Sonntag, 17. Mai 2015

Bombenstimmung!



Eigentlich wollte ich ja nur noch einen GNTM – Blog schreiben, der sowohl Halbfinale als auch Finale beinhalten sollte. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Das Finale wurde gestern Abend abgebrochen, weil eine Bombendrohung eingegangen war. Die Halle musste geräumt werden, das Finale wird später nachgeholt. So unangenehm die Umstände für alle Beteiligten sind: Ein bisschen witzig ist es ja schon, dass es nach all den Wochen voller künstlich herbeigeführter Dramatik, TATSÄCHLICH zu dramatischen Szenen kommt.

Ach, wem will ich was vormachen? Es ist nicht nur einfach ein bisschen witzig, es ist zum Brüllen komisch! Aber zumindest das Halbfinale wird wie üblich literarisch verarbeitet.

Das Drama um das Kleid

Die zweitletzte Folge ist ein wenig anders aufgebaut als die anderen Episoden. Die Mädchen spielen mal wieder ein wenig Modeschau, dieses Mal vor Freunden und Familien. Als Erstes treten sie, verborgen hinter Masken und zu schauriger Musik auf den Laufsteg, eifrig beklatscht von ihren Anhängern und der Jury, die es kaum fassen kann, was aus ihren kleinen Küken geworden ist nämlich grosse, stelzenbeinige Hühner, die sich gegenseitig jedes Samenkorn missgönnen. Und danach dürfen sich die Kandidatinnen gemeinsam mit ihren Liebsten die peinlichsten Momente der letzten Woche ansehen, süffisant kommentiert von der Jury.

Als Erstes sehen wir das Covershooting für die Cosmopolitan. Da wird eben jenes Foto geschossen, das beim Finale die strahlende Siegerin zeigen wird, denn nur eine schafft es auf das Cover der deutschen Cosmopolitan. Dabei wird deutlich: Der so oft als spannend und aufregend angepriesene Job eines Models kann auch gähnend langweilig sein. Vor einer weissen Wand posen die Mädchen in hübschen Kleidchen, während ein Ventilator ihre Haare wehen lässt und ein Fotograf die ganze Zeit „Sehr schön“ ruft.

Genau diese hübschen Kleidchen sorgen allerdings wieder für ein waschechtes Drama. Die Protagonisten: Darya, Katharina und ein – übrigens potthässliches – Versace – Kleid.
Eben jenes will Darya unbedingt bei ihrem Shooting anziehen. Als sie erfährt, dass stattdessen ihre neue Lieblingsfeindin Katharina – die den unsäglichen Spitznamen Katha verpasst bekommen – das Kleid probieren soll, rastet sie komplett aus. Der Zuschauer kennt das ja alles schon. Erst lästert Darya über das Äussere ihrer Konkurrentin, dann erklärt sie, wie ungerecht dass alles sei und dass Katharina eben nicht loyal ist.

Wohlgemerkt, in der vorherigen Episode hat Darya Katharina als x – beinig bezeichnet und sie auch mehrmals als dumm hingestellt. Von ihr Loyalität zu verlangen ist geradezu unverfroren. Mal abgesehen davon gehört das Kleid nicht den Models, sondern den Kunden und die entscheiden, wer das anzieht. Das haben wir in dieser Staffel schliesslich lang und breit erklärt bekommen.

Aber Darya lässt sich auf ihrem Feldzug nicht stoppen. Sie wendet sich kurzerhand an die Kundin (in diesem Fall irgendeine Verantwortliche der Cosmopolitan) und verlangt zu wissen, wieso Katharina jetzt IHR Kleid bekommt. Leider weiss diese inkompetente Person allerdings nicht, dass Darya eine Königin ist und man sie entsprechend zu behandeln hat. Und so wird die schöne Blondine zum ersten Mal richtig heruntergeputzt und auf ihren Platz verwiesen, was Darya mit einem: „Ich fand die Frau etwas arrogant.“

Zum Glück ist es der erste arrogante Mensch, der bisher in dieser Sendung aufgetaucht ist, sonst sind es ja wirklich immer so bescheiden auftretende Frauen und Männer, die da im Modebusiness unterwegs sind.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die schönste Haut im ganzen Land?

Nachdem also alle Mädchen ihr Shooting (falls man dieses Rumstehen und Lächeln vor einer weissen Wand so nennen kann) erfolgreich hinter sich gebracht haben, geht es ab zum nächsten Casting. Diesmal geht es um den Job bei Maybelline. Für alle Unwissenden: Das ist eben jene Kosmetikmarke, deren Produkte die Mädchen so TOTAL unauffällig während der Staffel benutzen.

Wie üblich kommt keiner der Verantwortlichen auf die Idee, einfach zu gucken, welches Mädchen sich am besten vor der Kamera macht. Das wäre ja auch zu langweilig. Stattdessen müssen die fünf verbliebenen Models wieder schauspielern. Da kann man Daryas entnervte Miene beinahe verstehen.

Die Aufgabe ist es, einen Taxifahrer irgendwie aus dem Auto zu kriegen. Was das mit Haut und Schminke zu tun hat? Keine Ahnung. Aber es sei wichtig, dass die Mädchen ihre Kreativität zeigen können, heisst es. Ach, und ich Dummerchen dachte immer, dass die Marketingabteilung für das Konzept der Werbung zuständig ist! Aber das entscheiden in Wirklichkeit die Models! Gut, schaue ich Topmodel; ich lerne hier so viel!

Gut trainiert wie die Mädchen nun einmal sind, machen sich alle mit grossen Ehrgeiz daran die Kunden zu beeindrucken. Vanessa schmeisst sich auf die Kühlerhaube und tut das, was sie am besten kann: Einen Schmollmund ziehen. Ajsa führt eine etwas bizarre Szene auf, die niemand so ganz versteht. Anu ist süss wie immer und Katharina quasselt munter drauflos.

Darya nutzt die Gelegenheit, um mal wieder ganz ungestört ihrer Leidenschaft zu frönen: Andere Menschen quälen. Diesmal erwischt es ihren Castingpartner. Statt mit ihm zu flirten, zerrt sie ihn gleich am Ohr aus dem Auto, ein rabiates Vorgehen, dass von den Kunden als zu negativ beurteilt wird. Darya und eine negative Ausstrahlung? Wie kommt man denn auf diese absurde Idee!
Am Ende bekommt Daryas beste Freundin (also eigentlich einzige Freundin) Vanessa den Job. 

Nein, was für eine Überraschung! Zur Erinnerung: Vanessa ist das Mädchen, das selbst morgens ein super ebenmässiges Gesicht hat. Jetzt dürfen wir das dann alle auf den Werbeplakaten bewundern.

Best of Darya

Weil es ja das Halbfinale ist, bekommen wir noch ganz, ganz viele epische Darya – Szenen geschenkt. Ein letztes Mal darf sie kräftig vor der Kamera motzen und fluchen. Dass ausgerechnet Vanessa den begehrten Job abräumt, stinkt ihr sichtlich, noch mehr ärgert es sie aber, dass sie alle früh aufstehen müssen, um ihr beim Shooting zuzusehen.

Diese Logik hat sich mir während der gesamten Staffel nicht ganz erschlossen. Wieso müssen die „Verliererinnen“ immer mitgeschleppt werden? Damit sie sich noch ein bisschen beschissener fühlen können? Das wäre ungefähr so, als wenn Stan Wawrinka nach einem verlorenen Spiel, bei Roger Federer den Balljungen spielen müsste.

Dieses Mal haben die Mädchen aber keine Lust, stundenlang rumzusitzen um ihrer Konkurrentin zuzusehen, wie sie geschminkt und hergerichtet wird. Stattdessen entscheiden sie sich für Sightseeing. Allerdings gelingt ihnen das auch nicht wirklich, denn Darya ist so mieser Stimmung, dass sie wieder alles schlecht macht, was die anderen vorschlagen? Und die? Lassen sich das wie üblich gefallen, denn wie Ajsa so treffend zusammenfasst: „Jedem ist eine kurz angepisste Ajsa lieber, als eine wütende Darya.“

Tröstlich ist es, dass Darya offenbar mit allen Menschen gleich umgeht. Bei ihrem Skype – Gespräch mit ihrem Freund, redet sie mit ihm, als sei sie ein russischer Offizier: Hart, streng und geifernd. Eine sichtlich geschockte Anu schlägt Darya schliesslich mutig vor: „Sag doch mal was Nettes zu ihm!“ 

Aber mit nett sein, wird man schliesslich nicht Topmodel.

Wolles Paradies

Und nur wer ein Topmodel ist, darf für Wolfgang Joop laufen. Der Designer nutzt auch dieses Jahr seine Zeit auf dem Bildschirm um eifrig Werbung für sich und seine Modelinie zu machen. Deshalb dürfen die Mädchen auch bei ihm zu einem Casting antraben. Man sollte meinen, nachdem sie monatelang mit Joop auf einem Haufen verbracht haben, weiss dieser welches der Nachwuchsmodels zu seiner Kollektion passt, aber nein: Er muss sie alle nochmal begutachten und lädt die Schönheiten deshalb nach Paris ein.

Dort, in Wolles Paradies, treffen wir auf drei die das alles schon hinter sich haben. Ivana, Anna und Stefanie sind Kandidatinnen aus der letzten Staffel. Tatsächlich verspürt man bei ihrem Anblick ein wenig Wehmut, denn ihre Sendungen waren bedeutend ruhiger und angenehmer anzusehen, als das was uns die letzten Monate präsentieren wurde. Gut, Ivana ist dünn und blass wie ein Gespenst, was vermutlich eine Vorschau darauf ist, was die Kandidatinnen in der rauen Wirklichkeit  erwartet.

Am Ende entscheidet sich auch der Designer für: Vanessa! Damit hat die Brünette schon den zweiten Job ergattert. Steht hier die Gewinnerin vor uns. Wahrscheinlich schon. Denn Vanessa kommt aus dem gleichen Dorf wie Heidi Klum. Wäre es nicht geradezu schicksalshaft, wenn ausgerechnet in der Jubiläumsstaffel wieder ein schönes Mädchen aus diesem Kuhdorf die grosse Karriere starten kann?

Keiner weint um Hexen

So ist es kein Wunder, dass Vanessa vor den Augen ihres Fanclubs zur Finalistin gekürt wird, gemeinsam mit Katharina, Anu und Ajsa. Nur für eine hat es nicht gereicht: Darya.

Wochenlang hat die blonde Hexe gegiftet, geätzt und geflucht, ohne dafür zurechtgewiesen zu werden. Weder ihre Konkurrentinnen, noch die Jury haben sie jemals in ihre Schranken verwiesen, stattdessen hat man sie in ihrer Arroganz noch bestätigt und ihr rücksichtsloses Verhalten auf ihr grosses Selbstbewusstsein geschoben. Keine der Kandidatinnen hat die Rolle der Hexe so hingebungsvoll gespielt wie sie und dabei so viel Lob kassiert wie die zierliche Blondine.

Und ihr Lohn? Kurz vor ihrem grossen Ziel wird sie aus der Show geschmissen und darf sich, vor ihrer Familie und ihren Freunden, eine Standpauke anhören. Und so sagt Thomas Hayo das, was er vermutlich schon vor einigen Wochen gesagt hätte, wenn das Konzept nicht verlangt hätte, dass der Bösewicht drinbleibt. „Das ist grober Unfug und Kinderkram“, erklärt der Juror, „und das ist verwunderlich, denn du zählst zu den älteren Kandidatinnen.“

So hat das Märchen von der tapferen Heidi, die auszog um ein schönes und gutes Mädchen zu finden, dass ihren Thron erben könnte, doch noch ein gutes Ende gefunden. Die Hexe Darya wurde besiegt! Friede im Königreich!

Und dann kam der Bombenalarm…        
   




      

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