Samstag, 11. Februar 2017

Lasset die Models zu mir kommen!



Sie folgen alle wieder dem schrillen Ruf Heidi Klums: Die Schönsten der Schönen und die Hübschesten der Hübschen, die neue Riege der Möchtegernmodels und Rampenlichtsüchtigen. Ja, richtig geraten: Die neue Staffel Germanys Next Topmodel hat begonnen. Vor uns liegen Monate voller Drama, Action, Tränen und Zickereien. Ach ja und hin und wieder wird auch etwas gemodelt.

Heidi Klum und ihre fröhlichen Gesellen

Die blonde Hexe aus dem Land der kreischenden Models mit festgeklebten Gesichtszügen ist sicher nicht die grösste Sympathieträgerin unter der Sonne. Eins muss man ihr aber lassen: Vermarkten kann sie sich. Auch deswegen taugt sie eben nur bedingt als Modelmama. Knallhart beurteilt sie junge Mädchen mit den Augen eines Chefs, der ein neues Produkt auf den Markt bringen will.

Egal wie sehr man versucht dieses Image zu korrigieren, es will nicht gelingen. Ob man jetzt Heidi Klum beim Döner essen zeigt oder beim „vertraulichen“ Gespräch (so ganz unter sich nur begleitet von ein paar Kameras) mit den Mädchen: Nie hatte man in der Vergangenheit das Gefühl, das sich Heidi wirklich für die Persönlichkeiten der jungen Frauen interessiert und mehr in ihnen sieht als einen multifunktionalen Kleiderständer.

Inzwischen ist das auch den Machern der Sendung aufgefallen. Deshalb verzichtet man wohl auch darauf, Heidi als Model – Mama zu porträtieren. Für Mitgefühl und gute Ratschläge ist inzwischen Heidi Klums Hofstaat zuständig sprich Thomas Hayo (auch genannt Mister Ich – trag – den – Pulli – lässig – um – die – Hüfte – geschlungen) und Michael Michalsky (auch genannt Mister Ich – spreche – grundsätzlich – so – als – hätte – ich – einen – Kaugummi – im – Mund). So liegt es auch an den beiden Herren, sich in der ersten Folge die hoffnungsvollen Schönen anzusehen und zu entscheiden, welche der Grazien bei der hohen Frau Heidi empfangen werden.

My English is not the Yellow from the Egg

Um den doch meist sehr öde verlaufenden Castings etwas mehr Biss zu verleihen, wird erneut ein „Kampf der Juroren“ angekündigt. Was bei „The Voice“ so gut klappt, kann auch bei uns nicht so verkehrt sein werden sich die Macher von „Germanys Next Topmodel“ gedacht haben und so dürfen sich Thomas und Michael um die vielversprechendsten Modeltalente streiten. Kreativ wie die Leute bei GNTM nun einmal sind, werden diese beiden Gruppen „Team Schwaz“ (Thomas) und „Team Weiss“ (Michael) getauft.

So richtig Sinn macht das ganze Getue allerdings nicht wirklich. Ziel der beiden Juroren ist es natürlich, dass eines ihrer Teammitglieder den Titel holt. Allerdings wird so eine reale Beurteilung der Leistung der Kandidatinnen schon im Keim erstickt, denn natürlich versucht jeder der beiden, dass ihre Mädels gut dastehen. Während bei „The Voice“ witzig, augenzwinkernd und kreativ um die Gunst eines Kandidaten geworben wird, glänzen weder Michael noch Thomas mit Schlagfertigkeit. Ihre Diskussionen wirken kindisch, fast erwartet man, dass einer der beiden seine Wattebäuschchen aus der Tasche holt und seinen Kontrahenten damit bewirft.

Quasi um die fehlende Eloquenz wieder wettzumachen bedienen sich beide Herren ausgiebig der englischen Sprache. Man muss beinahe bewundern wie geschickt es ihnen gelingt in jeden Satz noch einen Brocken Englisch zu schmuggeln. Statt von einem „Traumkörper“ spricht man eben von einem „Traumbody“, die „Mode“ wird zu „Fashion“ und Gesicht zu „Face“. Und „himmlische Verbindung“ wird zu „match made in heaven“. Goethe würde sich im Grab umdrehen (aber ansehen würde er sich die Sendung trotzdem, der alte Lustmolch).

Die Sache mit der Persönlichkeit

Alle drei Juroren – Heidi, Michael und Thomas – betonen, dass sie ein Mädchen (sie reden grundsätzlich von Mädchen und nicht von Frauen)  mit Persönlichkeit suchen. Besonders Michalsky betont, wie wichtig ihm dieser Aspekt ist, weshalb er sein Team unter das Motto „Diversity“ (Vielfalt) stellt.

