Sonntag, 16. Oktober 2016

Lang lebe der König




Es ist passiert: Das Schwert wurde aus dem Stein gezogen, Langenthal hat wieder einen König. Oder um den Bild von Dumas zu bleiben: Das Duell der Musketiere wurde endgültig ausgefochten und einer der tapferen Helden wird nun den Waffenrock ausziehen und sich stattdessen das edle Hermelin um die Schulter legen, um Langenthal in eine glorreiche Zukunft zu führen. Das Schicksal hat entschieden. Und da Schicksal bei uns in der Schweiz gleichgesetzt wird mit dem Volk, haben die Wähler gesprochen. Neuer Stadtpräsident ist Reto Müller von der SP.

Wenn ihr mich fragt: Eine ausgezeichnete Wahl für Langenthal. Er und sein Team haben es absolut verdient, sie haben einen wunderbar fairen, kreativen und witzigen Wahlkampf geführt, der viele Menschen (und bei weitem nicht nur Linksdenkende) bewegt und begeistert hat. Sie haben es geschafft, dass dieses Gefühl von „Yes, we can!“ sogar durch das kleine Langenthal geschwappt ist.

Fairerweise muss man allerdings sagen: Es hätte jetzt auch nicht den Untergang von Langenthal bedeutet, wenn es Stefan Costa geworden wäre. Allerdings hat sich sein Wahlteam am Ende nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ich war schon sehr verblüfft als es auf den Costa – Plakaten auf einmal hiess, er sei nicht sozialistisch. Und als ein Auto an mi vorbeifuhr,  auf dessen Dach das Schild „kein linker Stapi“ montiert war, dachte ich erst, ich hätte falsch gesehen.

Ja, ja ich weiss, Wahlkampf rechtfertigt in den Augen mancher einfach alles. Aber es gibt Grenzen. Statt auf den anderen Kandidaten zu schiessen, hätte man ja auch einfach die Qualitäten des eigenen propagieren können. Und abgesehen davon: Wenn ein Stadtpräsdentskandidat linkes Denken als etwas Schlechtes abstempelt, bedeutet das, dass er einen doch recht beachtlichen Teil der Langenthaler Bevölkerung ausklammert. Das ist schon ziemlich ungeschickt. Aber schlussendlich zeigt Stefan Costa sich als fairer Verlierer und auch wenn der Wahlkampf zwischendurch mal zum Schmierentheater verkam, war er doch im Grossen und Ganzen eine friedliche und relativ harmonische Sache. 

Die Wahlen in Langenthal sind Geschichte und so schliesst sich auch hier im Blog ein Kreis.  Es hat Spass gemacht, alles zu dokumentieren und es hat mich erstaunt, wie interessiert die Beiträge gelesen wurden. Ja, es war zwischendurch sehr persönlich und sehr emotional – nicht jedem hat das gepasst. Ein Blog ist aber nun mal ein Online – Tagebuch. Wenn ich mir jetzt manche Artikel durchlese, frag ich mich selbst manchmal welcher Teufel mich da geritten hat. Dennoch lasse ich sie so stehen, denn es sind Momentaufnahmen.

Dass dieses ganze politische Gelabere einer völlig naiven und verträumten Buchhändlerin auf so viel Interesse stösst, hätte ich nicht gedacht – selbst Menschen, die noch nie einen Fuss nach Langenthal gesetzt haben, fieberten mit der SP Langenthal und Reto Müller mit. Darauf bin ich (sorry, da meldet sich die Narzisstin) auch ein kleines bisschen stolz.

Natürlich habe ich keineswegs vor den Blog zu schliessen. Aber es wird wieder mehr um mich und das Schreiben gehen, als um Wahlen und Abstimmungskampf. Allerdings habe ich das schon gefühlte 1000 Mal versprochen…und irgendwie klappt es nie. Mal sehen, ob es diesmal klappt.

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