Donnerstag, 26. Februar 2015

Sie stöckeln wieder



Sie stöckeln wieder

Sie stöckeln wieder – und damit sind nicht die Enten aus dem Tierpark gemeint, sondern Klums Nachwuchsmodels, von ihr auch liebevoll als die Mädchen betitelt. Die Castings sind nun endgültig gelaufen und wir kommen langsam aber sicher wieder in den Genuss von nie dagewesenen Fotoshootings, aufsehenerregenden Laufstegjobs und dem knallharten Modelbusiness. Dazwischen gibt es demonstrative Fressorgien (auch wenn wir aussehen wie eine Spargel auf zwei Beinen, essen wir VÖLLIG normal), Tränenfluten (ich will den nicht küssen. Ich habe einen Freund) und natürlich die schönsten Zickenkämpfe (sie hat den schöneren BH als ich!). Ja, ich gebe es ganz offen zu: Ich liebe Germany ’s next Topmodel!

Der Wolle, die Heidi und der Thomas

Auch dieses Jahr tritt eine absolut kompetente Jury als Dompteure im Modelzirkus auf. Sie setzt sich aus dem schönheitsoperierten Alien  Wolfgang Joop, der immer lächelnden, voll funktionstüchtigen Barbie Heidi Klum und dem supercoolen Thomas Hayo zusammen. Wie bei der letzten Staffeln bemüht man sich die Jury von ihrer betont lustigen Seite zu zeigen, was allerdings gründlich in die Hose geht, denn dieses gezwungen ungezwungene  Verhalten erinnert etwas gar an einen bemühten Faschingsauftritt.

Dennoch kann man zumindest dem Gruselgespenst Wolfgang Joop einen gewissen Charme nicht absprechen. Obwohl er eitel ist wie ein Pfau und so von sich selbst überzeugt, dass Dieter Bohlen im Vergleich zu ihm geradezu demütig und bescheiden erscheint. Aber zumindest scheint er einen echten Draht zu den Mädchen zu haben, so bemerkt er doch in der ersten Folge wehmütig, er hoffe immer, den letztjährigen Kandidatinnen zu begegnen; ein Wunsch, den wohl auch viele Zuschauer hegen, waren doch die letzten Nachwuchsmodels tatsächlich überraschend freundlich zueinander. Ob es in diesem Jahr so Sympathieträgerinnen gibt, wie Steffi oder Betty, dies bleibt abzuwarten.

Heidi bleibt überdreht wie immer, wobei man in jedem Moment spürt, dass unter dieser mädchenhaft kreischenden Fassade eine knallharte Geschäftsfrau steckt, die bereits jetzt Kandidatinnen nicht nur nach ihrem Modelpotential, sondern nach ihrem Unterhaltungswert sortiert. Der fast schon wahnhafte Glanz in ihren Augen, wenn sie die jungen Schönheiten mustert, hat etwas von einem Goldsucher, der seine Nuggets aussortiert.

Thomas, nun ja, der Thomas ist freundlich mit den Mädchen und wahrscheinlich der Einzige in der Jury, der das alles ernst nimmt. Wobei Logik auch nicht so seine Stärke ist. So meint er zu einer sehr freizügig gekleideten Kandidatin, er wolle sie morgen beim Bikini Walk ganz natürlich sehen, weil ihr Outfit sie jetzt in eine bestimmte Richtung dränge. Ja, im Bikini wirkt man auch gleich viel seriöser, als im winzigen Rock.  Zudem kommt ihm die eher unschöne Rolle des Vermittlers zu, da sich Wolle und Heidi durchaus gerne mal angiften. Denn trotz gegenseitiger Lobeshymnen: Wirklich grün sind sich die beiden nicht. Sperrt man zwei Pfaue in dasselbe Gehege kommt das eben nicht immer zwangsläufig gut.

Wer ist die Schönste im ganzen Land?

Wo wir gerade bei Pfauen sind: An Eitelkeit mangelt es auch mancher Kandidatin nicht. Bei manchen Äusserungen der jungen Damen fragt man sich ja schon, ob ihnen jemand gesagt hat, dass sie gefilmt werden. Da werden selbstbewusst Statements rausgehauen wie: „Ich finde Schönheit extrem wichtig. Und ich finde Schönheit hängt an deinem Äusseren. Wenn dein Äusseres nicht anspricht, will der Mensch dich auch gar nicht näher kennenlernen.“ Oder aber es wird ein Schmollmund gezogen und gemault, wenn die Jury noch andere Mädchen als schön befindet – schliesslich ist man selbst doch die Allerschönste!  

Wieder andere erklären, sie seien eigentlich schon berühmt, schliesslich hätten sie auf ihrem Profil so und so viele Fans. Und wem das immer noch nicht reicht, kann sich auf den Boden legen und sich lasziv vor der Jury wälzen…wie ein Fisch auf dem Trockenen. Ob das Symbolcharakter hat für die folgende Staffel?

Muss nur noch kurz die Welt retten

Wobei Mädels mit der Aussage „Ich will berühmt werden“ nicht unbedingt diplomatisch geschickt sind, aber wahrscheinlich ehrlicher, als jene Mädchen, die mit dramatischen Geschichten aufwarten, um ihre Teilnahme zu erklären. Überraschend viele meinen, sie seien früher in der Schule gemobbt worden und wollten jetzt ihren Widersachern zeigen, was aus ihnen geworden ist. Ein ehrenhaftes Motiv, nur stellt sich die Frage, ob man wirklich gleich in eine Castingshow flüchten muss, um zu beweisen, dass man etwas geworden ist – und Castingteilnehmerin noch immer kein anerkannter Berufsweg ist.

Ein Spruch, der ebenfalls oft fällt, ist der mit der berühmten Persönlichkeit. „Warum glaubst du, kannst du Germany’s next Topmodel werden“, säuselt da Heidi. „Weil ich Persönlichkeit habe“, kommt da wie aus  der Pistole geschossen. Nun, Persönlichkeit hat per se natürlich jeder Mensch: Ohne wäre es schwierig zu leben. Nur, wird sich ein Fotograf dafür interessieren, ob sein Model rechts von links nicht unterscheiden kann oder Shakespeare auswendig zitiert? Wohl kaum, das sieht man ja dann auch auf dem Foto nicht mehr so wirklich. Models sind Kleiderständer, eine leere Fläche, auf die ein Produkt projiziert wird. Genau wie Schauspieler eine bestimmte Figur ausfüllen müssen.

Ist Modeln oberflächlich? Natürlich. Ist es verwerflich? Nicht zwangsläufig. Wenn jemand mit seinem Äusseren Geld verdienen will, ist das ja nicht schlechter, als wenn es jemand mit seiner Sportlichkeit oder seiner schöner Stimme tun will. Auch ein Elektrowarenverkäufer rettet ja schliesslich nicht die Welt. Aber wenn man versucht in diese Oberflächlichkeit einen Tiefsinn zu interpretieren, wird es kritisch und natürlich läuft man eher in diese Gefahr, wenn man mit dem Äusseren Geld verdient.

Es wird dramatisch

Wenn die Vorschau hält, was sie verspricht können wir gespannt sein auf ein erschütterndes Geständnis, viel Drama…ja und gemodelt wird auch hin und wieder.



      


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