Dienstag, 3. Januar 2017

Es war einmal...




Was für ein Jahr! Turbulent, aufregend, emotional. Das fällt mir ein, wenn ich die Blogeinträge aus dem vergangenen Jahr durchblättere. 60 Einträge, fast doppelt so viel wie letztes Jahr, habe ich verfasst. Mal nachdenklich, mal aufgeräumt, mal witzig, mal traurig und ziemlich oft sehr wütend. Noch nie hatte ich so oft das Bedürfnis meine persönlichen Gedanken niederzuschreiben und zu teilen wie dieses Jahr.

Das liegt sicher an der Tatsache, dass ich mich wieder weit mehr mit der Politik auseinandergesetzt habe, mehr Zeitung gelesen und mehr Nachrichten geschaut habe, als in den letzten Jahren und das auf der Welt und in der Schweiz ziemlich viel nicht so lief, wie ich mir das gewünscht hätte. Die Anschläge, der Krieg in Syrien, das Elend der Flüchtlinge, die Wahl von Donald Trump, der Vormarsch rechtsextremer Parteien, der Hass und die Wut, die um sich greifen wie eine ansteckende Krankheit…das alles hat in mir immer wieder ein Gefühl von Machtlosigkeit und Ohnmacht ausgelöst. Manchmal tat es da einfach gut, wenn man seine Emotionen und Gedanken in Worte verpacken und sie in die Unendlichkeit des Internets schleudern konnte. Die Worte waren draussen, die Probleme zwar bei weitem nicht gelöst, aber mein Geist war danach immer ruhiger und ich konnte vieles wieder gelassener sehen.

Muss man seine Texte dafür ins Internet stellen? Nein, natürlich nicht. Ich könnte ja auch Tagebuch schreiben und es hätte denselben Effekt. Ein Tagebuch hätte sogar noch den Vorteil, dass ich noch direkter schreiben könnte, weil es – im optimalen Fall – von niemanden ausser mir gelesen werden würde. Und trotzdem schreibe ich nicht Tagebuch, sondern blogge. Weil ich gelesen werden möchte. Von anderen Menschen. Weil ich eine kleine Narzisstin bin, was das Schreiben anbelangt und weil es mir natürlich ungemein schmeichelt, wenn man meine Texte lobt. Natürlich gehe ich damit auch Risiken ein: Das Risiko falsch verstanden zu werden. Das Risiko jemanden auf die Zehen zu treten. Und das Risiko, jemanden zu verletzen.

Wenn man Geschriebenes veröffentlicht wird der Text von mehreren Leuten gelesen und jeder wird ihn anderes verstehen, jeder wird die Worte und den Ton anders auffassen. So fragte mich jemand, nachdem ich den Text über das Stadtpräsi – Podium veröffentlicht habe, ob Stefan Costa mich noch nicht verklagt hätte, da dieser ja schliesslich nicht so gut wegkäme. Etwa eine Woche später lief ich Herrn Costa dann persönlich über den Weg. Er erkannte mich auch als Autorin des Blogs, war aber überhaupt nicht beleidigt oder zornig (oder er hat es zumindest geschickt verborgen). Was für die einen frech ist, ist für die anderen erfrischend, was für die einen mutig ist, ist für die anderen vorlaut. Das ist ja das Spannende am Bloggen und am Schreiben allgemein.
Das ist allerdings auch das, vor dem ich am meisten Schiss habe, wenn ich Texte veröffentliche. Was, wenn jemand mal etwas total in den falschen Hals kriegt und ich plötzlich einen Shitstorm ernte? Wenn ich die Juso heftig angreife oder mich über die Fasnacht auskotze, dann ist mir bewusst, dass ich damit provoziere. Aber was wenn ich mal etwas – aus meiner Sicht – Harmloses schreibe und plötzlich wird jemand so richtig sauer auf mich?

