Montag, 8. Februar 2016

Hinter den Kulissen des Clanum Mystericum Teil IV: Pleiten, Pech und Pannen




Plakette, welche Plakette?

Jeder der schon einmal an einer Bühnenproduktion beteiligt war, weiss, dass es einfach Dinge gibt, die schief gehen. Das macht ja meist den Reiz oder den Kick aus, wenn man vor Publikum steht. Im Gegensatz zum Film kann man nichts rausschneiden, die Zuschauer sehen alles ungefiltert. Aber nicht nur auf der Bühne, auch hinter den Kulissen kann einiges schief gehen.

Besonders weil der ganze Clanum aus kleinen Chaoten besteht. Wenn der eine nicht gerade etwas sucht, rennt mit Sicherheit gerade die andere hysterisch durch die Gegend. Handys und Schlüssel werden ebenso verlegt wie Perücken, Schminkzeug, Fächer oder Handschuhe. Auch Brieftaschen verschwinden gerne spurlos. 

Mit besonderer Hingabe verlieren wir jedes Jahr die Plaketten. Das ist ärgerlich, denn ohne Plakette kommen wir nicht an den Sicherheitsleuten vorbei und können gar nicht auftreten. Egal wo wir die Dinger hin räumen, an der Fasnacht stellen wir die ganze Wohnung auf dem Kopf auf der Suche nach ihnen. Bis jetzt haben wir sie aber glücklicherweise immer  gefunden.

Richtig ärgerlich ist es, wenn man wichtige Teile des Kostüms verliert. In einem Jahr musste ich einen Joint im Büstenhalter verstecken (natürlich nur aus Tee gedreht, nicht dass ihr denkt, wir verteilen Drogen) und im richtigen Moment herausziehen. Nur leider hatte das Teil die Angewohnheit in meinem Büstenhalter zu wandern, weshalb ich immer einige Minuten unseres Auftrittes damit verbrachte in meinem Ausschnitt rumzuwühlen – wahrscheinlich dachte das Publikum ich würde meinen Busen richten.

Ein anderes Mal waren wir kurz vor unserem Auftritt in Biberist und mangels einer besseren Garderobe zogen wir uns im Dunkeln auf dem Parkplatz um. Lucian trug,  damals als Faun eine flauschige Hose, die ihm jedoch ein bisschen zu lang waren, weshalb wir sie ihm mit Bändern hochgebunden haben. Und eben jene Bänder gingen auf jenen dunklen Parkplatz verloren, weshalb wir unsere Zeit vor dem Auftritt damit verbrachten, auf den Knien rutschend nach diesen verfluchten Schnüren zu suchen. Wir fanden sie, aber die Laune war nicht gerade die Beste, als wir schwitzend und gestresst vor dem ersten Lokal standen.

Hätte uns das vielleicht jemand sagen können?

Leider ist die Informationspolitik der Fasnachtsgesellschaften nicht immer die Beste, beziehungsweise ist den Verantwortlichen nicht immer ganz klar, dass der Teufel oft im Detail steckt. Es ist natürlich nett, wenn man uns einen Plan mit den zu besuchenden Restaurants schickt, allerdings wäre es noch netter gewesen, wenn uns jemand gesagt hätte, wie wir diese zu betreten hätten.

In unserem ersten Jahr trampelten wir dank dieses „Türproblems“ direkt in ein riesiges Fettnäpfchen. Frohgemut betraten wir das Lokal durch die Vordertür und wollten gerade zu unseren Versen schreiten, als uns ein Haufen empörter Fasnächtler zurief, wir sollen gefälligst von hinten reinkommen, wie die anderen Gruppen auch. Erst nach und nach begriffen wir, dass es in diesem Lokal üblich war, durch die Hintertüre zu kommen, damit die Leute uns Spalier stehen konnten. Eine total liebe Geste, der wir uns ja auch nicht bewusst verweigert hatten. Wir hatten es einfach nicht besser gewusst. Allerdings habe ich seit diesem Fehltritt das Gefühl, dass sie uns eine Spur reserviert begrüssen.

Wo wir gerade bei Türen sind: Die Lokaltüren werden meist von Securitys flankiert. Die guten Herren sind meist sehr lieb und freuen sich immer, wenn man mit ihnen ein Schwätzchen hält. Es gibt jedoch auch manche, die ihren Job gar ernst nehmen und denen man oft mit Händen und Füssen klar machen muss, dass man weder die Kasse klauen, noch auf der Toilette randalieren will, sondern einfach einen Auftritt hat. Egal ob man mit dem Instrument oder dem Helgenpräsentiergerät antrabt, die Securitys scheuen sich nicht, auch mal zuzupacken, wenn sie denken, dass man das Gasthaus stürmen will. Es empfiehlt sich also schon von weitem zu winken, mit der Plakette zu wedeln und zu rufen: „ALLES IM GRÜNEN BEREICH! WIR SIND EINE SCHNITZELBANK!“

Aber nicht nur Langenthal vergisst hin und wieder Details weiterzugeben. Dass es in Biberist üblich ist, Zettel mit den Versen zu verteilen und dafür einen kleinen finanziellen Zuschuss zu bekommen, teilte uns niemand mit, weshalb wir letztes Jahr notgedrungen unsere Kleber verteilten und das Geld in einem Hut sammelten (war übrigens ganz schön viel, damit konnten wir uns ein ganzes Essen leisten). 

