Montag, 24. August 2015

Vom Unglück eine Frau zu sein




Anmerkung: Ernst nehmen auf eigene Gefahr;-)


Eine Frau zu sein ist so schwer, dass nur eine Frau damit fertig werden kann, sagte einst der Philosoph Sören Kierkegaard.  Jetzt, rund 130 Jahre später, ist es nicht leichter geworden Brüste und eine Vagina zu haben, im Gegenteil. Inzwischen kommt man als moderne  Frau ernsthaft in Versuchung das Handtuch zu werfen, sich in eine Nonnenkutte zu werfen und in ein Kloster zu ziehen, wo man noch so erheiternde Dinge tun kann wie beten, kochen oder putzen, ohne von Emanzen in einen Chefsessel gezerrt oder von Männern besabbert zu werden, als sei man das letzte Stück Speck auf einem rein von Salat bewachsenen Planeten.

Ja, es ist wahrlich nicht leicht heutzutage eine Frau zu sein. Vorbei die Zeiten, in denen man sich nur hübsch anzuziehen brauchte, um sich auf einem Ball einen Mann zu angeln. Vorbei die Zeiten, in denen man bei Abendgesellschaften nur nett zu lächeln brauchte, da ohnehin niemand einen klugen Beitrag zum Thema erwartete. Vorbei die Zeiten, in denen der Intelligenzquotient einer Frau noch daran gemessen wurde, wie oft es ihr gelang ihre Gebärmutter zu bevölkern. Vorbei die Zeiten in denen man sich bei langwierigen politischen Diskussionen noch in die Küche verschwinden konnte, natürlich mit dem charmanten Hinweis, man sei ja nur eine Frau und verstehe ohnehin nichts von solchen Dingen.

Gewiss wird sich beim Lesen dieser Zeilen manche Lady innerlich ereifern und bevor sie sich geifernd in die Tasten stürzen meine Damen, sei gesagt: Es ist mir durchaus bewusst, dass es uns Frauen in der Vergangenheit nicht gerade gut gegangen ist. Wir wurden verfolgt, verraten, verbrannt, verkauft, verflucht, verheiratet, vergewaltigt und verleumdet (die Liste lässt sich ins Unendliche fortsetzen). Aber die eigentliche Frage ist doch: Geht es uns jetzt wirklich besser?

Seit die Männer entdeckt haben, dass Frauen nicht nur schönes Haar auf dem Kopf sondern sogar ein funktionierendes Hirn im Kopf haben, sehen sie das als Anlass ihre ohnehin nur gering vorhandene Denkfähigkeit ganz an uns abzutreten, während sie sich geniesserisch zurücklehnen. Der Begriff Powerfrau ist zu einem Schlagwort der modernen Zeit geworden. Dieses Wort wurde gewiss von einem Mann erfunden, der sich dachte: Hm, warum soll meine Frau einfach nur den Haushalt machen und die Kinder erziehen, wenn sie doch gleichzeitig auch noch das Geld verdienen kann? Und gleichzeitig auch noch eine Sexgöttin sein kann? Und gleichzeitig auch noch der persönliche Seelenklempner sein kann? Und all das zusammengemixt ergibt dann die berühmt berüchtigte Powerfrau. Oder anders gesagt: Sie ist eine Art weiterentwickeltes Pokémon, im Grunde zwar immer noch die Dienstmagd ihres Mannes, aber mit ein paar cooleren Attacken.

Denn ja meine Damen mit der Emanzipation haben wir uns ein riesiges Ei gelegt. Was haben wir damit erreicht? Ja, wir haben erreicht, dass wir nicht mehr unterschätzt werden. Stattdessen werden wir überschätzt. Die Rollen, die eine Frau inzwischen ausfüllen sollte sind so zahlreich und vielfältig, dass nicht einmal Morgan Freeman alle spielen könnte.

Die beliebteste Rolle ist zweifellos die der liebenden Mutter; jene Rolle, die in Büchern, Filmen und Theaterstücken so oft beschworen worden ist, dass die Klischees förmlich aus ihr raustriefen. In jeder Frau schlummert eine Mutter, die zur Löwin werden kann, wenn es um die Rettung von Kindern geht, zumindest ist dieses Bild fest in den Köpfen der Menschheit verankert. Tatsache ist aber: Die Natur hat es nun einmal so eingerichtet, dass nur Frauen Kinder gebären können. Das ist weder eine Begabung noch ein Privileg sondern einfach eine Tatsache.

Das bedeutet aber nicht, dass jede Frau einfach automatisch sofort einen Draht zu Kindern hat. Nein, es ist nicht so, dass man ein schreiendes Baby einfach so in die Arme einer Frau legen kann und die dann automatisch weiss, wie man es wieder beruhigen kann. Schliesslich kann auch ein Mann nicht einfach jedes kaputte Auto reparieren. Es ist auch nicht so, dass jede Frau beim Anblick eines Kindes entzückt aufschreit und es gleich an ihren Busen drückt. Dennoch, als Mann ist es völlig in Ordnung zu sagen, man wolle keine Kinder, kommt diese Aussage jedoch aus dem Mund einer Frau, sorgt dies für etwa dieselbe entrüstete Reaktion, als hätte man enthüllt man ziehe in seiner Freiheit gerne Welpen das Fell ab. Eine Frau, die keine Kinder haben kann wird bemitleidet. Eine Frau, die keine Kinder haben will, misstrauisch beäugt.

Und haftet Frauen, die sich – aus beruflichen oder sonstigen Gründen – gegen ein Kind entscheiden, nicht immer noch der Ruf an, sie seien gefühlskalt? Eine Mutter dagegen ist warmherzig, liebevoll und weise; mit klugem Rat leitet sie ihre Kinder und gewährt ihnen Schutz und Obdach. Es hat schon seinen Grund wieso in den Märchen die Mütter relativ früh ins Gras beissen und die bösen Stiefmütter übernehmen. Eine bösartige Mutter mag sich so recht niemand vorstellen.

Selbst erfolgreiche Politikerinnen werden oft auf ihre gutmütige Mamirolle reduziert. Angela Merkel, die auch rein optisch perfekt in dieses Bild passt, wird ebenfalls reichlich damit bedacht und deswegen oft bespöttelt, obwohl sie tausendmal bewiesen hat, dass sie wenn es  drauf ankommt schwierige Entscheidungen nicht nur treffen, sondern auch durchziehen kann. Und spätestens seit der Griechenlandkrise sollte jedem aufgefallen sein, dass Merkel trotz ihres ausladenden Busens eher eine Amazone, als eine Mutti ist.

Fast so beliebt wie die Mutterrolle ist die Rolle der unschuldigen Jungfrau. Bereits hier zeigt sich, dass eine Frau gar nicht alle Rollen ausfüllen kann. Ich meine, wie soll man Jungfrau und zugleich Mutter sein? Die Einzige, die das geschafft hat war Maria. Und selbst sie hatte göttlichem Beistand (also eigentlich ist sowieso alles Marias Schuld? Wieso muss ausgerechnet die wichtigste weibliche Figur der Bibel so perfekt sein?).

Die unschuldige Jungfrau ist das Sinnbild von Weiblichkeit. Sie ist lieb, sie ist sozial, sie ist sanft, sie ist gut und sie ist rein. Sie pflegt den verwundeten Helden und spricht ihm Mut zu. Sie ist am Ende des Abenteuers die Belohnung für den tapferen Recken. Sie streitet sich nicht, sie wehrt sich nicht, duldsam lässt sie alles Böse über sich ergehen, bis sie gerettet wird.

Ach, das kommt doch aus dem Mittelalter, mag man jetzt sagen. Nein. Oder ist euch noch nie aufgefallen, dass die taffen, selbstbewussten Mädels, die ihre Probleme selbst lösen können oft mehr Schwierigkeiten haben einen Typen zu finden, als jene Mädchen, die zerbrechlich durch die Welt wanken und gerne mal in Ohnmacht fallen? Männer mögen es den Helden zu spielen. Wer will schon eine Prinzessin, die den Drachen einfach selbst erlegt, statt zu warten bis der Prinz das erledigt.

Man will auch keine Prinzessin, die Flüche ausstösst, Witze reisst oder literweise Bier in sich reinschüttet. Eine Frau hat nicht schlüpfrige Bemerkungen zu machen oder einem Mann hinterher zu pfeifen. Das schickt sich nicht für eine Dame, wie man so schön sagt. Was bei Männern witzig ist, ist bei Frauen vulgär. Wenn ihr mir nicht glaubt, erzählt man so einen richtig dreckigen Witz in Gesellschaft von Männern. Mal sehen wie viele Lacher ihr erntet.

Das Problem mit der Jungfrau ist: Keine Frau ist von Grund auf rein und unschuldig, schliesslich sind auch Frauen nur Menschen. Es ist ein Idealbild das Frau niemals erreichen kann und niemals erreichen wird. Und doch ist es so fest verankert in den Köpfen der Männer, dass man es ihnen vermutlich mit einem Vorschlaghammer aus dem Hirn schlagen müsste um es endlich loszuwerden.

Eine weitere Rolle, welche die Frauen heute ausfüllen muss, ist die der schönen Verruchten. Es reicht nämlich nicht mehr eine brave, wohlerzogene Mutter zu sein, oh nein! Man muss auch schön sein. Und weil nun mal nicht jeder Mensch von der Natur mit körperlichen Vorzügen gesegnet ist, hat frau sich mit Dingen wie Wachsstreifen, Gurkenmasken und Bräunungscreme herumzuschlagen. Sie hat sexy zu sein, verführerisch zu sein und zugleich das geheimnisvolle Flair eines Bond – Girls zu verströmen.

Dass Frauen nicht mehr nach ihrem Aussehen beurteilt werden,  ist natürlich Blödsinn. Als Hilary Clinton sich offiziell als Kandidatin für das Amt als Präsidentin der Vereinigten Staaten bewarb, erschienen in der Zeitung keineswegs Artikel über ihre beeindruckende Laufbahn, stattdessen zerrissen sich die Journalisten das Maul über die sich verändernden Frisuren der First Lady. Die Ansprüche der Männer sind im Laufe der Jahrhunderte eher noch gestiegen, denn dank Fernsehen und Zeitschriften wissen sie ja jetzt wie eine Frau aussehen könnte. Waren das noch Zeiten als die Konkurrenz noch in einer Horde Mammutdamen bestand!

Aus Büchern und Kolumnen von Feministinnen haben die Männer dummerweise nicht mitgenommen, dass man Frauen nicht unterdrücken soll. Stattdessen haben sie sich gemerkt: Jede Frau hat eine Sexgöttin in sich. Vorbei die Zeiten, als man sich in der Ehe noch mit langweiligen Sex begnügte, jetzt erwartet man, dass sich jede Frau im Bett in ein wildes, hemmungsloses Tier verwandelt. Noch schlimmer, sie soll dabei Stellungen einnehmen, für die man entweder Knochen aus Gummi bräuchte oder eine Barbie sein müsste. Dass nicht jede Frau sich nach abstrusen erotischen Abenteuern sehnt, geht komplett unter. Sie hat eben aufreizend, provokativ und – natürlich – schön zu sein.

Die perfekte Frau ist also eine Mami, die unter ihrem reinen weissen Kleid Strapsen trägt und ihren Mann mit einem Kuchen in der einen und der Peitsche in der anderen Hand in ihren Heim willkommen heisst. Da wünscht man sich doch glatt das Mittelalter zurück. Wenn die Ansprüche an Frauen schon im Mittelalter so hoch gewesen wären, wären vermutlich bedeutend mehr freiwillig ins Hexenfeuer gehüpft. Brennen kann schliesslich jeder.






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