Freitag, 25. November 2016

Wer bin ich und wenn ja...



Als ich meine ersten Blogs geschrieben habe, wurden diese fast ausschliesslich von meiner Familie gelesen, also von Menschen, die mich kennen und lieben oder zumindest glaubhaft den Anschein erwecken, dass sie es tun. Inzwischen passiert es aber immer mehr, dass Menschen zuerst den Blog lesen und mich dann erst kennenlernen. Das ist doch irgendwie paradox oder? Da liest jemand meine Storyfetzen, meine politische Meinung, meine Gedanken, meine Wutausbrüche, meine Sorgen, ohne das er (oder sie oder es) je ein persönliches Wort mit mir gesprochen hat. Da lernt mich jemand kennen, ohne dass er mir je die Hand geschüttelt hätte und wahrscheinlich kennt mich dieser Jemand tatsächlich viel besser, als all die flüchtigen Bekannten, denen ich im „richtigen“ Leben über den Weg gelaufen bin.

Wirklich abstrus ist aber: Ich glaube, manchmal sind Leute enttäuscht, wenn sie erst meine Blogs lesen und mich später kennenlernen. Ich glaube, sie erwarten dann eine ziemlich ausgeflippte, witzige und selbstbewusste Person mit rosa gefärbtem Haar und vielen Piercings. Und was kriegen sie? Eine schüchterne, oft etwas unsichere, junge Frau mit langen braunen Haar und einer Brille (eigentlich fehlt nur noch die Zahnspange). Dann spüre ich oft die unausgesprochene Frage: Sie hat das geschrieben? Sie ist doch gar nicht so frech und mutig! Sie ist ja richtig langweilig!
Spannend oder? Das man zweimal so ganz anders wahrgenommen wird. Bleibt nur noch die eine Frage: Wer ist nun die echte und wahre Dési? Die spitzzüngige Bloggerin oder die schüchterne Buchhändlerin? Und das wiederum führt zu der Frage: Gibt es überhaupt ein wahres Ich oder sind wir nicht alle wie eine Art Flickenteppich, indem sich die verschiedenen und gegensätzlichen Aspekte unserer Persönlichkeit widerspiegeln?

Oh, man, ich glaube, ich sollte nicht mehr philosophieren. Ich bekomme nur Kopfschmerzen davon. Zumindest mein bloggendes Ich.



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