Samstag, 21. Mai 2016

Beipackzettel zu "Goethes Leiden"



Goethe war eine Art Running Gag während meiner Ausbildung zur Buchhändlerin, da kaum eine Stunde verging, ohne dass mindestens einmal der Name „Goethe“ fiel, und nicht nur in Literatur und Deutsch, Goethe war einfach in jedem Fach ein beliebtes Beispiel, was auch daran lag, dass der gute Herr einen riesigen Fundus an geistreichen Zitaten zurückgelassen hat, aus dem man sich reichlich bedienen kann.

Jedenfalls ging der gute Herr mit dem übermässigen Selbstbewusstsein uns manchmal ganz schön auf dem Wecker. Mir eigentlich nicht so. Okay, Goethe war selbstverliebt, aber erstens hatte er ziemlich viel Grund dazu und zweitens finde ich den Kerl irgendwie cool. Ich hab mal eine Biografie von ihm gelesen und Goethe ist einer der wenigen berühmten Menschen, von denen man sagen kann: Er hatte ein richtig gutes Leben und er hat es genossen. Mir ist ein lebensfroher, selbstüberzeugter Autor lieber als ein weinerlicher, jammernder Autor, der von Selbstzweifeln zerfressen wird.

Die Idee des Textes trage ich schon eine Zeit lang mit mir rum, aber irgendwie fehlte mir das letzte Fünkchen Inspiration. Ich hab sie wieder aus der Schublade genommen, mit dem Hintergedanken, endlich wieder ein Filmzitat abzuarbeiten. Ich wollte was Schnelles, weil meine anderen Schreibprojekte nicht so richtig vom Fleck wollen. Deshalb habe ich ausnahmsweise nur in Dialogform geschrieben.

Ich hätte mir den Text witziger gewünscht, allerdings finde ich es immer schwer auf Kommando witzig zu schreiben. Mir sagen viele, ich hätte einen tollen Humor beim Schreiben und manchmal gibt es dann den Druck: Jetzt musst du was Lustiges schreiben. Nur funktioniert Humor selten auf Knopfdruck. Und wahrscheinlich versteht man den Witz ohnehin nur, wenn man „Die Leiden des jungen Werthers“ gelesen hat.

Nicht, dass ihr jetzt denkt, Verlage ticken so wie Maria Gilbert. Nicht, dass ich mal näheren Kontakt mit dem Verlagswesen hatte, aber ich bin sicher dort arbeiten sehr viele engagierte Menschen, die Literatur lieben.

Hauptsache ist doch: Ich hab endlich wieder ein Zitat geschafft!

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