Samstag, 15. Oktober 2016

Die Hexe in uns





Ich glaube, jede Frau sollte ein kleines bisschen Hexe sein. Hexen sind keine unschuldigen, lieblichen Damen, die stets nur an andere und nie an sich selbst denken. Sie sind oft durchtrieben, launisch und machthungrig. Hexen sind keine zarten Jungfrauen, die im Turm auf ihren Prinzen warten, der sie befreit, stattdessen sperren sie den Prinzen einfach gleich selber ein, wenn sie ihn schnucklig genug finden. Hexen erdulden und verzeihen nicht alles, stattdessen sind sie äusserst rachsüchtig und zahlen es jenen heim, die ihnen Leid zufügen. Hexen sind keine wohlerzogenen, braven Mädchen, denen nie ein Schimpfort über die Lippen kommt, stattdessen sind sie frech und können fluchen wie ein Bierkutscher.

Und natürlich gibt es auch die anderen Seiten an den Hexen. Sie sind  witzige, unterhaltsame Frauen mit scharfen, schnellen Zungen. Nicht immer setzen sie ihre Magie dazu ein, anderen Schaden zuzufügen, manchmal benutzen sie sie auch um zu schützen oder zu heilen.  Sie sind grandiose Gegenspielerinnen, zugleich aber wertvolle Verbündete, unerbittlich in ihren Hass, aber treuherzig in ihrer Freundschaft.

Egal ob Film, Buch oder Comic, egal ob als Feindin, Heldin oder Nebenfigur – ich liebe Hexen. Und ich glaube, dass sie grossartige Vorbilder sind – eben weil sie diese „jede – Frau – hat – eine – liebende – Madonna – zu – sein“ Klischees, so wunderbar widerlegen. Und weil ich sie so mag, widme ich diesen Blog meinen Lieblingshexen.

Gundel Gaukeley
Eine Hexe mit Stil ist sie auf jeden Fall, Dagobert Ducks Intimfeindin Gundel Gaukeley, die mit allerlei Tricks und Zaubereien versucht, seinen  Glückstaler zu stehlen um sich daraus ein mächtiges Hexenamulett zu schmelzen. Doch obwohl sie zu den intelligenteren Figuren Entenhausens gehört, funktionieren ihre boshaften, kreativen Pläne nie – am Ende ist sie die Verliererin, was sie jedoch nicht davon abhält, es immer wieder zu versuchen. In seltenen Fällen entdeckt allerdings auch Gundel ihre weiche Seite, etwa dann, wenn sie ein schüchternes Liebespaar verkuppelt. Auch ihre Wohnsituation ist typisch Hexe: Gundel lebt, gemeinsam mit ihrem Raben Nimmermehr, in einer waschechten Hexenhütte am Rande des Vesuvs, wo sie unter der ständigen Beobachtung von Dagoberts Spionen steht.

Ihr Charakter hat sich im Laufe der Zeit verändert: Wird sie am Anfang noch als kühle, durchtriebene und schlaue Magierin dargestellt, ist sie in späteren Geschichten nicht nur – wie so viele aus Entenhausen –äusserst aufbrausend, sondern auch ganz schön tollpatschig (so legt sie einige spektakuläre Besenunfälle hin). Ausserdem scheint sie manchmal, genau wie Donald, vom Pech verfolgt zu sein. So entwickelt sie tatsächlich, aufgrund eines Fluchs, eine akute Glückstalerallergie und bekommt jedes Mal einen fürchterlichen Ausschlag, wenn sie auch nur an den Glückstaler denkt. Und ausgerechnet da, fällt ihr der Taler förmlich in den Schoss. Und in einer anderen Geschichte geling es ihr endlich, den Zehner zu stehlen – allerdings ausgerechnet an einem Tag, an dem die Magie gerade Pause macht. Bei anderen Hexen gilt sie eher als Nullnummer, da ihre bösen Plänen ja nie aufgehen. Das wurmt sie und lässt sie noch verbissener daran arbeiten, den ersehnten Glückstaler endlich in die Finger zu kriegen.

