Freitag, 8. Mai 2015

Die letzten Tage im Modelzirkus



Ja, leider sind wir bald am Ende unserer grossen Reise angekommen, denn jetzt geht es um die Wurst!  Oder besser gesagt: Um das Modelkrönchen. Denn jetzt geht es um nichts Geringeres als um den Einzug ins HALBFINALE von Germanys next Topmodel! Und nur fünf Mädchen können in das HALBFINALE kommen! Und wer ins HALBFINALE kommen will, der muss wirklich alles geben! Denn nur die besten kommen ins HALBFINALE! Natürlich steigt der Druck kurz vor dem HALBFINALE und die Nerven der Mädchen liegen blank!

„Das ist ein Rasierer…“

Als Erstes wird Kiki ordentlich verabschiedet. Die sympathische Österreicherin wird doch noch dafür belohnt Publikumsliebling und Stimmungsgranate gewesen zu sein. Sie darf mit Heidi ihre geliebten Spinatknödel kochen. Natürlich geht es der Klum dabei vor allem drum, demonstrativ vor der Kamera zu essen, damit niemand auf die Idee kommt ihre Magermodels zu kritisieren. Das verstehen auch alle Mädels und stopfen sich brav mit der dekadenten Speise voll. Nur Darya rafft es natürlich wieder einmal nicht und beschwert sich lauthals darüber, dass Kiki schon wieder eine Sonderbehandlung bekommt.

Es folgt das obligatorische Gillette Casting. Die Mädchen ziehen sich allesamt hässliche, schlecht sitzende Blusen an und spielen auf total natürliche Weise, total natürliche Szenen. Oder versuchen es zumindest. Während Katharina, Vanessa, Anu, Jüli und Ajsa die Aufgabe spielerisch und mit überraschend viel Humor lösen, scheitert Lisa an ihrer Unsicherheit. Mit grossen Kuhhaugen sitzt sie da, während ihr Schauspielpartner ungefähr so hilfreich ist wie ein Stück Käse.

Und Darya? Der Kunde spricht das aus, was die Jury noch nie gesehen hat. Ihre gezierte und übertriebene Performance wird von den Kunden mit einem kopfschüttelnden: „Das ist meilenweit von Glaubwürdigkeit entfernt.“ Man möchte ihnen applaudieren für diese Erkenntnis. Eigentlich wäre das ein gutes Motto für die nächste Staffel.

Am Ende bekommen Vanessa, Anu und Katharina den Job. Letztere meint, sie sei vielleicht wegen ihrer blonden Haarpracht genommen worden, was die ebenfalls goldhaarige Darya dazu veranlasst boshaft in die Kamera zu zischen: „Wenn sie glaubt, sich kann sich hier als die Blondinnenanführerin aufführen, hat sie sich aber geschnitten!“

Offenbar sind wir im Krieg, wenn wir schon von Blondinnenanführerinnen (geiles Wort) reden.

Für den witzigsten Moment sorgt allerdings Anus Mutter. Nachdem ihre Tochter ihr aufgeregt am Telefon erzählt hat, dass sie jetzt für Gillette werben darf, weiss diese gar nicht wofür ihre Tochter jetzt genau wirbt, bis Anu schliesslich sichtlich entnervt erklärt: „Das ist ein Rasierer. Das benutzt du auch.“

Oh mein Papa! War eine wunderbare Clown…

Nachdem wir also geklärt haben, für was die Mädchen eigentlich genau werben, geht es zum nächsten grossen Fotoshooting. Beziehungsweise: Es ist das LETZTE grosse Fotoshooting, dieser Staffel. Und das findet passenderweise in einer wunderbaren Zirkuskulisse statt. Passend, weil wir ja nun Woche für Woche Zuschauer im Heidi Klum Zirkus gewesen sind.

Eins muss man Kristian Schuller aber lassen: Die Bilder, die er schiesst, sind wirklich schön. Die Mädchen werden als melancholische Zirkusprinzessinnen inszeniert, in wunderschönen Kostümen und wunderbar geschminkt. Nur Jüli zieht die Arschkarte und darf in einem gepunkteten Teppich gehüllt, einen Leoparden mimen. Heidi Klum kritisiert dabei ihren Gesichtsausdruck. Man weiss ja auch, dass Raubkatzen für ihre äusserst lebendige Mimik bekannt sind.

Auch Anu und Lisa haben Mühe mit dem Shooting. Statt ihnen zu helfen, werden sie gnadenlos kritisiert und weiter runtergezogen. Letzterer werden die Anweisungen auf Englisch gegeben, obwohl sie die Sprache schlecht spricht und fast noch schlechter versteht. Anu dagegen fühlt sich in der Höhe sichtlich nicht wohl und klammert sich mit verkrampften Lächeln an ihrem Schirm.
Schliesslich muss man ihnen noch einmal ordentlich Druck machen. Andere Mädchen haben es da leichter. Ajsa muss nur auf einer Schaukel sitzen und hübsch lächeln. Vanessa darf sich auf ein Rad schwingen und macht eigentlich auch nicht viel, ausser den Assistenten harsche Anweisungen zu geben, wie sie ihre Arbeit zu machen haben. Genau das finden Kristian und Heidi aber toll. Schliesslich sind Arroganz und Eingebildetheit wichtige Voraussetzungen für ein Leben als Model.

Mit letzteren Eigenschaften hat vor allem Vanessas beste Freundin Darya die Jury immer wieder überzeugt. Sie stellt sie auch gleich wieder unter Beweis, indem sie wieder über Kristians Arbeit lästert und erklärt, sie lasse sich von ihm nicht verbieten, die Fotos so zu schiessen, wie sie es will. Denn niemand in der ganzen Welt wagt es, ihr zu widersprechen! So zieht sie ihre hohen Schuhe einfach aus, obwohl der Fotograf ihr dies eigentlich untersagt hat.

Genau das machen Models schliesslich. Sie sagen, wie sie das Bild haben wollen und die Fotografen, Kunden und Designer, richten sich dann selbstverständlich nach ihren Wünschen. Wenn Darya einmal ein Kleid anziehen muss, dass ihr nicht zusagt, wird sie wahrscheinlich selbst zur Schere greifen und es kurzerhand selbst umdesignen.

Aber auch ihre beste Freundin kommt schlecht weg. Die werde nur deshalb immer so gut bewertet, weil sie der Liebling von Kristian sei, schmollt sie. Ja. Es kann natürlich nicht sein, dass Vanessa einfach besser ist als sie.

Die Superzicke

Darya benimmt sich inzwischen dermassen unmöglich, dass es eigentlich nur drei Möglichkeiten gibt.

Erste Möglichkeit: Sie hat den Ring der Macht gefunden und wird jetzt von ihm manipuliert. Dafür spricht ihre immer manischer werdende Art („War ich die Beste? War ich die Beste? WAR ICH DIE BESTE“). Dagegen spricht, dass sie noch nicht aussieht wie ein vertrockneter Gremlin und auch noch nie „Mein Schatz“ gezischt hat. Und Ringgeister hat man auch noch keine gesehen.

Zweite Möglichkeit: Sie wird vom Sender bezahlt sich so zu benehmen. Diese Theorie kursiert bereits seit geraumer Zeit im Internet. Dafür spricht viel, denn Darya ist eigentlich nicht wirklich dumm zu nennen (zumindest ist sie in der Lage, ihre Schuhe selber zu binden), dennoch widersprich sie sich mit ihren Äusserungen ständig selbst und macht sich bewusst zur unbeliebtesten Kandidatin der Staffel. Dafür nimmt sie Shitstorms und lebenslange Ächtung im Kauf. Warum sollte jemand freiwillig innerhalb weniger Wochen sein soziales Ansehen dermassen zerlegen, wenn er nicht dick dafür bezahlt wird?

Dritte Möglichkeit: Sie ist einfach nur ein verwöhntes Gör, dem noch nie jemand bewusst gemacht hat, dass man Worte die einmal gesprochen worden sind, nicht mehr zurücknehmen kann und dass es auch noch andere Menschen auf diesen Planeten gibt, die ebenfalls ihre eigenen Gefühle und Gedanken haben. Aber wie soll sie das auch wissen? Sie ist ja mit Castingsshows aufgewachsen, die suggerieren, dass sich jeder selbst der Nächste ist und dass man für seine Träume auch mal auf anderen rumtrampeln darf.

Aber der Zuschauer wird auch gezwungen Darya unsympathisch zu finden. Keine andere Kandidatin wird so oft interviewt und vor die Kamera gezerrt wie sie. Sie bekommt mehr Sendezeit als jede andere und darf richtig schon lästern. Das sich die anderen Mädchen eigentlich sehr gut verstehen, gemeinsam lachen und sich füreinander freuen, das wird diese Staffel konstant ausgeblendet. Je mehr Streit, desto mehr Quote, so scheinen die Sendemacher zu rechnen und übersehen dabei völlig, dass es nicht für den Zuschauer ermüdend ist, sondern auch für die Mädchen, die sichtlich erschöpft von dem ständigen Nachbohren und Wühlen in den Streitgesprächen sind.

Image? Kann man das essen?

Während Katharina, Vanessa und Anu ihren Job gewohnt gut meistern (natürlich ist kein Kunde jemals unzufrieden mit den Leistungen des gebuchten Mädels), müssen die übrigen vier zum Interviewtermin antraben. Das freut sie natürlich, denn sie beschäftigen sich ja schon seit Wochen mit sich selbst und ihrem grossen Ziel: Berühmt zu werden.

Die sonst so kecke Darya redet sich um Kopf und Kragen, gibt grundsätzlich dämliche Antworten und setzt dem ganzen Fiasko auch noch die Krone auf, als sie meint, sie sei Germanys next Topmodel, weil sie sich gut ausdrücken kann. Ihr Arsenal an Fluchworten ist zwar zugegebenermassen beeindruckend, allerdings müssen Models ja jetzt doch eher selten grosse Reden beim Bundestag schwingen.

Die anderen Kandidatinnen schlagen sich eigentlich ganz annehmbar. Jüli gibt sich wie sie ist: Schüchtern und nachdenklich. Ajsa überrascht mit viel Humor und Schlagfertigkeit. Lisa ist bemüht alles richtig zu machen. Aber natürlich ist das Interview nur gespielt, im Hinterzimmer sitzen Wolfgang und Thomas, die sich sichtlich amüsieren. Gerade bei Ersterem beschleicht einem das Gefühl, dass er dieses Jahr nur mitmacht, um sich darüber lustig zu machen, dass naive Mädchen versuchen den Olymp zu erklimmen, auf dem er schon lange hockt.

Die nächste Übung folgt auf dem Fuss. Jetzt müssen die Models Roter Teppich spielen. In einem Kleid, designt von Wolfgang Joop, natürlich, denn andere Designer gibt es nicht. Was daran schwer sein soll, einem Teppich entlang zu gehen und zu lächeln, erschliesst sich mir zwar nicht, offenbar ist es aber Schwerstarbeit, wenn man dafür stundenlang üben muss.

Am Ende ist es Lisa, welche die Aufgabe am besten löst. Als Belohnung darf sie Wolfgang Joop auf eine Party begleiten. Dieser nutzt die Gelegenheit und stellt das schöne blonde Model als seine Muse vor. Wenn ich mir die ‚Kleider‘ so ansehe, sollte er sich schleunigst eine andere suchen.

Goodbye!

Nach dieser ach so spannenden und aufregenden Woche kommt schon wieder der Entscheidungstag. Hurra. Und weil man schon wieder so böse, böse Gerüchte über Magersucht vernommen hat, wird just noch das kurvige Model  Kate Upton eingeflogen, die mit in der Jury sitzt und den Mädels noch einmal zeigt wie man ordentlich mit dem Hintern wackelt.

Das geht dann allerdings ziemlich schief. Auf hohen Haken stelzen die Mädchen gewohnt elegant vor die Jury und rutschen reihenweise aus. Der Grund dafür sind silberne Konfetti die plötzlich vom Himmel fallen und auf dem Boden kleben. Die sind verflucht glatt. Offenbar wollen die Jury die Mädchen dezimieren, indem sie einfach dafür sorgen, dass sie sich die Beine brechen. Bei Lisa gelingt das fast. Sie stürzt tatsächlich.

Lisa ist auch die, die gehen muss. Gemeinsam mit Jüli. Beide Mädchen sind eher zurückhaltend, vor allem aber sind sie oft unsicher und zweifeln an sich. Natürlich, denn Jüli ist gerade mal siebzehn und Lisa ist zwanzig. Aber Heidi will keine schüchterne Maus, sie will ein Mädchen, das versteht worum es geht: Die Kameras irgendwie dazu zu bringen, sie zu filmen.

Und dafür ist kein Preis zu hoch. 

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