Bis jetzt überwiegen glücklicherweise noch die positiven Rückmeldungen. Und dieses Jahr durfte ich auch sehr oft „im Auftrag“  schreiben. Zum Beispiel eine Kolumne für unsere Parteizeitung. Auch das macht tierischen Spass auch wenn es für mich immer eine Herausforderung ist, die Zeichenzahl nicht zu überschreiten. Und auch für „meine“ Buchhandlung durfte ich das eine oder andere Mal in die Tasten greifen. Wenn Menschen Freude an meinen Texten haben, ist das das grösste Kompliment überhaupt. Mit meinem Filmzitateprojekt bin ich leider nicht so weit gekommen. Immer wenn ich anfangen zu schreiben wird die Story einfach zehnmal länger als ursprünglich geplant, weshalb es mich dann schlussendlich immer extrem viel Zeit kostet. Aber ich werde trotzdem damit weiterfahren, denn nichts macht mir so viel Spass wie das Erfinden von Figuren und Geschichten.

Dass ich mehr gebloggt habe als in den beiden vorangehenden Jahren liegt aber noch an etwas anderen: An einem zunehmenden Selbstbewusstsein. Ich habe mich sehr oft beeinflussen und verunsichern lassen. Weil ich ohnehin nie die selbstsicherste Person war, habe ich mich sehr oft zurückgenommen und mich auf andere Menschen verlassen – klügere Menschen, wie ich dachte. Und dann kam der Punkt, an dem ich einfach spürte, dass diese Ansichten, die mir vorgebetet wurden, nicht mit den meinen übereinstimmten. Mehr noch, ich begriff plötzlich, dass meine Meinung nicht zwangsläufig falsch sein musste nur weil sie von anderen abwich. Zugleich begann ich differenzierter über viele Dinge nachzudenken, als ich es bisher getan habe. Das ist auch im Blog spürbar.

Auch sonst bin ich mir selbst ein Stückchen näher gekommen. Ich wäre immer gerne eine Rebellin gewesen, ein bisschen laut, ein bisschen wild, ein bisschen revolutionär, musste dann aber einsehen, dass das einfach nicht meinem Wesen entspricht. Ich bin nun einmal pflichtbewusst und überpünktlich, halte mich immer an die Regeln  und habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie breche. Ich bin auch ein übervorsichtiger Mensch, der viel grübelt und lieber auf etwas verzichtet, anstatt zu viel zu wagen. Natürlich fehlt mir Spontanität, natürlich fehlt mir oft der Mut, natürlich bin ich manchmal ein furchtbarer Spiesser…aber es bin halt ich. Für das nächste Jahr nehme ich mir vor, mich nicht mehr zu verbiegen und mich so zu lieben, wie ich bin, anstatt mir immer zu wünschen, anders zu sein.

Noch etwas nehme ich mir für das nächste Jahr vor: Kein Schwarz – Weiss – Denken mehr! Nicht mehr immer in Kategorien Gut und Böse denken, offen und neugierig sein, der Filterblase bewusst entfliehen, kritisch sein und den eigenen Gedanken keine Zügel anlegen. Und ich nehme mir auch ganz, ganz fest vor, Menschen nicht mehr so schnell zu verurteilen, sie gleichzeitig aber auch nicht mehr so schnell auf einen Sockel zu stellen. Dieses Jahr wurde ich oft eines Besseren belehrt.

Ich hoffe auf ein friedliches, inspirierendes Jahr 2017! Und das wünsche ich euch auch. Möge das Einhorn immer mit mit euch sein!

PS: Wer sich dafür interessiert, was ich in diesem Jahr gelesen habe, findet unter Bücherliste meine Lektüre 2016. Naturgemäss viele Kinder – und Jugendbücher, aber auch den einen oder anderen Klassiker habe ich geschafft. Und viele Lieblingsbücher habe ich wieder aus dem Regal genommen. Wenn ich ein Buch wirklich liebe, lese ich es mehrmals. Das ist dann wie nachhause kommen.

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