Gundel ist mit ihren langen schwarzen Haaren und dem grün schillernden Lidschatten eine sehr attraktive Ente, die auch durchaus ihre Verführungskünste einsetzt, wenn es gilt etwas zu erreichen. Während Minnie und Daisy fast immer die gleiche Frisur tragen und höchstens in der Farbe der Schleife variieren, ist Gundel experimentierfreudiger. So hat sie mal knapp schulterlanges, glattes Haar, dann wieder hüftlange Locken. Zudem verwandelt sich Gundel gerne in andere Personen – und auch dort wählt sie gerne hübsche Frauen aus.  


Maleficent

Sie ist eigentlich keine klassische Hexe, sondern eher eine böse Fee: Die Antagonistin im Disney – Klassiker „Dornröschen“ Maleficent, ist nicht nur eine imposante Erscheinung, sondern auch ganz schön böse. So sorgt sie nicht nur dafür, dass die schöne Prinzessin Aurora in einen tiefen Schlaf fällt, sondern entführt auch gleich noch den dazu passenden Prinzen, um zu verhindern, dass dieser seine Liebste wachküsst. Und ganz am Ende verwandelt sie sich sogar in einen furchterregenden Drachen, um das Ruder doch noch zugunsten des Bösen herumzureissen. Mangelnde Aktivität kann man ihr wohl kaum vorwerfen.

Im Gegensatz zu vielen ihrer Berufskolleginnen lebt Maleficent auch nicht in einem Hexenhaus in einem Wald und wartet darauf, dass ihre Opfer bei ihr vorbeikommen. Sie bevorzugt ein dunkles Schloss, wo sie wie eine Königin herrscht. Denn sie ist auch keine Einzelkämpferin, sondern verfügt über eine Schar von düsteren Gehilfen, die ihre Befehle ausführen – allerdings haben sie, wie so viele Handlanger den Nachteil, das Denken nicht immer zu ihren Stärken gehört. Auch Maleficent verfügt wie so viele Hexen über einen tierischen Begleiter: In ihrem Fall ist es ein Rabe, der ihr auch als Späher dient.

Jetzt kann man sich natürlich fragen: Wieso gehört die dunkle Maleficent zu meinen Lieblingshexen? Nun, zum einen sieht sie mit ihrer Hörnerkrone, ihren hohen Wangenknochen und ihren wallenden, schwarzen Gewändern zwar bedrohlich aus, hat aber dennoch auch etwas Schönes, Weibliches an sich. Und zum anderen: Ich finde es klasse, wenn in Filmen oder Büchern eine Frau auch mal so richtig böse sein darf. Zwar tauchen in vielen Geschichten nicht ganz so nette Damen auf, oft sind es aber entweder Untergebene (oder Geliebte) der richtig Bösen oder aber sie kippen um und werden dann doch irgendwie noch gut. Nicht einmal in Ruhe die Weltherrschaft an  uns reissen dürfen wir.

Meine Theorie wird übrigens davon untermauert, dass in der realen Neuverfilmung von „Dornröschen“ Maleficent nicht nur zur Titelheldin gemacht, sondern die Geschichte auch so geändert wird, dass sie in Wirklichkeit gut und alle anderen dafür böse sind. Schade.

Und abgesehen davon: Maleficents Fluch lautet, dass eine Spindel Aurora den Tod bringen soll. Wenn das kein Statement gegen „Frauen an die Handarbeit“ ist, weiss ich auch nicht.

Sabrina Spellman

Sie gehört in die Kategorie „Moderne Hexe“: Sabrina aus der Zeichentrickserie „Simsalabim Sabrina“ (die auf der beliebten Serie „Sabrina – Total verhext“ basiert)  ist eigentlich ein ganz normaler Teenager, bis auf die klitzekleine Tatsache, dass sie über magische Kräfte verfügt. Sabrina ist noch eine sehr junge und unerfahrene Hexe, bei der viele Zaubereien auch ganz schön schiefgehen. Ausserdem darf sie ihre Kräfte nicht offen zeigen, weshalb sie auch viel Zeit damit verbringt, die seltsamen Vorkommnisse, die ständig um sie herum geschehen, irgendwie zu erklären. 

Da niemand über ihre Hexenkräfte Bescheid wissen darf, lebt Sabrina, gemeinsam mit ihren Tanten und ihrem Onkel, in einen ganz normalen Haus. Mit ihren langen blonden Haaren, den blauen Augen und den rosa Kleidern, erfüllt sie auch optisch nicht den Standard, den man von einer Hexe erwartet.

