Montag, 13. April 2015

Wenn Schönheit verdorben ist



Es wird von Woche zu Woche härter für die verbliebenen Kampfkatzen von Heidi Klum. Diese Woche müssen sie beweisen, dass sie es wirklich wollen und zu diesem Zweck stürzen sie sich von Hochhäusern, zwängen sich in rüschenbesetzte Unterwäsche und gehen einander an die Kehle. Denn nur eine kann Germanys next Topmodel werden!

Gute Mädchen kommen in den Himmel…

Erica ist nun endlich aussortiert, denn offenbar ist Heidi Klum der Meinung, dass ihre Mädchen sich inzwischen auch ohne diese hysterische Dame ordentlich fetzen können. Und tatsächlich: Kaum ist die eine böse Hexe weg, steht schon die nächste bereit und wer wäre dafür besser geeignet, als die schöne Laura, die sich schon in den vergangenen Episoden durch besondere Bosheit ausgezeichnet hat?

Damit aber noch richtig Ärger ins Modelparadies einziehen kann, lädt Heidi Klum ihre Mädchen nach Neuseeland ein, wo sie zu der grossen Ehre kommen, die Unterwäsche des Models zu präsentieren. Klum castet also ihre eigenen Models (Und muss dafür extra ans andere Ende der Welt. Das muss man jetzt nicht verstehen). Aber halt, natürlich können nicht alle zwölf mit nach Neuseeland, sondern nur fünf Auserwählte! Wieso denn, mag man sich fragen. Na, damit die anderen schön neidisch werden und lange Gesichter machen dürfen.

….böse überallhin!

Aber zurück zu Laura. Der ist nämlich plötzlich eingefallen, dass Favoritin Varisa, die bis jetzt immer geglänzt hat, eine ganz gemeine Kuh ist! Ja, sie ist sogar richtig beleidigend, schlägt Laura sogar, wenn niemand hinsieht. Unterstützt wird Laura in ihren Aussagen von der brav nickenden Kiki, die grundsätzlich alles richtig findet, was Laura sagt oder tut. Und auch die anderen Mädchen sind nur zu gerne bereit der weinenden Laura ihre Geschichte von der bösen Varisa zu glauben. Auch wenn niemand gesehen hat oder gehört was Laura aus heiterem Himmel erzählt, jetzt wissen plötzlich alle das Varisa eine ganz Fiese ist und lästern was das Zeug hält.

Die Anschuldigungen sind dermassen lächerlich, dass es fast schon wieder traurig ist. Wann soll es denn passiert sein? Die Kameras sind ja praktisch dauernd an. Die Mädchen hocken wie Hühner auf der Stange zusammen. Dass da jemand mal ganz heimlich zum Terminator mutiert, ist mehr als unwahrscheinlich. Doch weil die Zuschauer für genauso doof gehalten werden, wie die Nachwuchsmodels sich benehmen, tut die Jury so, als sei es ganz schleierhaft, was da vor sich geht.

Dabei ist es ganz einfach. Laura fürchtet Varisas Konkurrenz und greift zu dem Mittel, das ja schon bei Erica gewirkt hat: Sie schwärzt sie wegen ihres Verhaltens an. Aber Heidi Klum wertet diesen Egoismus und diese Verlogenheit wahrscheinlich als gesunden Ehrgeiz,  denn um Germanys next Topmodel zu werden, sind in ihren Augen ja sogar Menschenopfer erlaubt.  

Und Laura zieht die ganze schauspielerische Schublade. In Tränen aufgelöst wirft sie sich in die starken Arme von Thomas Hayo und klagt ihm ihr Leid, das so schlimme Ausmasse angenommen hat, dass sie sich schon überlegt auszusteigen. Das entsetzt den gutmütigen Juroren. Wie kann jemand auf die Idee kommen, freiwillig aus diesem Irrenhaus ausscheiden zu wollen? Wie kann jemand freiwillig auf ein Leben voller Kalorien zählen verzichten? Wo bekommt man sonst die Gelegenheit sich in unmöglichen Posen in knapper Bekleidung vor wildfremden Menschen zu präsentieren? Oder die Gelegenheit sich von einem Life – Coach den ganzen Tag anschreien zu lassen? Das ist doch das Paradies auf Erden!

Aber Laura will natürlich nicht ernsthaft auf das Krönchen verzichten. Sie will nur, dass  Varisa es nicht bekommt.

Dirty Dancing

Passend zu der Schlammschlacht, die unter ihnen herrscht,  müssen sich die Mädchen im Footballoutfit im Dreck wälzen, wobei sich pfundschwere Männermodels sich über sie werfen. Die panischen Gesichtsausdrücke der jungen Damen werden von einem frenetisch schreienden Kristian Schuller begeistert kommentiert, der wahrscheinlich nicht begreift, dass diese Emotionen echt sind und nicht gespielt. Denn wer würde nicht hysterisch werden, wenn sich Muskelprotze auf den perfekt gestählten Modelkörper werfen?

Heidi Klum ist ausnahmsweise nicht dabei, sie wird von Toni Garn vertreten. Das ist sicherlich eine Wohltat für Schuller, der ausnahmsweise nicht Klums Gekreische im Ohr hat, während er fotografiert. Toni Garn gibt den Mädchen ruhige und gelassene Ratschläge, erfüllt aber wahrscheinlich vor allem den Zweck, hübsch auszusehen und zu betonen, wie lehrreich eine solche Modelschule doch sein kann.

Varisa hat wahrscheinlich vor allem gelernt, sich nie mehr in die Fänge einer Castingshow zu begeben. Denn als müsste sie nicht schon genug unter dem inszenierten Rufmord leiden, muss sie auch noch mit Laura gemeinsam vor die Kamera. Das sei eben Schicksal, jammert Letztere in die Kamera. Oder der ProSieben Drehbuchschreiber. Aber das ist mitunter ja auch dasselbe.

Und oha! Die gequälte Laura meistert das Fotoshooting mit Bravour, während die bösartige Varisa scheitert und am Ende sogar aus dem Bild geschickt wird. Kein Wunder liegt das Thema des Shootings Laura. Endlich kann sie ihre wahre Natur ausleben und mit ausgefahrenen Ellbogen alles umnieten, was das Pech hat ihr in den Weg zu kommen.

I believe I can fly!

Aber obwohl die Mädchen schon jetzt kurz davor stehen, sich gegenseitig an die Gurgel zu springen, giesst die Jury gleich noch mal Öl  ins Feuer. Die fünf Auserwählten, die nach Neuseeland dürfen, werden standardgemäss in der Limousine abgeholt, unter den neidischen Blicken der Zurückbleibenden, die schon wieder Sport treiben müssen. Und am Ziel angekommen, wird auch flugs eine Videobotschaft aufgenommen, in der die glückstrahlenden Neuseeländerinnen freudig in die Kamera winken und ihre Konkurrentinnen süffisant daran erinnern, dass  sie das Leben richtig geniessen, während die anderen Models ihr trauriges Dasein in der muffigen Villa fristen.

Wobei, wenn die Zurückgelassenen wüssten, womit sich die Fünf – Jüli (sie schreibt sich wirklich so), Anu (die Süsse, die immer lacht), Katharina (die mit den Kulleraugen), Vanessa (die Dünne mit dem Schwabbelbauch) und Darya (die Zickige) – rumschlagen müssen, ihr Neid würde schlagartig verblassen. Denn statt ihre Zeit mit etwas Sinnvollem zu verbringen, müssen die Models sich von Hochhäusern stürzen (man nennt es Sky Jump) und in Helikopter steigen. Wofür, bleibt unklar. Offenbar ist man nur ein halber Mensch, wenn man nicht mindestens einmal versucht hat, sich irgendwie den Hals zu brechen.

Aber weil die Models brav sind und gewinnen wollen, lassen sie sich sogar zu einem Sky Jump überreden. Nur Jüli traut sich nicht. Vernünftiges Mädchen.

Schatzi, schenk mir ein Foto

Doch natürlich darf das Casting nicht fehlen. Im ersten Casting geht es um eine Fotostrecke in einem total berühmten Magazin, dessen Name ich leider schon wieder vergessen habe. Alles wie immer, die Mädchen werden einzeln hereingerufen, von unsympathischen und schlecht angezogenen Menschen mit Argusaugen begutachtet und dann wieder hinausgeschickt.

Aber oh Schreck! Vanessa hat ihr Modelbuch vergessen! Und ohne das läuft gar nichts, denn kein Kunde kann sich ohne eine Million gleichaussehender Fotos nicht entscheiden ob er jetzt dieses Puppengesicht oder jenes Puppengesicht casten soll. Auch Jüli hat etwas vergessen. Ihre Sedcard ist auf einmal verschwunden. Könnte es sein, dass da jemand vom Team nachgeholfen und sie rausgenommen hat? Wohlmöglich die Strafe dafür, dass sie den Sky Jump nicht als Abenteuer ihres Lebens, sondern als Bürde empfunden hat? Ein Fall für Miss Marple! Wo ist sie nur, wenn man sie braucht?

Auf jeden Fall ist das Foto weg und die Kunden lassen es sich nicht nehmen, die beiden Mädchen ordentlich zusammenzustauchen. Wie kann man nur ohne Fotos bei einem Casting auftauchen? Darya und Anu triumphieren, wobei vor allem Darya ihre Selbstzufriedenheit kaum verbergen kann.

Unterhosen, Unterhosen und noch einmal Unterhosen

Dann geht es gleich zum nächsten superwichtigen Casting! Diesmal geht es darum, wer die von Klum entworfene Unterwäsche auf dem Catwalk spazieren tragen darf. Und weil die Heidi ihre Mädchen ja immer noch nicht gut kennt – sie sehen sich ja auch praktisch nicht – dürfen sie noch einmal antraben und sich von einem Castingdirektor begutachten lassen, denn bei der Show von Topmodel Klum kommt nur beste Ware auf den Tisch – äh, ich meine natürlich, nur die schönsten Mädchen in die Show.

Klums Unterwäsche entpuppt sich als Alptraum aus Rüschen, aber mit denselben Todesmut mit dem die Mädels sich beim Sky Jump in die Tiefe gestürzt haben, ziehen sie auch diese knappen Kleidungsstücke an, setzen ihr schönstes Lächeln auf und staksen mit ihren langen Storchenbeinen vor den Augen der sabbernden Castingcrew herum. Anu, Katharina und Darya sind die besten Störche, womit Jüli und Vanessa erneut leer ausgehen.

Kaum ist die Show vorüber, schnappt sich Klum die beiden Verliererinnen und schleppt sie zum Castingdirektor, um zu erfahren wieso dieser die zwei nicht genommen hat. Die sichtlich peinlich berührte Vanessa darf sich anhören, sie sei nicht fit genug um Wäsche zu präsentieren. Na und? Heidi Klum ist definitiv nicht begabt genug, um eigene Mode zu entwerfen und trotzdem tut sie es! Der schlanken Vanessa so etwas zu sagen, ist ein Verbrechen. Dann kann man ihr auch gleich die Einladungskarte für eine Magersuchtklinik überreichen. Jüli dagegen sei zu unsicher. Nun ja. Sie ist einfach nicht so aufdringlich und eingebildet wie die anderen Kandidatinnen. Aber das gefällt der Klum natürlich nicht, denn jedes Mädchen, das nicht ständig die Klappe aufreisst, hat ihrer Meinung sowieso die falsche Einstellung.

Jüli bekam ja schon in der letzten Folge gesagt, sie solle ihren hübschen Mund zum Sprechen benutzen. Dabei wünscht man sich als Zuschauer sehnlichst, dass manche Mädchen – zum Beispiel Darya – einfach mal den Mund halten würden, statt ihn zu öffnen.   

Zehn kleine Modelzicken

Die Entscheidung, die wieder im heimatlichen Los Angeles stattfindet, ist immer derselbe Trott. Die Mädchen werden in grässliche Kleider gesteckt, überschminkt und in diesem Aufzug vor die Jury geschickt, die mit sichtlichem Genuss nicht nur über die Modelqualitäten, sondern auch über die Charaktereigenheiten ihrer Schützlinge herziehen. Oh übrigens: Wolfie ist wieder zurück und gibt seinen Senf ebenfalls wieder dazu.

Um den Zickenkrieg noch einmal anzufachen, führt Modelchefin noch schnell eine neue Regel ein. Nun dürfen die Mädchen sagen, wen sie in der nächsten Runde möchte und damit eine Wackelkandidatin vor dem Tod dem Rausschmiss retten. Diese Woche ist es Jüli, die von ihren Mitstreiterinnen gerade noch vor dem Rauswurf bewahrt wird. Oder vielleicht eher, zum Bleiben gezwungen wird.

Gehen muss stattdessen die elfenhafte Sandy und…Varisa. Die bösen Gerüchte hätten nichts damit zu tun, betont Heidi Klum. Aber so recht will man ihr nicht glauben, denn Varisa hat Traummasse, ist wandelbar und ein freundliches Mädchen. Sie wird nachhause geschickt, während sich Laura, welche über etwa gleich viele Gesichtsausdrücke verfügt, wie eine Käthe Kruse Puppe, sich ins Fäustchen lacht. So viel zum Thema, dass die Guten immer siegen.

Und da waren es nur noch Zehn.

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