Dienstag, 28. April 2015

Sieben Mädchen und eine Zicke





Ja, es wird langsam eng im Heidiland! Sie haben gekämpft, sie haben geweint und sie haben geblutet. Jetzt gilt es zu zeigen, aus welchen Holz sie geschnitzt sind. Werden sie auf den letzten Metern scheitern und in der Bedeutungslosigkeit versinken, oder werden sie triumphieren und ewigen Ruhm erringen? Der Preis für diese Berühmtheit ist ein Leben unter der Fuchtel Heidi Klums, aber die Mädchen beweisen auch in dieser Folge: Sie sind mehr als bereit ihn zu zahlen.

Drama Baby, Drama!

Die Episode setzt dort ein, wo letzte Woche aufgehört wurde. Wild schluchzende Models beobachten das herzzerreissende Wiedersehen zwischen Anu und ihrem lang verlorenen Vater. Mehr Dramatik wäre nur gewesen, wenn der wie üblich starr in die Kamera blickende Wolle aufgestanden wäre und mit röchelnder Stimme gesagt hätte: „Nein, Anu. Ich bin dein Vater.“ Aber das wäre wohl sogar den ProSieben Drehbuchschreibern zu viel des Guten gewesen.

Der Vater wird übrigens die ganze Woche durchgeschleppt, hauptsächlich damit er mit tränennassen Augen sagen kann, wie stolz er auf seine schöne Tochter sei. Schade, es wäre viel unterhaltsamer gewesen, wenn er verkündet hätte, er fände sein Kind habe etwas Besseres verdient als sich auf Autos zu räkeln und er nähme sie jetzt auf der Stelle mit nachhause. Aber vermutlich hat er vor dem Zusammentreffen den Machern der Sendung versprechen müssen, nur positive Dinge über die Show zu sagen, denn sonst wäre er gar nicht eingeladen worden.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Damit die Mädchen aber nicht auf die absurde Idee kommen sich wohl zu fühlen, packt Heidi Klum gleich wieder ihre Peitsche aus. Auf einer riesigen Kinoleinwand müssen sich die jungen Damen ihre schlimmsten Facebook – Sünden anzusehen. Denn der richtige Umgang mit Social Media ist sehr wichtig für ein Leben als Model, erklärt Heidi Klum den Mädchen und dem Zuschauer. Denn genau wie der Ruhm stetig wächst, wächst auch die Fangemeinde, die mit Bildern gefüttert werden will. Und das dürfen natürlich keine Bilder sein, welche die Mädchen in einem schlechten Licht erscheinen lassen.

Grundsätzlich ist es natürlich lobenswert, dass die Mädchen darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie vorsichtig sein sollen, was sie posten. Wenn diese Moralpredigt jedoch von jemanden kommt, der mit jedem zweiten Bild einen Shitstorm auslöst, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie.

Jede Kandidatin hat gefühlte 1000 Selfies online, denn schliesslich gibt es auf der ganzen Welt nichts Interessanteres als sich selbst. Das ist aber laut Heidi Klum nicht weiter schlimm, denn schliesslich macht man es für die Fans und dann ist es nicht selbstverliebt. Das ist dann wohl Modellogik. Schlimm findet sie aber Ajas Foto, die sich auf einigen Fotos sehr freizügig posiert und auch ihr Hang zum Skurrilen unterstreicht, indem sie an einem Lolli lutscht, der eine verdächtige Ähnlichkeit mit einem männlichen Geschlechtsteil aufweist. Das geht natürlich gar nicht! Man könnte ja noch auf die Idee kommen, dass das Leben Spass macht. Ajsa nimmt die Kritik locker.

Eine andere nimmt die öffentliche Blossstellung jedoch nicht so gefasst auf. Darya, die auf fast jedem Bild ein Champagnerglas in der Hand hält und sich nicht scheut, ihren Reichtum zu zeigen, wird abgemahnt. Sie wirke wie ein Luxusmäuschen und Partygirl. Ist sie ja auch, aber das muss man ja nicht gleich so offen zugeben. Das kann Darya nicht verstehen. Es sei schliesslich ihr Leben und damit könne sie machen, was sie will. Diesen Satz wiederholt sie den ganzen Tag alle zwei Sekunden, damit auch jeder begreift, dass sie erwachsen und selbstbewusst ist.

Diese Reife, mit der sie ständig angibt, stellt sie bei der nachfolgenden Challenge gleich unter Beweis. Die Mädchen sollen das tun, was sie am besten können: Möglichst tolle Fotos von sich selbst schiessen. Weil sie wütend ist über Heidis Kritik verweigert sie sich der Aufgabe und lässt sich mit Sonnenbrille und Schmollmund fotografieren. Und als ihre Konkurrentinnen es wagen, ihr Bild zu kritisieren, bewertet sie daraufhin deren Bilder einfach aus Trotz schlecht. Ja, Darya. Du bist wirklich eine total starke und reife Frau.

Sorgen muss sie sich aber wegen ihres Facebookprofils wirklich nicht machen. Sie hat ihren Ruf durch diese Show schon dermassen ruiniert, dass niemand mehr auf die Idee kommen wird, sie für einen netten Menschen zu halten. Nicht einmal wenn sie sich als Mutter Theresia präsentiere würde.

Skandal in der Waschanlage

Das Casting dieser Woche ist für einen richtig grossen Kunden: Opel sucht pünktlich für die neue Staffel auch ein neues Werbegesicht (Zufälle gibt’s). Nur sind die Zeiten dabei, wo ein Model sich einfach sexy auf der Kühlerhaube räkeln musste. Nein, jetzt müssen Models in der Lage sich in einem Auto, das durch die Waschanlage fährt umzuziehen. Und das alles unter den Augen eines dauergrinsenden Regisseurs (der momentan total angesagt ist), einer hochnäsigen Marketingirgendwas und einem überkritischen Thomas Hayo.

Nur ist das gar nicht so einfach. Der Raum zum Umziehen ist ebenso beengt, wie die Schauspielkunst der Mädchen, weshalb das Ganze eher zu einem peinlichen Schmierentheater verkommt. Darya beweist ihre ausgezeichneten verbalen Fähigkeiten, indem sie schlimmer flucht als ein Bierkutscher. Die eigentlich sympathische Katharina benimmt sich als hätte sie von Heidis Drogen genascht, findet, sie sehe aus wie eine Schlampe und wackelt wie irre mit dem Po. Kiki schafft es nicht sich ganz umzuziehen, weshalb sie barfuss vor die Kunden tritt. Da sie trotzdem lacht, findet Thomas Hayo ihr Verhalten eher unprofessionell. Ja, wer will schon ein lachendes Mädchen?

Als wäre es nicht schon demütigend genug sich vor laufender Kamera umziehen zu müssen, müssen manche Mädchen sogar noch singen, wobei ihre mässigen Gesangskünste vom schnöseligen Regisseur mit Spott und Ironie bedacht werden. Wofür ein Model singen muss, bleibt ein Rätsel. Wahrscheinlich hat Katharina Recht mit ihrem lakonischen Kommentar: „Die wollen eben, dass wir uns richtig schön zum Affen machen.“

Gut erkannt, Mädel.

Den Job bekommt übrigens Anu. Schon alleine das ärgert Darya, aber als Kiki es sich dann erlaubt bei dem Casting Melone zu essen, rastet die zarte Blondine aus. Es sei unhöflich während eines Interviews zu essen, schimpft Darya. Ja, in ein anderes Interview reinzuquäken ist dagegen das Sinnbild von Anstand und Manieren. Kiki isst jedoch munter weiter Melone und plaudert mit der ProSieben – Reporterin, während Darya mit Busenfreundin Vanessa im Hintergrund weiter über Kikis mangelnden Verstand herzieht.

Kiki nimmt’s gelassen. „Wenn ich Melonen essen will, dann esse ich eben Melonen. Und wenn ich Chips futtern will, dann futtere ich Chips!“, erklärt sie später im breitesten österreichischen Dialekt und stopft sich gleich noch mehr davon in den Mund. Spätestens da will man sie als Zuschauer in den Arm nehmen und rufen: „Iss Mädchen, iss!“

Der Terminator ist los

Darya hat vermutlich mit dem Ausscheiden von Laura und Erica die Aufgabe übernommen sich so zickig wie möglich zu benehmen. Sie führt sich nämlich so auf, als sei sie ein Mix aus dem schlimmsten GNTM – Kandidatinnen, die je über den Fernsehbildschirm geflimmert sind. Im Gegenzug bekommt sie mehr Sendezeit als alle anderen Mädchen zusammen.

Da wird geweint, geflucht, geschluchzt, gelästert und gemotzt. Darya ist in all diesen Disziplinen die ungekrönte Königin. Und das beweist sie beim Glatzenshooting. Dabei hätten ihre Mitstreiterinnen viel eher Grund gehabt sich zu beklagen. So mosert Heidi Klum über die bildschöne Jüli, sie sehe so leidend aus bei dem Foto. Wohlgemerkt baumelt die junge Frau zu dem Zeitpunkt eng eingeschnürt kopfüber von einem Kran, während sie mit einem Schlauch nassgespritzt wird. Wohlmöglich wirkt ihre Miene deshalb etwas schmerzverzerrt. Aber das ist nur so eine ganz gewagte Vermutung von mir. Lisa unterdessen darf sich in der brütend heissen Sonne räkeln  und sich dabei anhören, sie solle gefälligst die Augen aufmachen. Ja, das geht ja so einfach, wenn man ohne Sonnenbrille ins grelle Licht blinzelt.   

Unterdessen beschwert sich Darya darüber, dass sie immer als Letzte drankommt und sowieso immer blöde Locations hat. Sie macht ihrem Unmut dadurch Luft, dass sie Kiki anbrüllt und sich bei den Gruppenfotos grosse Mühe gibt, den anderen das Bild zu versauen. Als sie Katharina bei einem Bild in die Höhe stemmen soll – mit der Hilfe der anderen Models – lässt sie die zierliche Blondine beinahe fallen, weil sie nicht genug Kraft habe. Ja, man weiss ja, dass so ein Model mindestens neunzig Kilo, wenn nicht sogar noch mehr wiegt!

Aber auch vor der besten – und vermutlich einzigen – Freundin macht das Muffelmodel keinen Halt. Als Vanessa es wagt auf einem Bild besser auszusehen als Darya selbst, keift diese: „Christian hätte sie aus dem Bild schicken sollen!“ Aber auch der Fotograf selbst bekommt sein Fett weg. Sie wolle mal ein normales Bild machen und nicht immer diese blöden Kunstwerke nur weil Christian sich irgendetwas einbilde, schimpft die Blondine. Ist ja auch wirklich eine Frechheit, dass dieser dahergelaufene, professionelle Fotograf denkt, er könne die Bilder so schiessen, wie sie ihm gefallen und nicht so, wie es sich Darya in ihrem hübschen Köpfchen zurechtgelegt hat. 
Die Welt ist ungerecht!

Wer solche Freunde hat

Die Krone der Selbstherrlichkeit geht jedoch auch diese Woche an Heidi Klum. Ihre Inszenierung als übermächtige Modelmama ist grandios. So sollen die Mädchen für den Entscheidungstag ein Outfit für Heidi zusammenstellen, wobei ihre zaghaften Versuche im Modedesign gewohnt bissig von Wolfie kommentiert werden. Heidi lässt es sich nicht nehmen jedes einzelne vorzuführen, damit auch jeder Zuschauer sehen kann, dass ihr Hintern immer noch knackig und ihre Brüste noch immer prall sind.

Vanessas Outfit gewinnt. Ihr Preis: Ein absolut hässliches, unförmiges Kleid, das Heidi Klum einmal selbst auf einem roten Teppich getragen hat. Vanessa kriegt sich kaum ein vor Begeisterung. „Dieses Kleid hat sie schon getragen! Und sie kommt aus demselben Dorf wie ich!“, japst sie in die Kamera. Ja, das ist vermutlich Schicksal. In ein paar Jahren wird Vanessa vermutlich selbst  breit lächelnd die Träume von Mädchen mit einem Presslufthammer zerstören.

Darya jedoch lässt es sich nicht nehmen, Vanessa auch diese Freude gleich wieder zu nehmen. So ein Kleid kann man ja ohnehin nie tragen, kommentiert sie spöttisch. Wer solche Freunde hat, braucht wirklich keine Feinde mehr. Weil Darya aber so schön brav diese Woche die Oberzicke gemimt hat, wird sie natürlich eine Runde weitergewinkt. Und auch die anderen Mädchen kommen weiter.

Wie wirklich alle? Ja! Wieso dann eine Entscheidungsshow abgehalten wurde? Keine Ahnung. Ein bisschen Psychostress schadet ja nie. Nichts erwärmt das Herz einer Heidi Klum so sehr wie weinende und hysterische Mädchen. Um dieses Vergnügen will sie sich natürlich auf keinen Fall bringen.

Also geht das Märchen von der Zicke und den sieben Mädchen eben weiter.


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