Sabrina setzt ziemlich oft Magie ein um ihre Probleme zu lösen – mit meist katastrophalen Folgen. Allerdings handelt sie nie aus Bosheit, sondern oft auch um anderen Menschen zu helfen. So verhext sie zum Beispiel ein altes Fahrrad um ihrem besten Freund eine Freude zu machen – nur entwickelt das Fahrrad eine eigenständige Persönlichkeit und die ist durch und durch böse. Und manchmal hext sie auch einfach aus Eigensucht oder Bequemlichkeit. Genau das macht sie so sympathisch. Sabrina hat weder den Plan die Welt zu retten, noch sie zu zerstören, sie versucht einfach irgendwie mit ihrer Magie klarzukommen und ist dabei absolut menschlich. Denn wer würde nicht der Versuchung erliegen, Problemchen einfach wegzuhexen, wenn er oder sie die Möglichkeit dazu hätte?

Der eigentliche Star der Serie ist allerdings Sabrinas Kater Salem. Der war früher ein grössenwahnsinniger Hexenmeister, der als Strafe für seine Untaten in einen Katzenkörper verbannt wurde. Salem kommentiert Sabrinas Leben zwar auf eine bissige, sarkastische Weise und ist auch ausgesprochen ich – bezogen, allerdings ist er meist zur Stelle, um ihr aus dem Schlammassel zu helfen.

Morgan le Fay

Morgan le Fay ist eine bekannte Figur aus der Artus – Saga. In ihr vereinigen sich äusserst widersprüchliche Charakterzüge: Zum einen taucht sie als gefürchtete Gegenspielerin der Ritter der Tafelrunde auf, die ihrem Halbbruder Artus nach dem Leben trachtet und dafür die gesamte Palette an magischen Tricks benutzt. So schickt sie Artus einen Mantel, der seinen Träger in Flammen aufgehen lässt und  lockt ihn in eine Falle, um ihm Excalibur zu stehlen.  Zugleich wird sie aber auch als grosse Heilerin und Zauberin beschrieben, die für Artus die Scheide fertigt, die ihm in Kampf schützt. Und am Ende ist sie es, die den sterbenden König auf einer Barke nach Avalon geleitet.

Natürlich kommen diese unterschiedlichen Gesichter, die sie uns zeigt, auch daher, dass es verschiedene Adaptionen der Artuslegende gibt und ihre Figur immer anders angelegt ist. Allerdings gefällt mir persönlich auch der Gedanke, dass Morgan tatsächlich eine zwiespältige Magierin ist, die ganz nach ihren Launen lebt. Denn schliesslich hat doch jeder von uns schlechte Eigenschaften und vielleicht würden wir die ja auch stärker ausleben, wenn wir über magische Kräfte verfügen würden. Und zeigt uns Morgan nicht, dass jede Frau in ihrem Leben mehrere Rollen ausfüllt? Die Schwester, die Mutter, die Heilerin, die Kämpferin, die Königin, die Hexe, die Priesterin, die Tochter: Morgan durchlebt alle Facetten der Weiblichkeit.

Zudem finde ich es beeindruckend, dass in Rittergeschichten, die ja doch meist sehr männlich geprägt sind, eine Frau wie Morgan auftaucht, die den Männern ganz schön in den Hintern tritt.

Die kleine Hexe

Die Titelheldin von Otfried Preusslers beliebtem Kinderbuch, ist der Innbegriff der guten Hexe. Als die Hexen vom Blocksberg von ihr verlangen, sich ein Jahr als gute Hexe zu beweisen (womit sie eigentlich meinen, dass sie böse Taten verrichten soll), bemüht sie eifrig, den Auftrag wortgetreu umzusehen. Da sie ohnehin ein warmherziger und freundlicher Charakter ist, greift sie mithilfe ihrer Kräfte armen und benachteiligten Menschen unter die Arme.

Die kleine Hexe wird stets begleitet von ihrem besten Freund, dem klugen, sprechenden Raben Abraxas, der ihr mit seinen Ratschlägen und Ermahnungen zur Seite steht. Sie wohnen gemeinsam in einem kleinen Hexenhaus mit einem krummen Kamin und einem windschiefen Dach, wie es sich für eine echte Hexe nun einmal gehört.

