Montag, 30. März 2015

Rotzgören unter sich



Ja, man muss froh sein, dass der Sendungstitel ständig eingeblendet ist, denn sonst käme niemand auf die Idee, dass es sich um eine Modelshow handelt. Statt Fotoshootings und Castings gibt es nämlich gefühlte vier Stunden Seifenoper gemischt mit einer erschreckend hohen Portion Big Brother. Selbst Wolfgang Joop ist vor so viel künstlichen Drama wohl geflüchtet: Er taucht in der Sendung gar nicht erst auf.

Aloah!

Die Episode beginnt damit, dass drei Mädchen zu einem Casting dürfen. Zufälligerweise müssen ausgerechnet Darya und Erica, die sich auf den Tod nicht leiden können, gemeinsam nach Hawaii reisen, gemeinsam mit Jüli, die sich dem allgemeinen Freudentaumel nicht anschliesst, sondern eher gequält in die Kamera lächelt. Zufälligerweise findet das Casting in Hawaii statt, damit die Mädchen auch ja schön weit reisen können. Zufälligerweise ist der Kunde wieder ein Deutscher. Zufälligerweise braucht es wieder nur zwei Mädchen für den Job (deshalb macht es ja auch TOTAL Sinn drei Mädchen hinzuschicken, die sich nicht einmal vom Typ her ähneln). Und zufälligerweise ist es Erica, die bei dem Casting leer ausgeht. Darya und Jüli bekommen den Job.

Erica ist stinksauer. Verdenken kann es man ihr eigentlich nicht, denn die Aufgabe war wirklich noch dämlicher als das Rollerblades fahren in den Episoden vorher. Die drei Mädchen mussten einzeln, im Bikini, mit einem Surfboard unter dem Arm den Strand entlangrennen, wobei die Männer ausgiebig ihren Hintern betrachten konnten und geistreiche Kommentare abgaben. Irgendjemand muss es ja machen, wenn unsere Wachsfigur gerade im Urlaub ist. Besonders anmutig stellt sich keines der Mädchen an, alle drei trampeln durch den Sand und schleppen das Board mit sich, als sei es ein gerade verstorbener Wal.

Aber nur Erica ist so doof, keuchend beim Kunden anzukommen, sich zusammenzukrümmen und darüber zu klagen, sie habe sich die Rippen mit dem Board gestossen. Ach, Erica, natürlich bist du für den Job nicht geeignet, wenn du nicht einmal die lebenswichtige Eigenschaft besitzt am Strand entlang zu rennen, ohne dich lebensgefährlich zu verletzen!

Dass der Kunde es wagt, die wasserstoffblonde Darya ihr vorzuziehen, ist für Erica schwer zu verkraften und sie gibt sich auch gar nicht erst Mühe ihren Unmut zu verbergen. Sie beweist erneut ihre charakterliche Stärke und ihre Reife, indem sie einfach abhaut, ewig nicht auftaucht und ihren Konkurrentinnen das Shooting vermiest, indem sie einen Schmollmund zieht und sichtlich grollt.

Verschmiert läuft nicht wie geschmiert

Aber bereits am nächsten Tag ist Erica wieder in Deutschland und schlüpft auch gleich wieder in eine neue Rolle: Jetzt gibt sie den überdrehten Sonnenschein und nervt die sichtlich übermüdeten Mitstreiterinnen mit schrillen Lachern. Diese nutzen die Gelegenheit um ordentlich Dampf abzulassen und es wird klar: Erica ist schuld an der schlechten Stimmung! Und auch für die Klimaerwärmung! Und am Terrorismus!

Das Shooting ist ein Bodypainting, das heisst übersetzt die Mädchen werden nackt vor die Kamera gezerrt, aber wenigstens noch bemalt. In diesem Fall werden ihnen zusätzlich Mehlsäcke über den Kopf geleert und furchtbarer Schmuck umgehängt. Doch, oh Schreck, das Shooting läuft nicht gut! Liegt vielleicht daran, dass die Mädchen nicht wie  kunstvolle Ikonen aussehen, sondern einfach wie verschmierte, junge Frauen.

Aber laut Heidi liegt es einfach am vielbeschworenen Gesichtsausdruck, der nicht genug Emotionen transportiert. Natürlich haben die Mädchen keinen schönen Gesichtsausdruck! Sie frieren sich halb zu Tode und ihnen wird Mehl in die Augen geschüttet! Wie sollen sie da lächeln?
Auf jeden Fall ist niemand beim Shooting richtig gut. Wer ist schuld? Erica!

