Sonntag, 8. März 2015

Schneiden oder nicht schneiden, das ist hier die Frage






Das Drama geht in den nächsten Akt und dieser hat es in sich: 21 Damen werden zusammen in eine Villa gesperrt, wo sie gezwungen werden gemeinsam ein Bad zu teilen. Aber das ist noch nicht das Schlimmste, nein! Besagten Damen werden auch noch die Haare geschnitten…oder eben nicht geschnitten. Nein, wir sind nicht bei einem Shakespeare – Drama, sondern inmitten der neuen Staffel Germanys next Topmodel!

Kein Berg ist hoch genug

Bevor die Schönheiten jedoch in ihren Käfig gesperrt werden, müssen sie erst Mal Sport treiben. Denn ohne Sport kann man auch kein Model werden, schliesslich soll man sich nicht zu Tode hungern, sondern vielmehr zu Tode rennen, um sich die schlanke Figur zu erhalten. Denn auch wenn man beim Rennen erstickt: Zumindest landet man dann schön dünn im Sarg.

Die sportliche Herausforderung besteht darin, den Berg zur Modelvilla (so nennt man das Gefängnis, wo die Versuchskaninchen aufbewahrt werden) heraufzurennen. Das passt der süssen, kleinen Sara nicht, denn die macht Ballett und Joggen ist bekanntlich schlecht für die Knie. Zu dumm, dass ich das nicht gewusst habe, sonst hätte ich mich vor diesem blöden, obligatorischen Schulsport drücken können.

Gedrückt vor dem Sport hat sich bisher immer Lisa, die bei dieser Challenge (Challenge bedeutet so viel wie: Wir stellen den Mädchen irgendeine bescheuerte Aufgabe und sehen zu, ob sie diese auch brav machen)  auch an ihre Grenzen kommt und beinahe kollabiert. Obwohl sie fast umkippt wird sie vom Personal Trainier (Leute, die dafür bezahlt werden dich anzuschreien und zu quälen) angefeuert, denn schliesslich geht es nicht nur um eine simple, sportliche Aufgabe, sondern um den Traumjob als Model! Das stellt sogar die Mission Weltfrieden in den Schatten. Aber auch die arme Lisa schafft es schlussendlich in die Villa. Wahrscheinlich wird sie sich in den nächsten Wochen wünschen, sie hätte sich diesen Sprint erspart und stattdessen das Taxi zum Flughafen genommen.

Meine Dusche, meine Dusche, MEINE DUSCHE!

Die Gewinnerin dieser Challenge ist Daniela, die prompt dafür bestraft wird und die nächste Woche die Schlummermutter spielen darf. Beziehungsweise sie darf die Nanny für eine Horde pubertierender Nachwuchsmodels spielen. Ihre erste Amtshandlung ist es, die Zimmer einzuteilen. Sie bemüht sich sehr, es vor allem sich selbst recht zu machen und teilt sich und ihre Busenfreundinnen gleich in das schönste und grösste Zimmer ein. Schliesslich will man standesgemäss als Prinzessin wohnen.

Die Aschenbrödel der Gruppe dagegen, dürfen sich zu acht ein Zimmer teilen, das sinnigerweise über keine Dusche verfügt. Als die Mädchen daraufhin Königin Daniela bitten, das Badegemach von ihr und ihrem Gefolge mitbenutzen zu dürfen, werden sie kalt abgewiesen. Denn die Dusche mit anderen Mädchen nutzen: Das kommt vor allem bei Darya nicht in die Tüte! Da drängt sich doch die Frage auf: Haben die Mädchen, die grösstenteils noch bei ihren Eltern leben, zuhause etwa auch ein eigenes Badezimmer? Oder müssen sich ihre armen Mitbewohner im Garten mit dem Schlauch abspritzen?