Wo zum Teufel ist die Bühne?

Eine Schwierigkeit an der Fasnacht ist, dass man die Auftrittsorte nicht ausprobieren kann. Schliesslich kann man schlecht in ein Restaurant spazieren und erklären, man wolle jetzt seine Schnitzelbank durchproben. Zudem verändern manche Lokale ihre Bühnen auch von Jahr zu Jahr, was nicht immer ein Vergnügen ist, da man sich ständig an neue Bedingungen gewöhnen muss.

So stellt man in einem Lokal inzwischen eine riesige, stufenmässige Bühne hin, die ideal für eine Chordarbietung ist, für uns aber eine mittlere Katastrophe. Erstens mal können die zierlichen Clanum – Weiber mit hohen Schuhe kaum auf die Bühne kraxeln und zweitens, sieht man unsere Helgen so praktisch nicht. Uns fehlt auch der Kontakt zum Publikum. Ich persönlich hege den Verdacht, dass es bei dieser Bühne weniger darum geht, es den Schnitzelbanken zu erleichtern, sondern vielmehr darum, möglichst ungestört servieren zu können. Aber das ist jetzt nur eine Theorie, ich will niemanden was unterstellen.

Blöd ist auch, wenn man die Bühne gar nicht erst findet. Als wir in unserem ersten Jahr in einem Fasnachtslokal auftraten das über einen riesigen Saal verfügte, sahen wir nicht einmal WO wir aufzutreten hatten. Und als wir dann die Bühne endlich gefunden hatten, kam ein neues Problem dazu: Uns erschloss sich einfach nicht, WIE wir diese betreten sollten. Wir sahen keine Treppe. Also schluckten wir einmal schwer, rafften die  Röcke und krochen dann mehr auf die Bühne, als das wir sie betraten. Erst während des Auftritts sichtete Lucian die Treppe, so dass wir die Bühne schliesslich ohne Unfall verlassen konnten. Wobei das Publikum so laut und unaufmerksam war, dass es vermutlich gar niemanden aufgefallen wäre, wenn wir uns auf so spektakuläre Weise das Genick gebrochen hätten.

Des Kaisers neue Kleider

Natürlich gehört zu jeder Fasnachtsgruppe ein cooles Kostüm und dank unserer begabten Schneiderin werden diese von Jahr zu Jahr opulenter. Nur beinhaltet jedes Kostüm und jede Perücke so ihre Tücken, die es zu beachten gilt. Leider bemerkt man diese Tücken oft erst beim ersten Auftritt.

Der Ausschnitt zu meinem wunderschönen Dämonenkleid wurde von meiner Schwester  gar grosszügig bemessen, weshalb mir das Teil ständig über die Schulter rutschte. Ausgerechnet in diesem Jahr hatten wir unsere Tanzperformance, ich verbrachte meine Zeit auf der Bühne grösstenteils damit mein Dekolleté zu richten (ja, es war auch das Jahr mit dem Joint).

Aber auch Schminken ist nicht immer so einfach. Im grellen Scheinwerferlicht schmilzt so manche sorgfältig aufgetragener Lippenstift dahin und hinterlässt unschöne Spuren im Gesicht. Blöd ist auch, wenn der Lippenstift gar nicht erst hält. Für die erste Fasnacht wollten wir Lucian die Lippen blau schminken, aber egal was wir versuchten, die Farbe blieb einfach nicht haften und am Ende sah er eher aus wie ein trauriger Clown, als wie ein Zauberer.

Perücken sind natürlich sowieso nicht immer praktisch, denn unter der künstlichen Haarmähne schwitzt man sich nicht selten fast zu Tode. Meine Haare haben inzwischen eine Länge erreicht, wo es praktisch unmöglich ist sie unter eine Perücke zu stecken, deshalb entkomme ich dieser Pflicht meist. Dafür übernehme ich öfters das Feststecken der Perücken. Auch das ist eine Kunst für sich, denn schliesslich sollen die Haare nicht rutschen. Die beste Methode ist nach wie vor die Nadeln in die Kopfhaut zu rammen, was allerdings bei den männlichen Mitgliedern zu einigem Gekreische führen kann.   

Auch wenn die Perücke sitzt, kann es noch zu Katastrophen kommen. Unsere Oberhexe sucht sich mit Vorliebe sehr aufwendige und pompöse Perücke aus. Als sie sich als Engel verkleidete, übertrieb sie es allerdings mit ihrer Wahl. Die fast bodenlangen blonden Locken waren zwar eine Augenweide, allerdings waren sie ständig im Weg. Anziehen konnte sich die hohe Dame nicht mehr selbst, jemand musste ihr die Haare hochhalten, während ein anderer ihr den Mantel um die Schulter legte.

Noch schlimmer war allerdings, dass sich die Haare an allen möglichen und unmöglichen Orten verhedderten, mit Vorliebe an den Kleidern anderer Kostümierten. Sie wurde ständig abgeschleppt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Egal, solche und ähnliche Pannen gehören zu jeder Fasnacht. Wir freuen uns schon auf die Pannen in diesem Jahr. Und ich freue mich darauf, sie zu berichten. Brühwarm. Ich bin quasi mein eigener Enthüllungsjournalist!    


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