Samstag, 9. Juli 2016

Weniger schreiben, mehr küssen!



Wisst ihr, welche Szenen meine schriftstellerischen Kompetenzen überschreiten? Genau, die Kussszenen! Und wisst ihr wieso? Weil ein Kuss eigentlich etwas sehr Banales ist. Zwei Menschen saugen sich an den Lippen des jeweils anderen fest und verspüren je nach Hormonausschüttung auch noch den Drang, die Zunge in den Rachen des anderen zu stecken. Rational betrachtet zumindest.

Aber jeder und jede interpretiert sehr viel in einen Kuss. Ein Kuss kann die Besiegelung der grossen Liebe bedeutet, er kann eine Sünde sein, er kann ein Versprechen sein, er kann ein Abschied sein, er kann traurig sein, er kann süss sein, er kann voller Sehnsucht sein, er kann freundschaftlich sein, er kann viel bedeuten oder gar nichts bedeuten. Es ist schwierig, so etwas Gefühlvolles auf Papier zu bringen. Weil es ihm Grunde etwas Intimes ist, dass man erleben muss, um es nachvollziehen zu können.

Und doch gib es Autoren, die diesen Moment super einfangen können. Aber ich schaff es einfach nicht! Seit Monaten schreibe ich an dieser romantischen Verwechslungskomödie und jetzt, wo es endlich zu diesen blöden Küssen kommt, krieg ich die Worte nicht zusammen! Entweder klingt es wie ein halber Porno oder wie das Geschreibsel einer Zwölfjährigen. Zum aus der Haut fahren!
Dabei ist küssen doch was Schönes. Es sollte kein „Krampf“ sein. Es sollte leicht sein, auch auf dem Papier. Leicht aber nicht so kitschig. Erotisch aber kein Sexfilm. Ich schreib mir noch die Finger wund an diesen Szenen. Tiefe sehnsuchtsvolle Blicke, verstohlenes über den Rücken streichen, heisse Küsse, welche die Seele öffnen…Mal ehrlich, wer will das schon lesen? Das nächste Mal schreibe ich eine blutige Gruselstory. Ohne Küsse. Ich glaube, das wäre weniger anstrengend.

Oder vielleicht bräuchte ich einfach mehr Praxiserfahrung? Weniger schreiben und mehr küssen. Das ist doch mal ein Lebensmotto! Und nebenbei wäre es ein gutes Wahlstatement: Ich stehe ein für eine Stadt, in der weniger gemeckert und mehr geküsst wird.

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