What a Man!

Erica geht auch mir als Zuschauer gehörig auf den Geist. Wahrscheinlich ist es ihre Aufgabe Pep in die Show zu bringen, denn freiwillig würde doch niemand ein solches Auftreten zeigen. Wobei, vielleicht ist sie auch einfach nur ein bisschen irre.  Die Aggressivität gegenüber den anderen Mädchen, das krankhaft anmutende Selbstbewusstsein, die Allüren eines Superstars, das plötzliche Weinen, wenn sie von ihren Emotionen überwältigt werden, das Quengeln beim Fotoshootings…es scheint als vereine sich in ihr jeder Antityp, der je bei GNTM war. Zufall? Wohl kaum.

Aber ohnehin sind Sympathieträgerinnen in dieser Staffel rar gesät. Auch Ericas Intimfeindin Darya kommt eigentlich nur deshalb nicht mit ihr klar, weil sie ihr so ähnlich ist. Dasselbe Auftreten, dieselbe Sprache, dieselbe Rücksichtslosigkeit. Sympathisch ist Kiki, die versucht mit einer direkten Aussprache die Wogen zu glätten…und an den Diven gnadenlos scheitert. Zum Dank darf sie sich von Erica aus dem Zimmer schmeissen lassen.   

Die unsympathischste Diva ist aber nach wie vor Heidi Klum, die mit ihrem üblichen diabolischen Grinsen in die Villa marschiert und die Mädchen dazu verdonnert sich abzuschminken und – mal wieder – Bikinis anzuziehen. Danach betrachtet sie die abgemagerten durchtrainierten Körper mit Argusaugen und zieht vor der Kamera über angebliche Makel ihrer Mädchen her. Das Ganze erinnert sehr an die Betrachtung von Zuchtstuten, schliesslich werden sogar die Zähne betrachtet. Es fehlt nur noch, dass Heidi vor der Kamera darüber anfängt zu philosophieren, ob die Becken ihrer Mädchen breit genug sind, um weitere schöne Models zu gebären.

Nachdem Zähne gebleicht, Krallen gestutzt und Härchen gezupft wurden, wartet Heidi mit der nächsten Challenge auf: Diesmal müssen die Mädchen gemeinsam mit attraktiven Männern shooten. Vorgesehen war natürlich, dass die Girls sich weigern, denn sonst fiel den Mädchen ja bei diesen erotischen Fotos immer siedend heiss ein, dass zuhause ja ein eifersüchtiger Freund wartet…doch nix da! Vielleicht lag es an der erlittenen Demütigung durch Heidi Klum, aber auf jeden Fall warfen sich die Models auf die Männer, als wären sie ein riesiges Stück Schokolade.

Die Aufgabe ist natürlich wieder wahnsinnig kreativ. Die Mädchen sollen ein Foto unter dem Motto Traumdate schiessen. Die Umsetzung davon entspricht dem Konzept der Sendung: An den Haaren herbeigezogen. So tummeln sich Kiki und Laura als Eva nackt im Blätterwald, während Darya mit ihrem Typ gleich ins Bett springt und Jüli sich eine Gefängnisszene ausdenkt. Ja. Traumdate…

Hoch hinaus und tief hinunter!

Weil das mit den Jungs nicht so gut geklappt hat, versucht man etwas anderes um die Mädchen noch mehr aus der Fassung zu bringen: Man verlegt die Entscheidung auf das Dach eines Hochhauses. Dazu werden die Mädels erneut in furchtbare Klamotten gesteckt und sie müssen trotz schwindelnder Höhe lächeln und posen. Aber auch hier: Sie tun es ohne gross zu murren. Denn schliesslich kann nur eine Germanys’s next Topmodel werden und dafür kann man schon mal riskieren sich den Hals zu brechen.

Rausgeworfen werden Irene und Neele. Das liegt nicht etwa an mangelnden Modelqualitäten, sondern daran, dass beide ausgeglichene Charaktere sind…schickt man sich nachhause steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Models gegenseitig an die Gurgel gehen.
Und Erica? Die kommt weiter! Sie ist einfach zu sehr Hexe, um sie aus Klums Märchenwelt zu werfen. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen