Samstag, 27. Juni 2015

E - Mail an: Den Musikantenstadl

Anmerkung: Bei uns zuhause gibt es eine eiserne Regel: Die Fernbedienung gehört meiner Mutter! Und so kam ich schon früh in den Genuss aller jemals gesendeten Schlagersendungen. Das war bei Gott nicht immer eine Freude. Besonders verhasst war mir lange Zeit das Musikantenstadl, aber mit zunehmenden Alter, fand ich es dann nicht mehr ganz so schlimm. Nun wird der Sendung ein neues Konzept auferlegt und der Moderator ausgetauscht. Gegen unsere schweizeigene Dramaqueen Francine Jordi. Erneut kann man nur den Kopf schütteln, über den Umgang mit "älteren" (wohlgemerkt: der Moderator ist 54!) Menschen. Das muss man doch einfach eine gehässige Mail schreiben!  

Liebes Musikantenstadl - Team!

 

Seit Jahren schaue ich diese Sendung. Nicht unbedingt freiwillig, sondern weil meine Mutter mich dazu zwang und selbst meine Zimmertüre den Klängen von "Jetzt ist Stadelzeit" nicht standhalten konnte. So haben ich und die Sendung schliesslich zu einer halbwegs friedlichen Co - Existenz gefunden uund so kenne ich jetzt nicht nur alle Schlagersänger, sondern kann auf Fasnachtspartys auch alle Lieder mitgrölen, nicht unbedingt zur Freude meiner Begleiter.

 

Und offenbar sind wir doch noch so etwas wie Freunde geworden, der Stadl und ich. Denn als ich hörte, dass das Konzept geändert wird, war ich einigermassen entsetzt. Der Stadl ist doch der Stadl. Und ein Stadl ohne sympathischen, bodenständigen Moderator ist wie die Bibel ohne Jesus. Irgendwie nicht vollständig.

 

Statt dem gemütlichen und freundlichen Andy Borg soll jetzt Francine Jordi übernehmen. Ich kenne die Dame nicht, kann mir also kaum ein persönliches Urteil über sie erlauben, aber irgendwie glaube ich nicht, dass die Wahl dieser Moderatorin viel mit ihrer Kompetenz zu tun hat, sondern viel mehr mit ihrer Fähigkeit ihren schlanken Körper vorteilhaft in schönen Kleidern zu präsentieren.

 

Die Botschaft ist klar: In Fernsehen gibt es keine Falten, kein Alter, keinen Bierbauch. Es gibt grundsätzlich nur schlanke, schöne und junge Menschen. Das ist der Pfad, der uns in die totale Wegwerfgesellschaft führt. Alles was alt und gebraucht ist, wird achtlos weggeschmissen und durch etwas Neues ersetzt.
Das ist nun mal die Show, mag man jetzt hochmütig sagen. Ja. Aber wenn es bei einem Format geschieht, dass Fröhlichkeit und Zusammenhalt zelebriert, ist das erschreckend.
 
Andy Borg hat keinen Adonis - Körper, aber er hat Witz. Und er lebt für die Volksmusik. TV - Grössen wie Günther Jauch, Thomas Gottschalk, Stefan Raab oder Hape Kerkerling: Keiner von ihnen ist die klassische Schönheit. Aber sie haben Charisma. Süss in die Kamera lächeln und mit den Hintern wackeln kann jeder. Andere zum lachen zu bringen, ist schwerer. Sie dazu zu bringen sich zwei Stunden lang Volksmusik anzuhören ist richtig schwer.
 
Nun, es wird Sie kaum interessieren. Ich bin jung, ich bin also angeblich das Zielpublikum. Ich sehe nicht ein, warum ich einschalten sollte, wenn man so respektlos mit einem verdienten Mitarbeiter umgeht. Glauben Sie wirklich, junge Menschen wollen nur junge Menschen sehen? Wenn ich dieses Bedürfnis verspüre, gehe ich mit meinen Freundinnen aus, dann setz ich mich nicht vor den Fernsehen.
 
Vergessen Sie nicht, dass auch Sie einmal alt werden. Vielleicht denken Sie an Andy Borg, wenn Ihnen Ihr Chef sagt: Es tut mir Leid, du passt nicht mehr in unser Konzept. Du bist nicht mehr jung genug. Aber wahrscheinlich denken Sie nicht daran, denn bis dahin ist Ihr Kopf so vollgestopft mit Quoten, dass Sie nur noch Zahlen ausspucken können.
 
In diesem Sinne: Auf ewig Adieu, du lieber treuer Feind!



PS: Meine Mutter wird sich die Sendung nicht mehr ansehen. Dafür sollte ich vielleicht noch Danke sagen, aber irgendwie hat es doch einen fahlen Beigeschmack.  

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