Die kleine Hexe ist ein beeindruckender Charakter, weil sie Unrecht erkennt und es nicht hinnimmt, sondern ändert. Dabei nutzt sie ihre Magie auf clevere, kreative Weise. Und obwohl sie hexen kann, fühlt sie sich nicht als etwas Besonderes, sondern hat stets ein feines Gespür für die Nöte und Sorgen der gewöhnlichen Menschen. Sie kennt keine Standesdünkel, sondern stürzt sich in Leben, die ihr nicht vertraut sind.

Und noch etwas an der kleinen Hexe ist bewundernswert. Am Ende der Geschichte wollen die grossen Hexen sie dafür bestrafen, das sie keine bösen Taten, sondern gute Taten verrichtet hat. Doch da dreht sie den Spiess einfach um, hext die Besen und Zauberbücher ihrer bösen Kolleginnen herbei und errichtet damit ihren persönlichen Scheiterhaufen für die Walpurgisnacht. Alle haben ihr erzählt, wie eine echte Hexe zu sein habe. Sie hat sich selbst dafür entschieden, was für eine Hexe sie sein will.

Madame Mim

Madame Mim ist eine Figur aus dem grossartigen Disney – Film „Die Hexe und der Zauberer“, wo sie als Gegenspielerin des gutmütigen Zauberers Merlins auftaucht. Merlins Schüler Floh verirrt sich in Vogelgestalt in ihre Waldhütte, was die Hexe prompt veranlasst, sich in eine Katze zu verwandeln, um ihn aufzufressen.

Spätestens da ist jedem klar: Madame Mim ist eine böse Hexe. Und sie liebt, böse zu sein. Mim hat eine geradezu unverschämt gute Laune und kichert auch dann noch, wenn sie die schrecklichsten Dinge sagt. Sie freut sich, wenn jemand krank ist, hasst das Sonnenlicht und findet alles was gut ist, schon einmal blöde. Von Regeln hält sie nicht besonders viel, bei Zauberduellen findet sie stets listig ein Schlupfloch, um doch noch die Oberhand zu gewinnen. Mim ist eben einfach egoistisch. Sie verfolgt auch keine grosse Plänen, sondern geniesst einfach das Leben und ist dabei so bösartig wie nur möglich.

Auf den ersten Blick wirkt sie in ihren bunten Kleidern, mit ihrer Knollennase und mit ihrer rundlichen Figur nicht sonderlich furchterregend, ihr vorstehender Zahn und ihre stechend grünen Augen verleihen ihr dann allerdings doch eine etwas düsterere Aura. Sie ist in der Lage, ihre Gestalt beliebig zu verändern. So kann sie sich auch in ein hübscheres Ich verwandeln, sieht aber nicht ein, wieso sie das tun sollte. Denn, wie sie zu sagen pflegt: „Ich bin hässlich und dick, die makabere, manische, mächtige Madame Mim!“  

Die Halliwells

Sie sind die Hauptakteure in meiner Lieblingsserie Charmed: Die Halliwell – Schwestern, die eines Tages ein Zauberbuch auf dem Dachboden entdecken und zu ihrem Entsetzen erfahren, dass sie Hexen sind. Und nicht einfach nur irgendwelche Hexen, sondern die mächtigsten Hexen, die es seit Generationen je gegeben hat. Für die Schwestern geht es allerdings nicht nur darum ihren Alltag trotz magischer Kräfte zu meistern, sondern auch darum, die Unschuldigen vor Dämonen zu schützen.

Sie gehören also zu jenen Hexen, deren Zauberkräfte an eine Aufgabe geknüpft sind. Und diese Aufgabe fordert ihnen einiges ab. Nicht nur, dass ihr Privatleben zu kurz kommt, sie müssen im Kampf gegen das Böse auch furchtbare Verluste hinnehmen müssen. So opfert die älteste Schwester Prue gar ihr Leben um einen Unschuldigen zu retten und Phoebe muss, nach langem Ringen, auf ihre grosse Liebe verzichten (lange Geschichte). Piper will das Hexensein mehr als einmal hinschmeissen, während Paige sich so stark mit ihrer Magie identifiziert, dass es ihr schwerfällt, ein normales Leben zu führen.

