Mittwoch, 17. Februar 2016

Beipackzettel zu "Draussen ist Freiheit"


Die traurige Geschichte von Karoline beruht auf wahren historischen Tatsachen. Karoline ist niemand Geringeres als die jung verstorbene Dichterin Karoline von der Gründerrode. Ich bin einmal zufällig über sie gestolpert und ich fand ihre Lebensgeschichte sehr berührend. Eine aussergewöhnliche Frau, die, so wage ich jetzt mal zu behaupten, literarisch gesehen viel erreicht hätte, wenn sie nicht so früh freiwillig aus dem Leben geschieden wäre.

Karoline erlangte durch ihren Selbstmord und ihr aufregendes Privatleben Berühmtheit. Sie war nie verheiratet, hatte aber gleich zwei bekannte Liebhaber: Friedrich Carl von Savigny, ein bekannter Jurist und den Mythenforscher Friedrich Creuzer. Letzterer war für sie die grosse Liebe. Sie waren wohl so eine Art Seelenverwandte.

Da gab es nur einen Haken: Creuzer war verheiratet. Und wohl ein ziemlicher Waschlappen, denn während Karoline sich ein gemeinsames Leben erträumte, dachte er über eine Ménage à Trois nach (eine fürs Vergnügen und eine für den Haushalt). Das war damals eine revolutionäre Vorstellung, allerdings hatten alle Romantiker eine Schwäche für so wilde Verhältnisse (sie zogen sie aber äusserst selten wirklich durch).

Ich fand verschiedene Berichte wieso Creuzer sich schlussendlich für seine Frau und gegen Karoline entschieden hat. In der einen Biografie heisst es, er habe die Scheidung aufgeschoben, weil seine Freunde ihn vor Karoline gewarnt hätten, in der anderen wird erzählt, dass Creuzer schwer erkrankt ist und von seiner Frau gesund gepflegt wurde, worauf er ihr schwören musste, Karoline zu verlassen. So oder so, im Jahre 1806 bekam Karoline einen Abschiedsrief von Creuzer. Es heisst, er habe ihn nicht einmal selbst geschrieben. Hätte es Handys gegeben, hätte er wahrscheinlich das berühmte Schlussmach - Sms geschrieben.

Dennoch wäre es unfair, Creuzer die Schuld an Karolines Tod in die Schuhe zu schieben. Wer ihre Gedichte liest, trifft auf eine sehr kompromisslose Romantikerin, deren Vorstellung von Freiheit eng mit dem Tod verwoben war. Melancholie und Rastlosigkeit gehörten zu ihrem Wesen, ebenso wie ein unstillbarer Freiheitsdurst. Sie litt unter den festgelegten Rollenbildern, denn als Frau war sie eingeschränkter in ihrem Handeln, als es ein Mann gewesen wäre. Ihre Dichtungen veröffentlichte sie unter einem männlichen Pseudonym.

Letztendlich war es wohl eine Mischung aus Liebeskummer und Resignation darüber, nie die Freiheit zu haben, die sie sich so sehnlichst wünschte, die sie dazu brachte, den Dolch gegen sich selbst erheben. 

Lithografie von Schertle






 


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