Nur ist es doch so: Jeder Mensch hat Persönlichkeit. Auch schüchterne Menschen haben eine Persönlichkeit. Hätten wir das nicht, wären wir ja einfach Roboter. Was die Juroren vermutlich meinen ist Charisma. Jetzt kann man sich aber auch streiten, ob ein Model wirklich charismatisch sein muss, um Erfolg im Beruf zu haben. Schliesslich werden Models – im Idealfall – für verschiedene Jobs gebucht, in denen sie unterschiedliche Produkte bewerben sollen. Ein Model, das ein Image verkörpert, ist ja dann oft auf eine bestimmte Richtung festgelegt.

Und mal ganz ehrlich: Wenn ihr an einem Plakat vorbeigeht auf dem ein hübscher Mann lächelt, denkt ihr da wirklich: „Wow, hinter diesem gestählten Körper verbirgt sich ein philosophischer, tiefgehender Geist.“ Oder registriert ihr einfach, dass das ein sehr attraktiver Mann ist? Ich denke, eher letzteres.

Aber natürlich, wenn ein Model den Durchbruch geschafft hat, dann wird auch ihr Name verkauft. Bis dahin ist es allerdings ein weiterer Weg und nur die wenigstens schaffen ihn.

Die Amazonen sind los!

Schafft es eine der Kandidatinnen? Eins ist nach der gestrigen Folge klar: An Selbstbewusstsein mangelt es den Nachwuchsmodels jedenfalls nicht. Denn hier steht eine neue Generation in den Startlöchern, eine Generation, die genau weiss, was sie will: Ins Rampenlicht. Waren es in den ersten Staffeln noch junge Frauen, die nicht recht wussten, worauf sie sich einliessen und denen es sichtlich peinlich war, ihr Innerstes vor Kameras auszubreiten, geben die jungen Damen der neuen Staffel mit einer Selbstverständlichkeit Interviews, dass man zwischen Bewunderung und Entsetzen schwankt.

Das sind Menschen, die mit Social Media aufgewachsen sind und daher keinerlei Probleme haben, aus dem privatesten Nähkästchen zu plaudern. So verkündet die eine vor laufender Kamera, sie würde ihren Freund sofort für die grosse Karriere stehen lassen (die Frage, ob die beiden noch zusammen sind, bleibt leider offen), während sich die andere beim Rauf – und Runterrennen einer Treppe (wird Personal Training genannt) filmen lässt.

Kandidatin Neele ist eigentlich schon ein bisschen wie Promi. Meint sie zumindest. Sie hat nämlich einen eigenen Youtube – Chanel und es ist schliesslich allgemein bekannt, dass nur ganz wenig auserlesene Menschen so einen einrichten können. In ihren Videos gibt Neele ihren Zuschauern Tipps zur richtigen Ernährung. Auch ihr Freund ist sehr aktiv in der Youtube – Community. Es sei am Anfang schon seltsam gewesen mit so einem Promi zusammen zu sein, erläutert Neele, aber man gewöhne sich daran. So viel Selbstbewusstsein will natürlich belohnt werden: Neele zieht spielend in die nächste Runde ein. Jetzt ist sie wahrscheinlich schon ein Doppelpromi.

Ein wahnsinniges Selbstbewusstsein bringt auch Carina mit. Sie macht bereits in den ersten Minuten klar, dass sie die Krallen ausfahren wird, um ihr Ziel zu erreichen. Das Luxusmäuschen ist sich gewohnt zu bekommen, was sie will und jetzt will sie eben modeln. Natürlich kommt sie weiter. So viel Zickenpotential auf einmal kann man schliesslich  nicht einfach ziehen lassen.

Ein bunter Hund ist Kandidatin Anh. Die flippige Asiatin mit den rosafarbenen Haaren ist quirlig, fröhlich und laut. Sie trägt  Mickey – Mouse Ohren und ihr Hüftschwung macht dem einer Bauchtänzerin Konkurrenz. Sie könnte zum Publikumsliebling avancieren.

Das Zeug zum Publikumsliebling hätte auch Victoria. Das sechzehnjährige Mädchen steht eher auf Turnschuhe als auf Stöckelschuhe, hat einen sehr farbigen Wortschatz und sieht sich als Rapperin und Ghetto – Girl. Trotz ihres eigenwilligen Gangs wird auch sie weitergewinkt. Immerhin, ihre Natürlichkeit steht im grossen Gegensatz zu dem gekünstelten Auftreten ihrer Mitstreiterinnen, die teilweise so viel Schminke im Gesicht haben, dass man ihre Züge darunter nur noch erahnen kann.

Das sind alles Charaktere bei denen es möglicherweise nicht so einfach werden wird, sie nach Heidis Vorstellungen zurechtzubiegen. Bereits jetzt muckt die eine oder andere auf. Zum Beispiel Maja. Als sie die Vorrunde übersteht und zum ersten Mal vor Heidi läuft, bemerkt diese die Achselhaare der Kandidatin. Darauf angesprochen zuckt die zierliche Schönheit mit den Schultern. Ihr gefalle das so und deshalb sehe sie nicht ein, wieso sie die Haare wegmachen soll.

Respekt!

