Donnerstag, 7. Juli 2016

Bitte lächeln!



Ich hasse Fotos. Also Fotos von mir selbst. Fotos, auf denen andere Menschen zu sehen sind, betrachte ich gerne und ausgiebig. Ich freue mich immer über jene Facebookfreunde, die fleissig Bilder von sich und ihren Familien posten. Tatsächlich gehöre ich nämlich zu der Sorte Menschen, die sich gerne mit dem Leben anderer beschäftigten. Ich wäre eine gute Journalistin. Oder zumindest eine gute Stalkerin.

Aber Porträts von mir – nein danke. Ich betrachte mich einfach nicht gerne selbst.  Ich lasse mich nicht gerne fotografieren. Schnappschüsse – meinetwegen. Aber dieses Posieren, dieses gezwungene Lächeln, dieses verkrampfte ich – muss – jetzt – gut – aussehen finde ich jetzt nicht so prickelnd. Es gibt ja Menschen, die blühen vor einer Kamera richtig auf. Ich hingegeben habe das Gefühl zu verdorren. Fototermine führen bei mir immer zu leichtem Unbehagen.

Wenn man für ein Amt kandidiert kommt frau jedoch um ein Foto nicht herum. Glücklicherweise geht es nur um einen Wahlprospekt und nicht um irgendwelche riesengrosse Plakate. Dennoch verknotete sich mein Magen, als ich in meinem Posteingang die Einladung zum Fotoshooting fand. Auch weil mir wieder dämmerte: Es gibt jetzt kein Zurück mehr.

Also jammerte ich erstmal im Freundeskreis und bei den Verwandten, wie sehr ich das fotografiert werden hasse. Und weil ich so schöne Bambiaugen machen kann, erbot sich meine weise ältere Schwester mich zu einem mysteriösen Herrn namens „Spotti“ zu begleiten, der sein Studio irgendwo in der Porzellanfabrik Langenthal aufgeschlagen hat.

Obwohl ich schon mein ganzes Leben in Langenthal verbracht habe, habe ich immer noch Schwierigkeiten mich zu orientieren. Ich kann mir einfach keine Wege merken. Wenn ich durch die Stadt laufe, bin ich meistens so in Gedanken, dass ich nicht einmal bemerken würde, wenn Johnny Depp vor mir nackt über die Strasse rennen würde. Da meine Schwester über dieselbe nichtvorhandene Orientierungsfähigkeit verfügt, irrten wir erst einmal über das sogenannte „Porzi – Areal“, auf der Suche nach irgendetwas was nach einem Grafikerbüro aussieht. Irgendwie hatte ich erwartet bunte Leuchtschilder zu sehen, die mich ins richtige Gebäude lotsten. Fehlanzeige. Schliesslich fiel meiner Schwester ein bescheidenes weisses A – 4 Papier auf, das auf den gesuchten Ort hinwies.

Eigentlich hatte ich irgendein herausgeputztes Fotostudio und irgendeinen künstlerisch angehauchten, halbseidenen Fotografen erwartet. Vor Vorurteilen bin ich eben auch nicht gefeit. Da war ich schon ziemlich verblüfft als ich mich einem gemütlichen, freundlichen Grafiker/Fotograf gegenübersah, der gleich unkompliziert zum „Du“ wechselte und noch während er mit mir und meiner Schwester plauderte, ganz nebenbei die Fotos schoss. Die Sache dauerte nicht länger als fünf Minuten, dann konnten wir schon wieder abzotteln. In meinem Fall tierisch erleichtert, es hinter mich gebracht zu haben.

Und das Foto? Also, ich habe ganz offensichtlich den Tick den Kopf leicht schräg zu  legen. Abgesehen davon ist mein Gesicht wirklich EXTREM schmal. Irgendwie sehe ich auf meinem Wahlfoto jetzt so aus wie eine halbverhungerte Hexe, die sich darauf freut, Hänsel zu verspeisen. Aber ich bin gerne Hexe. Man soll sich ja nicht verstellen.

Jetzt stehe ich einfach noch vor dem Problem, was für ein Wahlstatement ich dem Foto hinzufügen soll. Für was will ich mich eigentlich einsetzen? Für mehr Bildung? Ganz ehrlich, ich finde, man sollte sich vielleicht auch mal wieder Gedanken darüber machen, was für Bildung man vermitteln will, statt die ganze Zeit mehr Bildung zu fordern. Für mehr Ausgangsmöglichkeiten? Das wollen doch junge Politiker/Politikerinnen doch immer, aber ich geh so selten in den Ausgang, dass ich damit nichts Rechtes anfangen kann. Für mehr Fasnacht? Wäre ein cooles Anliegen, allerdings nicht besonders ernsthaft.

Andererseits: Why so serious?

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