Tränen lügen nicht

Am nächsten Tag soll die ganze Meute sich zum Friseursalon begeben. Königin Daniela sammelt ihr Gefolge um sich, doch zu ihrem Missmut, eilen nicht alle Jungfrauen zu ihr, weshalb sie noch mal von Zimmer zu Zimmer geht, um sie daran zu erinnern, wer hier die Chefin ist. „Bei Mädels, die doch eigentlich erwachsen sind, sollte das ja nicht nötig sein“, mosert Darya. Erwachsen? Ja, wo sind denn die Erwachsenen in dieser Sendung? Ich würde die gern mal kennenlernen.

Dann geht es gleich zum radikalen Umstyling, das ja dann meist doch nicht so arg ausfällt. Heidi wartet bereits, gemeinsam mit Wolfie und Thomas Mayo. Aber dann o Schreck! Nicht alle Mädels werden ordentlich zurechtgestutzt, sondern nur ein paar Auserwählte! Das war allerdings schon immer so, denn auch eine Barbara Meier oder Rebecca Mir durften damals ihre Mähnen behalten. Und trotzdem fliessen bei Sara die Tränen. Sie finde es ungerecht, dass nicht allen die Haare geschnitten werden. Damit ist Thomas völlig überfordert, denn das hat es wirklich noch nie gegeben, das sich jemand darüber beschwert, nicht umgestylt zu werden.

Aber es kommt noch ärger für Thomas. Er wird von Erica zur Schnecke gemacht. Diese bekommt eine aufreizend lila Haarfarbe und ist damit gar nicht glücklich. Nicht nur, dass diese unfähigen Friseure ihr diese unsägliche Farbe ins Haar schmieren, nein, sie versuchen auch noch ihren Kopf in Brand zu stecken! Denn unter der Trockenhaube wird ihr Kopf so heiss, dass sie panisch nach Thomas ruft  und ihm erklärt, es jucke und brenne und tue überhaupt ganz arg weh. Es könnte natürlich auch einfach sein, dass die Farbe einwirkt, aber wahrscheinlich war es schon ein Mordanschlag auf die aufsässige Kandidatin.

Die erwachsene Darya beweist ihre Reife, in  dem sie   in Tränen ausbricht, weil sie einen Stufenschnitt bekommt. Sie mag keine Stufen, schnüffelt sie in die Kamera. Auch die Haarverlängerungen können sie nicht trösten, denn die sind total billig und sie könnte sich die auch im Internet oder sonst wo kaufen.

Bei so viel Hysterie kann man nur Mitleid mit den Friseuren haben, die inmitten all dieser Tränen, Schluchzer und hirnrissigen Aussagen versuchen müssen, schöne Schnitte hinzukriegen. Wahrscheinlich verspürte der eine oder andere Frisör den Drang, die Schere nicht nur zum Haare schneiden zu nutzen, sondern sie noch an ganz anderen Körperteilen der Models auszuprobieren.

Sogar der dauerverständnisvolle Thomas ist nur noch gereizt. Das kann man ihm auch nicht verdenken, denn er muss diesen Zirkus aushalten, während Heidi lieber kluge Kommentare beim Fotoshooting abgibt und Wolfie seiner Muse frönt. Sprich, er zeichnet Porträt von den Kandidatinnen und philosophiert über Schönheit und Künstlertum. Vor allem aber philosophiert er über sein liebstes Thema: Sich selbst.

Die krassesten Umwandlungen

Ja, das Umstyling fiel bei der einen oder anderen tatsächlich etwas grösser aus. So sieht Chiara, liebevoll Kiki genannt, nun ein bisschen aus wie ein explodierter Pudel. Dennoch muss ich zugeben: Sie wächst mir ein bisschen ans Herz, die kleine Schminkdose. Zumindest lacht sie immer, statt zu weinen und beweist sogar einen gewissen Sinn für Humor, auch wenn ihre Sprache zu wünschen übrig lässt. Dennoch ist man versucht zu applaudieren, als Kiki den kichernden Backfischen Laura und Lena die Meinung geigt: Denn wer so jung, aber schon so verlogen und selbstverliebt ist, dem gebührt eine Standpauke.

Eine andere, die ein krasses Umstyling über sich ergehen lassen musste, ist Lisa, deren ohnehin schon recht kurzes Haar noch kürzer geschoren wird. Lisa hat das Spiel allerdings schon begriffen und weiss, dass es die Jury liebt, wenn man solche Veränderungen klaglos über sich ergehen lässt, statt auf der eigenen Individualität zu beharren. Erstaunlicherweise ist Lisa dann bei dem nachfolgenden Fotoshooting auch die Beste und wird auch ansonsten als Juryliebling hochgejubelt, während die launische Erica laut Heidi Klum, nicht wandelbar genug ist und zu böse wirkt. Wobei Heidis Anweisungen auch ziemlich schwer umzusetzen sind, denn wie genau macht man zum Beispiel den Mund mehr sexy?

Ach ja, das Fotoshooting. Eigentlich verdient das diese Bezeichnung gar nicht. Alles was die Mädchen tun müssen ist, sich in Bettlaken oder Hemden gehüllt vor der Kamera zu räkeln. Dieses Foto ist dann ihre Visitenkarte bei Castings. Das sind also die versprochenen bahnbrechenden Fotoshootings? Wo sind die Ballons, wo sind die Elefanten und wo sind die Nacktbilder? Wobei Sara schon mit dieser Aufgabe überfordert ist, denn sie kann nicht gleichzeitig das Bettlaken festhalten und auf ihren Gesichtsausdruck achten. Die Frage, wie sie dann gleichzeitig atmen und essen kann, bleibt im Raum stehen.

Jede ist sich selbst die nächste

Erstaunlich ist der grassierende Egoismus unter den Mädchen. Statt sich gegenseitig zu stützen und zu helfen, will jede für sich die grössten Vorteile herausschlagen. So entscheidet Teamchefin Daniela, dass sie am Entscheidungstag den Walk anführen wird, denn schliesslich will sie diese Gelegenheit nutzen, um zu brillieren. In dieser Haltung wird sie von Modelmama Heidi auch noch gleich unterstützt, die findet, dass hätte sie in dieser Situation genauso gemacht. Ein Blick in diese kalten, braune Augen reicht um zu wissen: Sie hätte ihren Konkurrentinnen vermutlich auch noch Abführmittel gegeben.

Am Tag der grossen Entscheidung stöckeln die Mädchen in blumenbedruckten Gardinen vor die Jury, die sie mit Argusaugen beobachtet. Wirklich spannend ist das Auswahlverfahren aber nicht. Wie erwartet kommen Juryliebling Lisa und Oberzicke Erica ebenso weiter, wie siebzehn andere junge Mädchen. Ja, Darya, das sympathische Wesen ist auch weiter, inklusive Stufenschnitt, der sie übrigens nur deshalb so in Rage gebracht hat, weil die Frisörin so planlos drauflos geschnitten hat. Für jemanden, der sein Geld damit verdienen will, planlos über einen Laufsteg zu schreiten, ist das eine ziemlich gewagte Aussage, aber hey: Nur eine kann Germany’s next Topmodel werden! Und der Rest wird eben eine planlose Frisörin.

Raus sind Laura (dummerweise die nette) und noch eine, deren Namen ich vergessen habe.  Beide gehörten eher zu den Scheuen und damit auch eher zu den Sympathischen, denn momentan stellt sich jede Kandidatin, die den Mund aufmacht, als wandelnde Egoistin heraus. Dass so viel Selbstverliebtheit auf einen Bildschirm Platz hat, ist wirklich erstaunlich. Aber Selbstverliebtheit wird ja auch gerne mit Selbstbewusstsein verwechselt. Oder mit der berühmten Persönlichkeit.

Nächste Wochen geht der Zickenkrieg in die nächste Runde. Da sind wir doch schon gespannt, was diesmal der Anlass sein wird. Hat jemand Daryas Extensions geklaut? Oder Ericas Haare grün gefärbt? Wird Thomas Mayo endlich mal so richtig auf den Putz hauen? Wird Laura sich in ihr eigenes Spiegelbild verlieben? Fragen über Fragen!

Sie alle werden beantwortet in der nächsten Folge: Germany’s next Narzisstin!

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