Freitag, 22. Januar 2016

Gestatten: Isabella von Troubadix

Als Kind habe ich die Bühne geliebt und kaum eine Gelegenheit ausgelassen mich in den Mittelpunkt zu stellen irgendetwas zu präsentieren oder vorzuführen, sei es nun mit Schauspiel oder Bauchtanz oder was auch immer. Ich liebte Schultheater. Ich freute mich sogar auf Vorträge. Was eigentlich paradox ist, da ich im alltäglichen Leben jetzt nicht unbedingt als die selbstbewussteste Frau bekannt bin. Wahrscheinlich hat es etwas mit latent vorhandenem Narzissmus zu tun.

Ich würde niemals so weit gehen und behaupten, dass ich Talent habe (ist ja ohnehin schwer selbst zu beurteilen), aber ich habe Leidenschaft dafür. In andere Rolle schlüpfen finde ich fantastisch und wenn ich dabei noch andere Leute unterhalten kann, finde ich das gleich doppelt fantastisch. 

An irgendeinem Punkt habe ich aber die Lust daran verloren. In der Schule war ich ohnehin nicht sehr beliebt und meine Sucht nach dem Rampenlicht machte es nicht gerade besser. Und mit dem Spott kam die Unsicherheit. Etwas, was auf der Bühne nichts verloren hat. Dann besuchte ich einen äusserst schrägen Theaterkurs, der mich eher verstört, als aufgebaut hat. Und schliesslich verschwanden Kostüme, Bauchtanztücher und selbstgeschriebene Texte. 

Bis ich an der Fasnacht 2012 quasi wieder auferstand und meine Freude an der Bühne wiederentdeckte. Eine kleine Unsicherheit blieb jedoch immer noch. Und zunehmend Ärger darüber. Als Kind war es mir total egal, wie ich aussehe oder wie ich wirke, sobald ich eine Bühne betrat, war ich frei. Mit dem erwachsen werden, ist das irgendwie verschwunden. Aber ich will es wieder haben!

Einen ersten Schritt habe ich schon gemacht: Als Minnesängerin habe ich meinen Kirchenchor besucht, inklusive Kostüm und französischem Akzent. Und es hat sooo Spass gemacht! Natürlich war es auch ein Heimspiel, denn wenn man das Publikum kennt und mag, pfeifen sie dich auch nicht aus, selbst wenn du schlecht bist. Ich gehe jetzt aber doch davon aus, dass die Komplimente ehrlich gemeint waren.

Den Text will ich euch nicht vorenthalten, auch wenn Nicht - Kirchenchörler wahrscheinlich nicht so viel damit anfangen können. Aber hey, ein Neujahrsvorsatz war, mehr zu bloggen, da muss ich schon noch einen Zahn zulegen und euch auch ein wenig mit Privatkram belästigen.


Eine Ballade

Meine edlen Herren, meine edlen Damen,
Ich hoffe, Ihr konntet an Speis und Trank Euch laben,
Denn zu einem Fest gehört nicht nur Weib, Gesang und Wein,
Auch die Poesie soll in unserer Mitte sein.
Mein Berufsstand ist leider in Vergessenheit geraten,
Vielleicht habt ihr ihn trotzdem erraten!
Als Minnesängerin fahre ich durchs Land,
Und werde Isabella von Troubadix genannt.
Singen leider nicht meinen Stärken entspricht,
Dennoch erfülle ich an euch selbstverständlich meine Minnepflicht!

Nun wurde mir aufgetragen,
Ich soll als Erstes was zu den Bässen sagen!
Doch was soll ich schon von denen berichten,
Die stets so getreu ihren Dienst verrichten.
Die mit ruhigem Wesen und tiefen Stimmen,
Auf so wunderbare Weise singen!
Ihr seid stramm und stark wie ein Bär,
Und haltet, was nur versprechen die Tenör‘!

Dennoch will ich es nun wagen,
Eine winzige Kleinigkeit zu beklagen!
Gewiss singt ihr schön und stets perfekt,
(In letzter Zeit habt ihr gar das Piano entdeckt),
Doch obwohl es heisst die Frauen würden nie verstummen,
Sind es doch die Bässe, die überall mitsummen!
Vergesst nicht, ein Gentleman geniesst und schweigt,
Wenn der Dirigent anderen Stimmen den Befehl erteilt!

Kommen wir zum Sopran, besetzt mit zauberhaften Grazien,
Welche die Kirche mit holdem Gesang erfüllen,
Euer Können dürft ihr in den Hauptmelodien zeigen
Und dabei in wahrlich schwindelerregende Höhen steigen!
Dabei seid ihr stets perfekt gekleidet und frisiert,
Auch durch euren Liebreiz ihr die Empore ziert!


Doch so süss die Stimme, so zart die Gestalt,
Die scharfen Zungen machen vor niemanden Halt!
Fürchtet den Sopran und ehret ihn sehr,
Ihrem Spott entkommt ihr sonst nimmermehr!

Den Alt wollen wir hier natürlich nicht vergessen,
Gehören sie doch zweifellos zu den Besten!
Von allen Stimmen sind sie die Treuesten,
Und zweifellos auch die Fleissigsten.
Sie sind die grossen Damen im Hintergrund,
Und ohne sie läuft es einfach nicht rund.

Ihr Selbstbewusstsein ist unerschütterlich,
Für den Dirigenten nicht immer vergnüglich,
Denn sie scheuen sich nicht zu ermahnen,
Wenn Chorleiter oder Sänger über die Stränge schlagen!

Wir sind noch nicht am Ende, denn zu jedem guten Chor,
Gehört bekanntlich ein guter und mächtiger Tenor,
Und ihr zählt zweifellos zu den besten dieser Art
Mit schönen Stimmen weich, ja beinahe zart!
Dabei müsst ihr Armen viel ertragen,
Trillert ihr doch stets in den höchsten Lagen!
Doch tut ihr dies stets tapfer, ohne viel Gestöhne,
Und trefft auch die schwierigsten Töne!

Doch Genies sind bekanntlich immer empfindsam,
Im Umgang mit ihnen, ist man stets behutsam!
Andere Stimmen werden aufgefordert zu singen,
Tenöre gebeten doch zu erklingen!
Dennoch bin ich nicht um einen frechen Spruch verlegen,
Ich möchte hier doch noch erwähnen,
Schwatzen zwischendurch ist auch bei anderen Stimmen beliebt,
Aber man sollte schon wissen, welche Stelle man gerade übt!
Mir wurde einst im Vertrauen zugeraunt,
Es werden keine Dirigenten vergrault!
Denn man kann nur so schön musizieren,
Wenn weise Männer dirigieren,
Und weil Fortuna in Geberlaune war,
Besitzt ihr ein solches Exemplar!
Mit feinem Witz und viel Emotion,
Sorgt er stets für Stil und richtige Intonation.

Obwohl von Natur aus geduldig und voller Sanftheit,
Setzt er sich durch mit Entschlossenheit!
Und sollt sich jemand tatsächlich getrauen,
Ihm mit Stöckelschuhen die Show zu versauen,
Dann wird der sonst so weiche Blick auf einmal scharf,
Denn niemand die Schönheit des Gesangs stören darf!

Fast so wichtig wie der Dirigent ist der Organist,
Wobei Eurer wirklich allererste Sahne ist!
Es gibt viele Musiker die schön spielen,
Die sich mit ihrem Talent gar Preise verdienen,
Aber nur einer sich zusätzlich Höflichkeit und Charme bewahrt,
Und das ist Euer allseits bekannter Bruno Eberhard!

Doch wenn ein Mann zu den Besten zählt,
Wird sein Geist meist von einer klugen Frau erhellt,
Ehre hier, wem Ehre gebührt,
Hildegard ihren Mann mit Weitsicht führt!
Gerüchte sagen, wenn sie mal nicht zur Stelle ist,
Er prompt seine Noten zuhause vergisst!
Liebe ist, wenn die Frau mal kräftig schimpft,
Den Mann aber dann doch wieder in die Arme nimmt.

Kaum habt ihr meine klugen Worte vernommen,
Wird schon wieder Abschied genommen,
Ich hoffe, all Eure Träume werden wahr
Und ich wünsche euch ein frohes neues Jahr!
Und sucht ihr mal sprühenden Humor und einen guten Witz,
Dann ruft nach mir – Isabella von Troubadix!


 
Das Kleid der holden Isabella von Troubadix






 

    

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