Freitag, 27. Februar 2015

Von Äpfeln und Schuhen




Das Märchen von dem einfachen Mädchen, das von der bösen Stiefmutter zur schönsten Prinzessin von Deutschland gekürt wird geht in eine weitere Runde. Die stolzen Schwäne können zum ersten Mal ihre unschuldig weissen Flügel ausbreiten und für einen überkandidelten Designer über einen Laufsteg stolpern….äh, ich meine natürlich schreiten.

Wer trägt den hässlichsten Bikini?

Aber der Reihe nach. Bevor es zum ersten richtigen (und natürlich superschwierigen) Laufstegjob kommt, müssen die Schönen noch den obligatorischen Bikini – Walk hinter sich bringen. Dabei geht es aber weniger um die Frage: „Wer ist die Schönste im ganzen Land“ sondern vielmehr um „Wer trägt den hässlichsten Bikini?“. Tatsächlich verblüfft es mich immer wieder, dass dieselben Damen, die sich standhaft weigern, sich abgeschminkt zu zeigen, ohne zu mosern dermassen abscheuliche Kleidungsstücke überziehen. Im Bemühen die Kandidaten ganz „natural“ zu zeigen, werden da Teile ausgegraben, die den Namen Bikini kaum verdienen, sondern im Lexikon eher unter dem Eintrag „Wüste Stofffetzen“ zu finden wären.

Der Sinn des Bikini Walks? Nun man will die Mädchen mal ganz natürlich zeigen. Ich wäre ja dafür, sie gleich am Morgen zu fotografieren, denn so bekämen wir sicher ganz natürliche Einblicke in diverse Hautunreinheiten und morgendliche Speichelfäden. Aber natürlich meinen die Juroren mit natürlich nicht das. Natürlich ist in der Modebranche, wer sich nur 1 Kilo statt 2 Kilo Make – up ins Gesicht schmiert und zum pinken Lipgloss statt zum feuerroten Lippenstift greift.

„Ich will mit denen nichts mehr zu tun haben!“

Da präsentieren sich also hübsche Mädchen mit ellenlangen Storchenbeinen und professionell gezogener Schmolllippe der Jury, in dem sie mit dem Po wackeln und den Pferdeschwanz über die Schulter werfen. Geistreiche Kommentare besagter Jury bleiben bei dieser Performance natürlich nicht aus. So bemerkt Thomas Hayo bei einer Kandidatin, ihr Körper sei ein wenig zu gerade. Aha. Wahrscheinlich sind krumme Körper eben genauso „Fashion“ wie weit auseinander stehende Augen.

Und dann kommt auch schon die gefürchtete Entscheidung. „Wenn ich gehen müsste, wäre das ein Weltuntergang“, bemerkt Kandidatin Chiara, die vom hauseigenen Make - up Artist Boris noch schnell umgeschminkt wurde (abgeschminkt kann man das beim besten Willen nicht nennen) und jetzt tatsächlich nicht mehr aussieht wie eine in Mehl getauchte Barbie. Zum Glück für die Welt ist sie dann doch weitergekommen.

Julia allerdings nicht. Wir erinnern uns: Julia war die Dame, die sich auf die Drehscheibe gelegt hat um sich optimal zu präsentieren. Gescheitert ist sie aber wohl nicht an ihrem Drang sich auf dem Boden zu wälzen, sondern vielmehr an ihrer Ähnlichkeit zu Chiara. Aber obwohl sie mit freundlichen, wenn auch nichtssagenden Worten in die Freiheit entlassen wird, schimpft die superblonde Modelanwärterin auf die Jury, mit denen sie nie mehr etwas zu tun haben will. Sie will jetzt ihre Ausbildung fertigmachen…nun Mädchen, dafür hast du einen kräftigen Applaus verdient.
Einen grossen Applaus hat Dennis verdient, der sich als Mädchen ausstaffiert der Jury präsentiert. Überraschenderweise kommt der freundliche Junge nicht weiter. Schade. Er hätte den Mädels sicher gut getan.

Wenn die Arroganz lange Beine hat

Denn so schön die Mädchen zweifellos sind, so selbstbewusst präsentieren sie sich auch. Das beweisen besonders zwei Damen, die sich auch nicht grün sind, denn wenn zwei die Beste sein wollen, ist ja zumindest eine im Irrtum. Die Rede ist von Sarah und Laura, beide jung, beide mit Engelsgesichtern…und beide zeigen ihre Krallen.

Beide vermiesen auch das kameradschaftliche Bild, als die Kandidatinnen gemeinsam im Hotel für den nächsten Laufstegjob üben. Denn Sarah wittert in der selbstbewussten Laura wohl eine ernstzunehmende Konkurrentin und erklärt ihr auch gleich, sie laufe zu weit nach hinten gebeugt. Naja, Sarah weiss eben noch nicht, dass krumm gehen modern und aufgeschlossen ist.
Ja, Sarah hat riesiges Zickenpotential. Sie wird uns wohl noch lange erhalten bleiben.

Über Kieselsteine musst du gehen

Am nächsten Tag müssen die Models zum ersten Mal Designerroben vorführen. Weil Designer aber nun mal kreative und künstlerische Menschen sind, ist der Laufsteg nicht die üblich glänzend weisse Fläche, sondern ein mit Kieselsteinen übersäter Weg. Da fasst man sich als Zuschauer schon an den Kopf. Soll das irgendeinen symbolischen Charakter haben à la dieser Weg wird kein leichter sein? Oder will sich der Designer auf diese Art und Weise möglichst schnell Klums Nachwuchsmodeln entledigen ganz nach dem Spruch: „Töte es, bevor es Eier legt“? Aber wahrscheinlich ist es eben auch einfach fashion, wenn sich ein Model beim Präsentieren von Kleidern den hübschen Hals bricht.

Aber eben man ist bei Germany’ s next  Topmodel und nicht bei einem Kindergartenausflug! Denn bei dieser Show macht man nun mal die härtesten Sachen, verkündet Mama Klum strahlend in die Kamera. Aha. 50 Shades of Heidi wäre wohl ein passender Name für die nächste Staffel, wenn es denn eine nächste gibt.

Zähne zusammen beissen und durch, sagen sich da wohl die Mädchen und versuchen das ganze überraschend professionell in Angriff zu nehmen. Nur eine fühlt sich ungerecht behandelt: Sarah. Da wählt doch der Designer ausgerechnet die krumm gehende Laura als Eröffnung der Show. Und das obwohl er sich nicht mal alle Mädchen angeguckt hat, denn sonst hätte er wohl gesehen, dass es nur eine Königin gibt: Nämlich Sarah. Laura kann ihren Triumph dann auch nicht verbergen, sondern fragt mit unschuldigem Augenaufschlag: „Dann bin ich also die Wichtigste?“ Ja, natürlich, meine Süsse. Weisst du, die  Kleider sind für die Modebranche eher Nebensache.

Als würde diese erlittene Schmach nicht reichen, werden Sarah auch noch die allerflachsten Schuhe zugewiesen! Das ist ja wohl die Höhe! Sie ist eine der Kleinsten, da braucht sie doch Mörderabsätze! Auf den Kieselsteinen sowieso! Sie klärt auch gleich den Designer auf, dass die anderen Schuhe viel besser wären…und dann glaubt dieser besser zu wissen, wie seine eigene Kollektion am besten aussieht! Frechheit! Diesen Ungerechtigkeiten begegnet Sarah mit einer Tränenflut, die auch durch Ericas sanften Hinweis, das sei schliesslich ihr Job, eher verstärkt als gebremst wird.

Doch trotz dieser Manipulationen schaffen es alle Mädchen auf den Laufsteg und präsentieren mehr oder weniger charmant wunderschöne Abendroben, wobei die einen – unbegreiflicherweise – mit ihren Pfennigabsätzen im Kies stecken bleiben, während andere sich in ihren seidenen Fahnen verheddern.

Und wer sind nun die Mädchen der Neuen Staffel?

Am Ende wird dann ausgesiebt, denn schliesslich kann nur eine Germany’ s next Topmodel werden. Pari wird es leider nicht. Obwohl sie echten Mut bewiesen hat und der Jury gestand, dass sie früher ein Mann war…sie ist wohl doch zu unkonventionell für die Marke Topmodel. Schade. Aber 23 kreischende Mädchen werden in bunte Taxis verfrachtet und zum Flughafen gefahren. Denn es geht nach L.A! Riesenüberraschung, denn es geht bei Heidi Klum ganz selten in ihre Walheimat.
Wer die 23 Mädchen sind, werden wir wohl in den nächsten Wochen erfahren. Aber ja, es sind durchaus auch noch andere dabei als Laura und Sarah. Hoffentlich kommen die in den nächsten Folgen auch mal zu Wort.

Was kommt?

Wobei es nächste Woche weniger ums Reden geht als vielmehr um‘ s Haare schneiden! Umstyling! Und die Typveränderung stösst wie üblich auf wenig Gegenliebe. Oder um es mit den Worten eines sichtlich erschöpften Thomas Hayo zu sagen: „Ich weiss generell nicht wie ich es den Mädchen recht machen kann.“
Recht hat er.






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