn vor ihrer Nase bereits eine Schlägerei ausgesprochen ist.

Wo Männer drohen müssen, können Frauen ihre Anliegen auf charmante Art und Weise durchbringen. Wer sagt denn, dass es in der Geschäftswelt immer knallhart zugehen muss? Wer sagt, dass eine Frau doppelt so taff sein muss, um erfolgreich zu sein? Wieso es nicht  auf sanftere Art und Weise versuchen? Weil das schwach ist? Oder weil es sich nicht gehört, dass eine Frau ihre eigenen Stärke einsetzt statt einfach nachzuahmen was die Männer schon seit Jahren vormachen?

Ich halte die Frauenthematik ohnehin für weit komplizierter als es oft angenommen wird. Weil es da leider kein gut oder böse gibt. Denn egal wie sehr die Feministinnen darauf pochen, nur sie wüssten, was die Frauen brauchen: Auch sie können es nicht wissen. Denn da kommt eben die oben erwähnte Individualität wieder ins Spiel. Niemand kann für alle Frauen sprechen. So ärgere ich mich zum Beispiel immer wieder, wenn ich Zeitungsartikel lese, in denen mir erklärt wird, wen ich mir als  junge Frau zum Vorbild zu nehmen habe. Als hätte ich irgendeine verdammte Mission zu erfüllen, nur weil ich zufällig mit Brüsten zur Welt kam.

Vielleicht will ich die Welt gar nicht verändern. Vielleicht will ich gar nicht besser sein als die Männer. Vielleicht will ich einfach leben. Denn auch das gehört zu uns Frauen. Die schlechten Seiten. Wir sind manchmal oberflächlich, manchmal launisch, manchmal aufbrausend, manchmal machthungrig, manchmal neiderfüllt, manchmal hochmütig. Es ist nicht so, als seien wir Heilige. Und das ist in Ordnung so. Wir sind ja Menschen, keine Superheldinnen, egal wie sehr sich der Überbegriff „Powerfrau“ an uns festklammert.

Manchmal denke ich, dass Feministinnen den Frauen noch mehr Fesseln anlegen, als es die Männer inzwischen tun. Reg dich über dieses auf, kämpfe für das, wähle diese Frau, einfach weil du eine Frau bist…es ist, als würde mein Geschlecht mich zu etwas verpflichten. Das empfinde ich als störend und als bevormundend. Das ist so, wie mit dem oben genannten Beispiel mit dem Kinderspielzeug. Mir wird per se schon einmal unterstellt, ich sei manipulierbar und nicht entscheidungsfähig.

Zwiespältige Gefühle habe ich auch immer, wenn es um parteiinterne Frauenförderung geht. Einerseits ist es ja richtig,  dass man darauf achtet, auch Frauen in wichtige Positionen zu bringen oder ihnen Listenplätze zu verschaffen. Andererseits möchte ich ja auch um meiner selbst willen geschätzt und gefördert werden und nicht nur deswegen weil ich eine Vagina habe.

Aus meiner Sicht ist es kein Zufall, dass es Frau und Mann braucht um Kinder zu zeugen. Irgendwo habe ich mal eine interessante Theorie gehört. Dass Frau und Mann wie Ying und Yang wären, zwei Teile eines Ganzen, die zusammengehören. Interessant ist aber, dass in der schwarzen Seite ein weisser Fleck prangt und in der weissen Seite ein schwarzer Punkt zu sehen ist. Das Männliche steckt also im Weiblichen und umgekehrt. Das lässt sich nicht nur auf die Gesellschaft anwenden, sondern auch auf jeden Einzelnen von uns. In jeder Frau sind männliche Eigenschaften verborgen und in jedem Mann ist irgendwo auch eine Frau.

Und nur zusammen sind sie ganz. Gleichstellung bedeutet nicht, dass Frauen sich über jede Empfindlichkeit beschweren und den Männern den Mund verbieten. Gleichstellung bedeutet auch nicht, dass Männer sich den Frauen überlegen fühlen sollen. Gleichstellung bedeutet, dass man sich auf Augenhöhe begegnet, ein Team mit verschiedenen Stärken und Schwächen, das sich schlussendlich ergänzt.

Übrigens: Dass das funktionieren kann, zeigt die SP Langenthal mit dem neuen Co – Präsidium. Seit neustem walten hier nämlich Mann und Frau. So richtig schön gleichberechtigt:-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen