Montag, 23. März 2015

Schlimmer geht immer



Ja, immer wenn man denkt, jetzt ist das Niveau von Germanys next Topmodel schon ganz unten, kommt die nächste Folge und es wird einem wieder klar: Doch, es geht noch ein kleines bisschen dümmer. Herzlich Willkommen im Zoo der fantastischen Heidi Klum, wo sich bezaubernde Schwäne in boshafte Raben verwandeln und die Zoodirektorin das gegenseitige Zerfleischen mit huldvollem Lächeln beobachtet.

Alles noch einmal
Den Dompteuren gehen allerdings die Ideen aus, weshalb wir in dieser Staffel nicht einmal in den Genuss neuer Shootings kommen, sondern einfach noch einmal die schwierigsten und spektakulärsten Fotoshootings – also die, bei denen man am ehesten mit heftigen Ausbrüchen rechnen kann -  wiederholt werden. Deshalb dürfen sich die Grazien in wehenden Kleidern aus einem Helikopter hängen und sich dabei im besten Fall nicht nur eine Blasenentzündung, sondern auch noch ein schönes Foto holen.

Heidi Klum lässt es sich nicht nehmen, die Sendungszeit dafür zu nutzen, erneut auf die Schwierigkeiten des Modellebens aufmerksam zu machen, denn der Job ist ja so hart, dass dagegen sogar der Job eines Bombenexperten ungefährlich und einladend wirkt. „Das sollen die Zuschauer zuhause auf dem Sofa erstmal nachmachen“, quietscht die Modelmama in die Kamera. Ja, wenn ich je das Bedürfnis verspüre meine Seele gegen High Heels zu tauschen, werde ich mir die Jogginghose vom Leib reissen, mich an ein Flugzeug klammern, dabei mit den Beinen zappeln und rufen: „Ich bin ein Topmodel!“ Denn mehr braucht es offenbar nicht um Geld zu verdienen.

Leider enttäuschen die Mädchen die Erwartungen der Produzenten. Fast ausnahmslos alle ziehen das Shooting durch und das eigentlich ohne grosses Drama. Bis auf Erica. Die ach so taffe Schönheit bricht beim Anblick des Helis in helle Panik aus. Verdenken kann man ihr das eigentlich nicht, doch dann geschieht das Wunder: Kaum geht es ans Fotografieren bietet sie eine richtig gute Show und ist eine der besten. Ein kluger Zuschauer vermutet da ein grosses schauspielerisches Talent und ein Hang sich ständig zu exponieren. Aber da irrt sich der kluge Zuschauer, natürlich ist das nicht berechnend gehandelt, nein, das nennt man Professionalität. Laut Heidi Klum.

Erwähnenswert ist der Fotograf Kristian Schuller, der tatsächlich tolle Bilder hinkriegt. Erstaunlicherweise schafft er es aus herumzappelnden Beinen und Armen richtige Geheimagentinnen zu zaubern und selbst das ausdrucksloseste Gesicht in einen Vamp zu verwandeln. Auch wenn seine Bemerkungen auch nicht gerade besonders geistreich sind. So sagt er über Alles – Könnerin Lisa: „Ihr Gesicht war immer da.“

Ja, das wollen wir doch mal hoffen.

World of Fashion

Immer noch werden drei Kandidatinnen in die Welt hinausgeschickt. Oder sollte man eher sagen: 
Auf die Welt gehetzt? In diesem Fall geht es für Sara, Varisa und Ajsa nach Dubai. Leider hat sich Varisa im Vorfeld lebensgefährlich verletzt. Sie ist nämlich beim Shooting umgeknickt und hat sich beide Knie aufgeschürft. Während des langen Flugs schwillt das Bein auf mindestens das Doppelte an und Varisa muss sich ins Krankenhaus schleppen. Kommt sie durch? Ja, am Ende ist trotz viel Drama und tieftrauriger Musik alles halb so schlimm. Varisa versaut den Regisseuren allerdings das Drehbuch. Statt eine Panikattacke zu bekommen, bleibt das Nachwuchsmodel ziemlich locker und kommentiert das Ganze mit einem sarkastischen: „Schönes Modelleben.“

Kurz darauf der nächste Schock: Der Designer ist Mike Shiva! Zumindest sieht er so aus, spricht so und bewegt sich auch so. Er ist so süsslich, dass ein Kinderriegel im Gegensatz dazu sauer wirkt. Dass sich selbstbewusste Frauen von solchen selbstverliebten, parfümierten Gockeln beurteilen lassen: Das bleibt wohl für immer ein Rätsel. Nachdem der Meister in sich gegangen ist, trifft er seine Entscheidung ohne grosse Umschweife: Ajsa und Varisa dürfen seine Mode präsentieren. Sara geht leer aus.

Auch der aus der Rocky Horror Picture Show entflohene Wolfgang Joop lässt es sich nicht nehmen, die Mädchen in seine Mode zu kleiden. Mode ist hierbei eher ein Synonym für furchtbare Fetzen, denn was er diesen zarten Frauengestalten umhängt ist irgendeine seltsame Mischung aus Bettlaken, Satteldecke und Geschirrtuch. Aber das ist eben auch World of Fashion: Kleider, die kein Mensch anziehen würde, ausser er ist farbenblind oder bekifft oder beides gleichzeitig.

Schöner Wohnen

Erstaunlich ist nach wie vor das Verhalten der Mädchen. Die Villa hat sich innerhalb von kurzer Zeit in einen Saustall verwandelt. Aber kommt irgendeine von ihnen auf die Idee einfach mal selber aufzuräumen? Nein. Dass darf Teamleaderin Neele übernehmen, über die viel gekichert wird, weil sie immer so leise spricht und sich nicht durchsetzen kann. Ja, aber von Mädchen in dem Alter kann man erwarten, dass sie selbst Geschirr spülen können und nicht ständig daran gemahnt werden müssen. Aber wahrscheinlich fällt Neele durch ihr Bitte und Danke tatsächlich auf, denn das sind Wörter, die den anderen schlichtweg unbekannt sind. Schliesslich müssen sich eher andere Leute bedanken, dass ihnen die Ehre zuteilwird, ihnen hinterherräumen zu dürfen.

Teamleaderin ist Neele übrigens mehr zufällig geworden. Ursprünglich hatte sich Erica für das Amt gemeldet, beziehungsweise es an sich gerissen. Denn andere Kandidatinnen, welche die Pflicht gerne übernommen hätten, drückt sie mit ihrem Geschrei an die Wand. „Bleibt ja sowieso immer alles an mir hängen“, dröhnt sie herum und schiebt gleich ein: „Ihr seid mir unterworfen“, hinterher. Aber bald merkt die hauseigene Modeldiktatorin, dass sie nicht nur Privilegien hat, sondern auch Pflichten. Also schmeisst sie lieber ganz schnell wieder hin und überlässt Neele den undankbaren Job, zur sichtlichen Erleichterung der Mädchen.

Und immer wieder Erica…

Und dann ist er da! Der Livewalk! In Wolfgang Joops Klamotten! Wir sehen eine Parade von geschmacklosen Teppichen, vorgeführt von totenblassen Mädchen mit zerzausten Haaren. Nun ja, wahrscheinlich hat sich Wolfie die Inspiration gleich in der Show geholt und sich gedacht: Wie sehen die Mädchen wohl nach all diesen Wochen unter Klums Fuchtel aus?

Ich bin übrigens ohnehin der Überzeugung: Entweder ist Erica eine engagierte Schauspielerin, eine Psychopatin oder ihr hat noch niemand den Hintern richtig versohlt. So sehr es für sie spricht, dass sie sich dem Konzept der Sendung hin und wieder verweigert, so sehr mangelt es ihr an Stil. Da wird rumgemotzt und rumgemosert, gestöhnt und gelästert, vor allem aber: Geschrien. Natürlich kommt sie weiter, denn es besteht ja die Hoffnung, dass sie noch ein bisschen mehr ausrastet. Und trotzdem zeugt es deutlich davon, worum es in der Show geht. Ginge es nämlich wirklich darum Models auszubilden, würde man sie sofort heimschicken, denn welcher Fotograf, der noch alle Sinnen beisammen hat, würde sich mit einem Mädchen abärgern, dass sich über die Kleider aufregt, das Team anmotzt und sich aufführt wie frisch aus der Spielgruppe zu entlassen.

Verlassen müssen die Show Lena, Daniela und Jovana. Besonders um Letztere tut es mir leid, denn auch bei ihrem Abgang beweist sie Haltung, Manieren und Stil. Das geht Lena eher ab, denn sie hat sich ja immer als die Schönste angesehen. Aber auf sie warten ja ganz viele Agenturen, betont sie. Ach, Mädchen es gibt so viele schöne Jobs. Zum Beispiel Löwenbändigerin. Das ist bedeutend entspannter.



  
 

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