Dienstag, 21. April 2015

Mädchen, Mädchen



Es ist unglaublich aber wahr. Nur noch zehn Mädchen kämpfen um die Krone von Germanys Next Topmodel! Jetzt werden die Krallen nicht nur gewetzt, sondern ausgefahren, freundlich war gestern, die neue Devise lautet: Nur die Harten kommen in den Garten. Oder wie Klum sagen würde: Nur die schönsten Körper schaffen es ins Schaufenster der Modewelt.

Morgenstunde hat Gold im Munde

Zuallererst fühle ich mich natürlich geschmeichelt, dass mein Blog offenbar von den Machern von ProSieben gelesen wird. Sogar meine Tipps werden berücksichtigt. So habe ich schon vor Wochen den Ratschlag gegeben, für einen total natürlichen Look soll man die Mädchen einfach am Morgen fotografieren. Tada! Zerrt die Heidis doch ihre Mädels beim ersten Morgenlicht aus dem Bett und zwingt sie, in ihre Kameras zu lächeln, wobei sie sich hämische Kommentare nicht verkneifen kann.

Zweck dieser Übung soll sein, dass die Mädchen unter all der Schminke nicht vergessen, wer sie wirklich sind. Das sei gerade in diesem Business enorm wichtig. Und das sagt die Frau, die in den vorderen Episoden den jungen Frauen beigebracht hat, dass die absolute Professionalität es verlange, Gefühle und eigene ästhetische Empfindungen beiseite zu schieben. Aber klar. Man kann ja so was von sich selbst sein, wenn man in immer irreren Verkleidungen vor der Kamera rumhopst.

In Wirklichkeit wollte Heidi Klum wahrscheinlich nur beweisen, dass auch ihre knackigen Nachwuchsgirlies ihre unschönen Seiten haben und mit Sabber im Mundwinkel nicht besonders begehrenswert wirken. Wahrscheinlich fühlt sich Heidi Klum, die sich immer zukleistern muss um ihr jugendlich frisches Aussehen zu bewahren, dann einfach besser.

Gewonnen hat diese „Challenge“ übrigens Vanessa, die einfach ein super ebenmässiges Gesicht hat. Aha. DAS hat sie wahrscheinlich ja nur morgens.


Wer hat den knackigsten Po im ganzen Land?

Weniger auf das Gesicht, als vielmehr auf den perfekten Körper kommt es beim nächsten Casting an. Für das Sportmagazin „Shape“ kommt es darauf an, ein Mädel zu finden, das perfekt in „Shape“ ist. Dieses Wort wird übrigens im Sekundentakt von den Kunden und Heidi Klum wiederholt. Offenbar sind alle stolz darauf, dieses englische Wort perfekt sagen zu können.

Um zu prüfen, ob die Mädchen es wert sind, auf das Cover des Magazins zu kommen, werden sie erstmal gedrillt. Vor den Augen der Kunden, machen sie Liegestütze, Kniebeugen und andere sportliche Übungen, wobei sie darauf achten, trotz all des Schweisses hübsch zu lächeln. Dabei werden ihre durchtrainierten Körper von den Kunden mit Argusaugen beobachtet und von den Konkurrentinnen bespöttelt. Schliesslich kommen drei Mädchen in die engere Auswahl: Darya, Kiki und Laura.

Natürlich kann die definitive Entscheidung aber nicht im langweiligen Los Angeles getroffen werden, NEIN dafür muss man erst nach Miami düsen. Das hat auch gleich den Zweck, dass Darya und Laura sich miteinander abgeben müssen. Denn die zwei können sich inzwischen gar nicht mehr leiden.

Laura vs. Darya

Eigentlich sollten sich die zwei blendend verstehen. Sie sind beide blond, schön, oberflächlich, ehrgeizig und nur an sich selbst interessiert. Aber das ist wahrscheinlich auch das Problem. Denn wer hat schon gern jemanden neben sich, der einem charakterlich so ähnelt? Besonders wenn der Charakter nun einmal nicht sonderlich viel hergibt.

Luxuszicke Darya hat ein Problem damit, dass Laura immer noch dabei ist, obwohl sie doch schon mehrmals gesagt hat, dass sie gehen will. Natürlich muss Darya auch gleich der Heidi petzen, dass Laura es sich erlaubt hat, sich zu überlegen, aus ihrem Paradies für Verhaltensgestörte, entfliehen zu wollen. Laura löst den Konflikt auf sehr reife Art und Weise. Sie stürmt aus dem Zimmer, knallt Türen und beginnt ihre Koffer zu packen. Heidi jedoch hält ihren Goldengel davon ab, alles hinzuschmeissen. Sehr zu Daryas Missfallen.

Wie immer, wenn zwei Mädchen sich nicht ausstehen können, werden sie von den Drehbuchschreibern gezwungen, möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen. Bei ihrem Trip nach Miami, verbringt Darya viel Zeit damit sich selbst zu loben, denn schliesslich hat sie nicht nur einen tollen Körper, sondern auch die richtige Einstellung. Damit meint sie, dass sie sich jeglichen Vergnügens versagt, es aber auch ihren Mitstreiterinnen nicht gönnt und alles herablassend kommentiert. Denn sie ist sich nur das Beste von Besten gewöhnt und allein, dass man sie zwingt, im selben Auto wie Normalsterbliche zu fahren ist eine Zumutung.

Laura unterdessen nutzt jede Sekunde vor der Kamera um weinerlich in die Linse zu schauen und zu betonen, dass sie Darya den Job nicht gönnt. Ich ihr eigentlich auch nicht, aber dummerweise macht sich die blonde Hexe ziemlich gut auf den Fotos und bekommt den Job. Daraufhin kehrt Laura zu ihrem alten Spiel zurück: Sie will nachhause, sie fühlt sich nicht wohl, alles ist doof, niemand mag mich, ich bin so toll, ich bin ein armes Mädchen…

Bubble Gum!

Das Fotoshooting dieser Woche ist kein Shooting, sondern ein Werbespotdreh. Weil das aber zu einfach ist, so ganz ohne Frieren, ohne nackte Haut und ohne Farbe, die rumgespritzt wird, müssen die Mädchen nicht einfach nur lächeln und die Vorteile eines Produktes mit einem nichtssagenden Satz unterstreichen, nein, sie müssen rappen. Und sie versagen fast ausnahmslos alle. Allerdings ist das nicht ihre Schuld. Denn der Rap ist dermassen bescheuert, dass vermutlich nicht einmal Schiller ihn hätte auswendig aufsagen können. 

Da jedoch alle schlecht waren, fällt das diese Woche auch nicht so ins Gewicht. Während Laura, Darya und Kiki in Miami sind, müssen die übrigen Mädchen ein Shooting mit Thomas und dem wieder aufgetauchten Wolle über sich ergehen lassen. Es geht um die Königsdisziplin für jedes Modeln und damit ist nicht das Rumzicken gemeint, sondern das Covershooting.

Während die Mädchen in Schlapphut  und Badeanzug in die Linse lächeln, nutzt Wolle die mediale Aufmerksamkeit um sich selbst zu beweihräuchern. Ich erkenne das Potential eines Models auf den ersten Blick, sagt er stolz in die Kamera. Da frage ich mich: Warum braucht es dann etwas 15 Episoden bis ihr endlich rausfindet, welches Mädchen von der ganzen Teufelsbrut es wert ist in die Fusstapfen des Terminators Heidi Klum zu treten?

Wirklich schlecht ist nur Sara beim Shooting. Sie macht sich nicht die Mühe zu verhehlen, dass ihr das alles zu dumm ist. Man möchte sie in den Arm nehmen für diese Erkenntnis.

Ihre Heiligkeit Heidi Klum

Heidi Klum bemüht sich unterdessen ihr Image als peitschenschwingende Modelmama etwas aufzupeppen. So zeigt sie sich in dieser Episode von ihrer warmherzigen Seite. Egal ob es darum geht die ständig missverstandene Laura an sich zu drücken oder Anu endlich mit ihrem verschollenen Vater zusammenzubringen: Sie legt sich richtig ins Zeug!

Denn was wäre Germany’s next Topmodel ohne die obligatorische, rührselige Geschichte, die unterstreichen soll, dass der Sender eigentlich gar nicht so böse ist, sondern in Wirklichkeit nur das Beste für die Mädchen im Sinn hat? Dieses Jahr ermöglicht es Heidi Klum Anu, dass sie endlich ihren Vater wieder in den Arm schliessen darf. Der arme Mann wirkt zwar sichtlich verwirrt über die Tatsache, dass seine Tochter von Kameras verfolgt wird und offensichtlich nicht mit Freundinnen, sondern mit einem Zirkus voller Irren umherreist, aber er erfüllt seinen Zweck. Er sieht in den richtigen Momenten gerührt aus und schluckt schwer, als er seine schöne Tochter sieht. Doch bevor wir uns ansehen dürfen, wie sich die beiden in die Arme fallen, ist die Episode schon zu Ende.

Vielleicht wäre der Moment tatsächlich rührend gewesen, wären nicht alle so offensichtlich bemüht gewesen, es möglichst ergreifend zu gestalten. Die Konkurrentinnen weinen, Wolle weint, der Vater weint, selbst Heidi Klum wirkt mal nicht krankhaft fröhlich. Die Musik wird todtraurig. Kinderfotos werden eingeblendet. Noch einmal betont, wie toll es sei, dass dieses Format sogar Träume erfüllen könne.

Wer braucht schon eine gute Fee, wenn er auch in eine Castingshow gehen kann?

Heidi Klum demonstriert ihre neu gefundene Herzenswärme auch dadurch, dass sie Laura aus dem Wettbewerb schmeisst. Sie sei der Sache emotional nicht gewachsen, heisst es. Da lacht man sich ja schon ins Fäustchen, wenn man daran denkt, dass Laura mit ihren eigenen Waffen geschlagen wurde. Hat sie die Masche „ich – bin – ein – armes – Ding – das – von – allen – gehasst – wird“ eigentlich nur fleissig benutzt, um Mitstreiterinnen aus dem Wettbewerb zu schmeissen, wird ihr genau das zum Verhängnis. Ein Schelm wer sich da Böses denkt.


Sie sei aber ganz froh, dass es jetzt zu Ende sei, betont Laura mit einem letzten weinerlichen Wimmern, bevor sie endlich nachhause gehen kann. Die Zweite, die gehen muss sorgt bei den Mädels für lediglich mehr Abschiedsschmerz: Sara.

Schade ist es nicht Darya. Die macht zwar einen guten Job (um es mit Heidis Worten auszudrücken), aber hat den Charme einer Klobürste. Ohnehin denkt man bei den Äusserungen der diesjährigen Kandidatinnen nur kopfschüttelnd: Ach, Mädchen, Mädchen!

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