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Aber auch in dieser Staffel gibt es Frauen, die erst reden und dann denken. Da meint zum Beispiel die eine, dass Germanys next Topmodel eine einmalige Gelegenheit sei etwas ausserhalb des Bildungswegs zu erreichen. So weit ist es inzwischen also gekommen: Casting – Sternchen gilt jetzt offenbar schon als Beruf.

Eine andere junge Dame erklärt stolz, dass sie ihr Studium abgebrochen habe, damit sie sich ganz um ihren Körper und um das Modeln kümmern kann. Ich frage mich allerdings, wieso die Gute gleich so viel Zeit in ihre Schönheitspflege investieren muss. Muss sie sich jeden Morgen ein neues Gesicht zusammenbasteln?

Zwei andere Frauen wiederum erzählen stolz, dass sie schon einmal eine Misswahl gewonnen haben. Beide sind blond, blauäugig und so von sich selbst überzeugt, dass Napoleon im Vergleich dazu wie ein bescheidener Mensch wirkt. Strahlend verkündet die eine, sie würde sich für ihre Freundin freuen, wenn sie weiterkommt – aber für sich selbst natürlich viel mehr und schliesslich sei sich ja jede selbst die Nächste.

Eins ist klar: Den Damen wurde als Kind nicht „Der Regenbogenfisch“ vorgelesen. Ein pädagogischer Fehltritt.

Das blonde Gift

Modelgöttin Heidi macht allerdings bereits bei ihrem ersten Auftritt klar, dass es nur eine böse Königin im Märchenland geben kann: Nämlich sie. Mit strenger Miene mustert sie die jungen Modeltalente, die Michael und Thomas bei den Castings eingesackt haben. Ein paar wirft sie schon gleich nach dem ersten Walk raus, schliesslich erkennt sie schon beim ersten Blick ob jemand ein hoffnungsloser Fall ist oder wirklich das Zeug zum Topmodel hat.
Dabei nimmt sie wie gewohnt kein Blatt vor dem Mund. So fragt sie zum Beispiel eine wunderschöne Frau, ob sie tatsächlich SCHON 27 sei. Ja, mit 27 ist man ja quasi schon tot. Ein Wunder, das die gute Frau noch alle Zähne hat und ohne Rollator gehen kann.

Diejenigen, die vor Heidis Augen Gnaden gefunden haben, werden erst einmal in Abendkleider gesteckt, geschminkt und frisiert. So zurechtgemacht sollen sie eine Modeshow vor der Jury laufen. Die Kleider sind allesamt eng geschnitten und sehr lang, die Haken dazu mörderisch hoch. Die jungen Frauen sind damit völlig überfordert und sind schon vor dem Laufen völlig aufgelöst. „Ich muss das Kleid halt kicken“, jammert die eine.
Nein, Mädchen. Du musst Heidi Klum eine kicken.

Entsprechend katastrophal verläuft dann auch die Modeshow. Dass keine der Damen stürzt, grenzt an ein Wunder. Sie verheddern sich in Schleppen, stolpern über dem Saum, finden das Gleichgewicht nicht. Wieso müssen Modeschöpfer auch immer Kleider designen, die kein normaler Mensch anziehen würde? Keine Frau würde sich ein Abendkleid kaufen, das ihr zu lang ist. Und keine Frau würde ein Kleid kaufen, indem sie watscheln muss wie ein Pinguin um sich fortzubewegen.

Ein Model muss aber auch mit schwierigen Situationen fertigwerden und deshalb siebt Heidi Klum gnadenlos aus. Mit zuckersüssem Lächeln schickt sie diejenigen, die sie nicht überzeugt haben, wieder nachhause. Es scheint fast so, als geniesse sie es. Bei vielen macht sie sich nicht einmal die Mühe zu erklären, wieso es nicht gereicht hat.

Ein guter Gegensatz bildet hier Thomas Hayo. Er ist der Einzige in der Jury, der den Frauen eine verständliche Rückmeldung gibt. Die Begründungen, wieso er jemanden weiternehmen will, sind klar durchdacht und sachlich. Ganz im Gegensatz zu Michael. Er begnügt sich damit nach Thomas Argumentation jeweils ein trotziges: „Aber mein Mädchen war trotzdem besser“, nachzuschieben.

Heidi dankt es ihm, indem sie Michaels Lieblinge weiterlässt, ungeachtet ob diese nun eine gute Leistung abgerufen haben oder nicht. So funktioniert die Modelwelt eben. Mehr Schein als Sein.

Aber jetzt haben wir sie, die Top 28. Und jetzt startet die Staffel erst so richtig. Um es noch spannender, noch aufregender und noch internationaler zu machen (und um den Zickenkrieg noch mehr anzufeuern) werden die Schönen alle zusammen auf eine Yacht verfrachtet. Hier sollen sie alles lernen, was ein Model braucht.

Na dann. Hoffen wir, sie krachen unterwegs nicht in einen Eisberg und freuen uns auf die nächste Folge von Germany’s next Topmodel!

LassMöge Heidi Klum mit euch sein!
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