Ein ständiges Thema ist der Missbrauch der Magie. Die Schwestern dürfen Magie nicht zum persönlichen Vorteil einsetzen. Tun sie es doch, richten sich ihre Zaubersprüche auf einmal gegen sie selbst. Als Paige einen Mitarbeiter dafür bestrafen will, dass er sie sexuell belästigt, wachsen stattdessen ihre Brüste. Und als Phoebe mithilfe ihrer Visionen einen Lottoschein ausfüllt, verblassen die Zahlen auf ihrem Abholschein. Ebenfalls wird stets betont, dass grosse Macht okkupiert und so macht jede der Schwestern mal einen Abstecher auf die dunkle Seite. Dabei wird auch jeder klar: Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind oft fliessend und manchmal tut man genau aus dem Wunsch, Gutes zu tun, die schrecklichsten Dinge. Oder wie Phoebe in einer Folge so treffend bemerkt: „Das Falsche aus dem richtigen Grund zu tun, macht es dennoch nicht richtig.“

Beeindruckend ist auch, dass die jungen Frauen Dämonenjagd, Liebesleben, Berufsleben und auch Familienleben unter einen Hut bringen, wobei ihnen  die wohl mächtigste Waffe zur Verfügung steht, die ein Mensch überhaupt haben kann: Ein unerschütterlicher Sinn für Humor.

Und sie bekämpfen blutrünstige Monster in mörderisch hohen Stöckelschuhen. Also wenn das keine Leistung ist (ich kann mit den Dingern nicht einmal Treppe laufen).



Hermine Granger

Schliessen wir mit meiner absoluten Lieblingshexe: Hermine Granger. Die begabte Junghexe steht Harry Potter in seinen Abenteuern stets mit Rat und Tat zur Seite, wobei sie ihm, dank ihrer grossen Intelligenz manches Mal aus der Klemme hilft.

Hermine ist einer der wunderbarsten, weiblichen Charaktere, der mir je in einem Buch über den Weg gelaufen ist. Mit ihren buschigen Haar und den langen Vorderzähnen (die später allerdings schrumpfen), entspricht sie keineswegs dem Bild der vollbusigen, attraktiven Superheldin (was natürlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass sie noch eine Heranwachsende ist und erst nach und nach weibliche Reize entwickelt). Auch ihr Charakter ist anfangs alles andere als reizend: Sie ist geradezu besessen von Regeln, unglaublich besserwisserisch und mischt sich in Dinge ein, die sie eigentlich nichts angehen.

Die Freundschaft mit Harry und Ron lässt sie allerdings lockerer werden und so ist sie bald an vorderster Front mit dabei, wenn es darum geht, Schulregeln zu brechen. Allerdings verbringt sie nach wie vor die meiste Zeit in der Bibliothek, wo sie entweder nach der Lösung eines Rätsels sucht oder aber für die nächste Prüfung lernt. Noten sind Hermine nämlich fast so wichtig, wie die Rettung der Welt und zum ausserordentlichen Leidwesen von Harry und Ron, werden auch sie von Hermine stets daran gemahnt, ihre schulische Laufbahn nicht zu vernachlässigen. Hermine kann sich auch wunderbar in eine Sache hineinsteigern, so gründet sie den Bund für Elfenrechte und scheut sich nicht davor, ihre Mitschüler mittels Erpressung dazu zu zwingen, diesem beizutreten.

Hier ist also ein Mädchen mit Ecken und Kanten. Denn hinter Hermines grosser Belesenheit und ihrem Lerneifer steckt eigentlich die grosse Unsicherheit,  etwas falsch zu machen oder den Ansprüchen nicht zu genügen. Ihr Streben, in allem stets die Beste zu sein, bringt sie in ihrem dritten Schuljahr fast an den Rand der Verzweiflung. Da sie unbedingt alle Schulfächer belegen will, reist sie mithilfe eines magischen Artefakts, in der Zeit umher und hat in der Folge dessen einen solchen Stress, dass sie am Ende des Jahres völlig erschöpft ist.

Hermine ist eine wunderbare Begleiterin für alle Mädels. Weil sie zeigt, dass Intelligenz und Belesenheit unter Umständen lebensrettend sein kann. Aber auch, weil sie beweist, dass niemand dem Anspruch perfekt zu sein, gerecht werden kann. Auch Frauen können das nicht. Selbst dann nicht, wenn sie einen Zauberstab haben.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen