Sonntag, 5. April 2015

Die Schönen und Biester





Man wird es kaum glauben, aber wir sind schon bei der achten Episode von Germany’s Next Topmodel angelangt. Kaum zu glauben ist da, weil jede Episode genau gleich abläuft: Die Protagonisten sind dieselben, der Fotograf ist derselbe, die Aufgaben ähneln sich alle; es gibt Streit, Castings und ein grosses Fotoshooting. Und am Ende natürlich: Die Entscheidung!

Ich wollt, ich wär ein Huhn….

Auch in dieser Episode gibt es ein Casting bei einem total wichtigen Kunden, von dem ein Normalsterblicher allerdings noch nie irgendwas gehört hat. Und natürlich findet das Casting nicht gleich um die Ecke statt, sondern in Mailand. Und – oh Wunder – wieder sind die Kunden Deutsche! Langsam hege ich ja den Verdacht, dass Heidi die alle ausgeflogen hat, damit die Mädchen auch ja weit fliegen können und allen Fernsehzuschauern demonstrieren dürfen, dass sie allesamt unfähig sind sich zu orientieren, keine Taxifahrt unternehmen können ohne abgezockt zu werden und grundsätzlich zu spät zu den Castings gekommen.

Die glücklichen Castingteilnehmer diese Woche sind: Sympathieträgerin Lisa, Umknick – Barbie Varisa (Man erinnere sich: LEBENSGEFÄHRLICHER Sturz beim Helikoptershooting) und ihre hochwohlgeborene Hoheit, Prinzessin Darya. Allerdings wünschen sich die Mädchen bald, sie wären im schönen Los Angeles geblieben, denn die Kunden verlangen, dass sich die Models mit einem Huhn präsentieren.

Was das Ganze soll? Ich hab keinen blassen Schimmer. Vielleich will man eine kühne Parallele zwischen den Charaktereigenschaften eines Models und eines Huhns ziehen? Oder dient es einfach zur Belustigung des Kunden zuzusehen, wie sich die jungen Frauen mit dem flatternden Huhn abmühen? Zu Bedauern ist auf jeden Fall das arme Tier, das sich sichtlich unwohl fühlt und deshalb Lisa gleich mal auf die Bluse pinkelt.

Den Job bekommt Varisa, weil sie das Huhn so schön handhabt (sie hält das Federvieh allerdings so fest umklammert, dass es ein Wunder ist, dass es überhaupt noch atmet). Lisa zeigt Grösse, freut sich Varisa und begleitet sie zum Shooting. Darya jedoch kann die Niederlage nur schwer verkraften. Allerdings hat sie sich ihre Chancen selbst verbaut, als sie auf die Frage, für welche Mode das Label denn stehe mit einem ungeschickten „Bauernmode“ antwortet. Die Kundin ist entsetzt! Wie kommt Darya auch nur auf so eine abstruse Idee? Wo doch das pinkelnde Huhn deutlich zeigt, dass es hier um Haute Couture geht! Also wirklich!

Letzte Woche hatte Darya wenig Verständnis für Ericas sichtliche Enttäuschung und erfreute den Zuschauern erneut durch lange Litaneien über erwachsenes Benehmen. Ihr reifes Verhalten beweist sie dadurch, dass sie akut erkrankt, sobald sich der Kunde für Varisa entscheidet (können die Mädels eigentlich mal irgendwohin ohne krank zu werden oder sich zu verletzen). Während Lisa Varisa anfeuert und unterstützt, legt sich Darya auf ihr Sterbebett. Doch diesmal ist es tatsächlich wie im Märchen: Das fleissige Goldmarichen Lisa wird belohnt und darf ebenfalls am Shooting teilnehmen. Das passt Darya überhaupt nicht.

Aber es kommt noch schlimmer für sie: Da wagt es Lisa doch tatsächlich abends gut gelaunt ins Hotelzimmer zu kommen! Und da wagt sie es doch noch sich etwas zu essen bestellen zu wollen! Und hat doch tatsächlich Mühe sich auf Italienisch auszudrücken! Das lässt Darya nicht auf sich sitzen. Sie schreit Lisa an, ob sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe sich etwas zu bestellen, während sie todkrankdarniederliege! Sie habe Fieber und überhaupt keine Stimme mehr! Letzteres beweist sie damit, dass sie Lisa gleich noch eine Runde mehr anbrüllt. Diese ist völlig verdattert und versteht die Welt nicht mehr.

Darya bemüht sich gar nicht erst ihre Eifersucht zu bezähmen, wirft ihrer Konkurrentin taktisches Vorgehen vor und lehnt ihre Entschuldigung ab. Damit beweist unser Püppchen endgültig: Sie steht Erica in nichts nach. Ausser, dass sie blond ist.

Zum Affen machen

Ja, was ist eigentlich mit Erica? Die muss sich gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen durch eine von Heidis Aufgaben quälen: Improvisationstheater steht auf dem Programm. Für die meisten Mädchen eine Qual, doch Heidi wird nicht müde ihnen und den Zuschauern zu erklären, dass man sich als Model eben auch mal zum Affen machen muss. Aha. Das machen die Teilnehmerinnen doch schon seit Wochen, da brauchen sie nun wirklich kein Training mehr dafür.
Und sie beweisen das auch gleich darauf, als sie sich vor Zuschauern in einer peinlichen Impro – Show versuchen. Nur wenigen Mädchen gelingt es ein Lächeln auf das Gesicht des Publikums zu zaubern, beim Rest ist der Gesichtsausdruck eher gequält. Das schlechte Englisch und die noch schlechteren Schauspielqualitäten der Models locken auch wirklich keinen Hund hinter dem Ofen hervor.

Den Vogel schiesst wieder einmal Erica ab. Sie erklärt ihrem etwas rundlichen Bühnenpartner, er solle gefälligst Sport machen und abnehmen. Das Publikum ist entsetzt, denn Erica gibt sich nicht einmal die Mühe so zu tun, als meine sie das alles im Scherz. Es macht ihr sichtlich Spass ihn blosszustellen. Später darauf angesprochen, erklärt sie grossartig, es bringe ihm ja im Leben auch nicht weiter, wenn ihm niemand die Wahrheit sage. Um dir die Wahrheit zu sagen, Mädchen: Deine Art ist zum Kotzen.

Unfreiwillig komisch ist Heidi Klum als sie vor der Kamera Ericas Verhalten als beleidigend und unhöflich wertet. Wohlgemerkt, das sagt ausgerechnet die Frau, die in der vorderen Episode das Selbstbewusstsein junger Frauen zerfleddert hat, indem sie sich über ihre Zähne und Füsse mokiert hat. Es ist auch die Frau, die einem superschlanken Mädchen den Zeigefinger in die nicht vorhandene Taille gebohrt und erklärt hat, das sei alles zu weich und schwabbelig. Höflich ist das auch nicht gerade.

Aber als Topmodel darf man das wohl.

Die ertrunkenen Meerjungfrauen

Im Fotoshooting dieser Woche werden die Mädchen in einen Glasbehälter gefüllt mit Wasser geworfen. Ein Unterwasser – Shooting. Hatten wir auch schon ein paar Mal. Wichtig ist dabei eigentlich nur das Gesicht gegen die Scheibe zu pressen, ungefähr so wie ein Goldfisch, der sich an sein Glas drückt um in die Freiheit zu gelangen.

So dumm stellen sich die Mädchen gar nicht an. Tatsächlich gelingt es den meisten ziemlich gut eine Meerjungfrau zu mimen. Besonders Kiki und Varisa fühlen sich im Wasser pudelwohl. Sandy dagegen kämpft mit ihrem Kleid, das sich ständig selbstständig macht und ihren Busen entblösst, hämisch kommentiert von Heidi Klum mit einem sehr kultivierten Boobies – Alarm.

Nur eine kriegt es nicht hin: Erica. Sie verschluckt sich am Wasser und droht zu Ertrinken! Und es brennt in der Lunge! Grauenhaft! Grosses Drama. Aber selbst für Heidi Klum ist das dann wohl des Dramas zu viel und man ahnt bereits: Erica wird gehen müssen.

Hauptsache nass

Wasser ist auch das Thema der Challenge. Die Mädchen müssen sich auf einen Parkplatz stellen und werden von einem rasenden Auto mit Wasser vollgespritzt. Das Einzige, was sie tun müssen ist cool zu posen und ein verführerisches Lächeln aufzusetzen.

Diese Aufgabe wird von Thomas Hayo gestellt, womit zumindest einer der verschollenen Juroren wieder aufgetaucht ist. Die Bilder sehen eigentlich alle gleich aus, die Mädchen ebenso, aber es gibt zwei Gewinnerinnen dieser Spritz – Challenge: Varisa und Vanessa sehen nass am Schönsten aus. Als Belohnung dürfen sie gleich in die nächste Runde einziehen.

Bedenklich sind allerdings Lauras Äusserungen. Zur Erinnerung: Laura ist ein dünnes, sehr hübsches Mädchen mit Schmollmund und goldenen Haaren. Und genau diese Laura bricht in Tränen aus, als sie ihr Bild sieht. Schluchzend erklärt sie, sie wolle eben immer (!) schön sein und es mache sie so traurig, wenn sie auf einen Foto aussehe, als sei sie schwanger, nur weil sie nicht auf ihre Haltung geachtet  habe. Nach dieser Triade stellt man sich schon die Frage: Ist das eine Castingshow oder ein Auffangbecken für Durchgeknallte?

Wobei sich das ja nicht zwingend ausschliesst.

Goodbye

Kurz danach folgt schon der Entscheidungswalk. Da Joop sich wohl gerade wieder einer Schönheitsoperation unterzieht, nimmt eine Gastjurorin Platz. Erin Wasson. Wie der Name sagt euch nichts? Das ist doch ein sehr angesagtes Model! Sie sieht zwar aus, als habe sie sich aus Stofffetzen aus dem Mülleimer ein Kleid gebastelt, aber hey: Die Frau hat es geschafft!

Ach ja die Kleider: Die Mädchen müssen sich für die Entscheidung gegenseitig stylen. Sie werden in Zweiergruppen gesteckt und müssen ihren Partner anziehen. Viele nutzen das um ihre unliebsame Konkurrentin aussehen zu lassen wie einen behängten Weihnachtsbaum oder wie frisch aus  einem Akt der Dreigroschenoper entflohen.

Zufälligerweise sind Darya und Erica in einer Gruppe. Die beiden sind ebenso wie Heidi Klum der Meinung, dass der Fernsehzuschauer sich Sätze nicht länger als zwei Minuten merken können, denn mit derselben Hartnäckigkeit mit der Klum immer wieder erzählt, dass nur eine Germany’s next Topmodel werden könne, betonen die beiden Damen, dass sie sich nicht ausstehen können.

Die Entscheidung fällt dann auch zwischen den beiden Diven. Erica wird nachhause geschickt. Zu launisch, zu mürrisch, zu rebellisch. Ihrem Selbstbewusstsein tut es keinen Abbruch. Sie posaunt munter, dass man schon noch von ihr hören werde (Gott bewahre) und sie nicht aufhören würde zu modeln (man könnte beinahe Mitleid mit der Modewelt bekommen).

Wahrscheinlich ist Erica nur aus einem Grund rausgeflogen: Darya ist jetzt reif genug um die Rolle der Oberzicke zu übernehmen. Oder wird dieser Kelch jemand anderem gereicht? Interpretiert man die Vorschau richtig, wird Varisa in der nächsten Folge die Rechnung dafür begleichen müssen, dass sie es gewagt hat Erfolg zu haben und zum Buhmann abgestempelt werden.

Denn in der Welt der Schönen und Biester gibt es keine Freundschaft. Nur den Kampf ums Krönchen.   

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