Dienstag, 31. Januar 2017

Am Arsch geht auch ein Weg vorbei



Es freut mich sehr euch mitteilen zu können, dass ich mich ab jetzt ganz meinem Romanprojekt widmen kann. Tatsächlich werde ich  nach Mallorca auswandern, wo ich den ganzen Tag in einem engen Bikini lange Strandspaziergänge unternehmen werde. Oder mich werde  mit einem riesigen Strohhut auf dem Kopf auf einem Liegestuhl fläze, einen – natürlich alkoholfreien – Drink in der Hand, den Blick träumerisch in die Ferne gerichtet. Wie ich mir das leisten kann? Weil ich jetzt Millionen verdiene! Und womit ich die verdiene? Mit Schnitzelbankversen!

Zumindest könnte man das meinen, wenn man sich diesen Artikel http://www.bernerzeitung.ch/region/oberaargau/ein-zueckerli-fuer-die-baenkler/story/24412231 und den dazugehörigen Kommentar http://www.bernerzeitung.ch/region/oberaargau/zweifelhaftes-anreizsystem/story/26244836 durchliest. Von einem „finanziellen“ Zustupf ist hier die Rede, ja gar von einem „Geldsegen“. Naja wenigstens hatte der Autor die Freundlichkeit die korrekten Zahlen zu nennen, so dass das Bild der geldgierigen Schnitzelbanken wenigstens nicht ganz so scharf gezeichnet wird.

Ja, die LFG hat beschlossen, uns eine finanzielle Entschädigung für den Gönnerabend zu entrichten. Ich möchte hier allerdings betonen, dass wir nicht darum gebeten haben. Als ich in einem Blogeintrag unsere Ausgaben erwähnt habe, meinte ich damit nicht, dass wir Geld wollen. Ich wollte damit nur aufzeigen, dass so eine Schnitzelbank eben auch mit Aufwand verbunden ist. Und ja, der schlägt sich eben auch im Portemonnaie nieder.

Wenn wir das Geld einfordern würden, bekämen wir pro Mitglied 100 Franken, macht also 400 Franken insgesamt. Ich schreibe absichtlich „einfordern würde“, denn das Geld wird uns keineswegs einfach so zum fröhlichen Verbrauch übergeben. Wir müssen der LFG eine Rechnung stellen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass manche Schnitzelbänke auf die finanzielle Unterstützung verzichten werden.

Klar, soll man sich nicht wegen des Geldes aktiv an der Fasnacht beteiligen, sondern aus Freude und Liebe zur Narrenzeit. Und ich glaube, dass sieht auch die LFG so. Aber was soll sie denn machen? Sie kann ja die Leute nicht an den Haaren auf die Bühne zerren und ihnen befehlen, jetzt eine lustige Schnitzelbank zu machen. Sie können das Publikum auch nicht dazu zwingen, ausgelassener Stimmung zu sein. Sie haben auch keinen Einfluss darauf, was man sich als Schnitzelbank von irgendwelchen Betrunkenen an den Kopf werfen lassen muss. Sie können nur ihre eigene Wertschätzung ausdrücken und möglichst günstige Rahmenbedingungen schaffen. Und jetzt versuchen sie es eben mit Geld.

Immerhin tun sie etwas. Andere schreiben nur Artikel über die darbende Schnitzelbankszene und fehlenden guten Nachwuchs.

Der Autor des Artikels meint, früher sei es doch Ehrensache gewesen am Gönnerabend aufzutreten. Natürlich gehe ich gerne auf die Bühne. Natürlich sollen jene, welche die Fasnacht finanzieren, ein besonderes Programm geniessen können. Aber mir macht es dann halt auch keinen Spass, wenn ich in einem Raum auftreten muss, in dem die einen sturzbesoffen sind, die anderen über mich ablästern und wiederum andere deutlich zu verstehen geben, dass sie nur hier sind, weil sie eben sein müssen. Ein solches Publikum einigermassen bei Laune zu halten ist eher Schwerstarbeit als Ehre.

Dass die Guggen kein Geld bekommen, wusste ich ehrlich gesagt nicht. Und ja, das ist schon nicht ganz fair, wenn die einen bekommen und die anderen nicht. Allerdings ist es um die Guggen sicher weitaus besser bestellt als um die Schnitzelbanken. Wir haben extrem viele Guggen (was gut ist, ich liebe Guggen!). Dass sie sich stiefmütterlich behandelt fühlen, mag sein, vielleicht ist es aber auch nur der persönliche Eindruck des Journalisten. Ich kann mich irren, aber ich glaube, er steckt selbst in einer Gugge, was ein Grund dafür sein könnte, weshalb er das Thema ja wohl auch nicht so ganz neutral beleuchten kann.

Abgesehen davon, wenn wir gerade bei Guggen und Gönnerabend sind: So weit ich informiert bin, wurde es früher so gehalten, dass es am Freitag verboten war, auf der Gasse zu spielen. Erst mit der offiziellen Eröffnung der Strassenfasnacht am Samstag schwappte das närrische Treiben durch die ganze Stadt über. Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass auch das ein Grund ist, wieso der Gönnerabend an Exklusivität eingebüsst hat.

Ich finde es einfach schade, dass man solche Artikel schreiben muss. Fasnacht soll doch Spass machen. Man kann Konflikte auch herbeischreiben, wenn man Formulierungen verwendet wie „schnitzelbankfreundlichen Kurs“ und „das könnte auch bei den Guggen Begehrlichkeiten wecken“. Spätestens jetzt ist der Samen der Unzufriedenheit gesät. Und genau im selben Stil versucht man immer wieder den Konkurrenzgedanken zwischen den Schnitzelbänken zu schüren.

Das ist falsch. Geht es nicht einmal hier ohne diesen verdammten Leistungsdruck? Echt jetzt? Ich will kein Geld für meinen Aufritt. Aber ich will, dass man mir mit Respekt begegnet und den Mut honoriert, den es braucht, um sich auf eine Bühne zu stellen. Eine Fasnacht soll vielfältig, bunt und farbenfroh sein und nicht in irgendwelchen Kleinlichkeiten versinken.

Naja ich kann das nicht ändern. Genauso wenig wie es die LFG es ändern kann. Es wird immer Miesepeter geben. Aber letzthin habe ich etwas Wichtiges gelernt: Am Arsch geht auch ein Weg vorbei.

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