Dienstag, 13. Januar 2015

Je suis Charlie


Mein Vater sagte, es sei nicht recht, dass man Menschen tötet,
Weil ihr Gott ein Fremder ist,
Er sagte, auch wenn die Gebete verschieden klingen,
So sind es doch die gleichen Wünsche,
Er sagte, auch wenn der Himmel anders ist,
So ist der Weg dorthin doch derselbe,
Er sagte, Mord ist immer schlecht,
Egal aus welchen Gründen.
Nun haben sie ihn totgemacht.

Mein Vater sagte, man muss immer die Wahrheit sprechen,
Auch wenn sie manchmal schmerzhaft ist,
Er sagte, man muss immer zu sich selber stehen,
Auch wenn es sonst niemand tut,
Er sagte, wenn einem was nicht gefällt,
Darf und soll man den Finger darauf zeigen,
Er sage, jeder Mensch ist frei,
Indem was er denkt, fühlt, sagt,
Doch die Freiheit hat ihm nichts genützt,
Denn sie haben ihn jetzt totgemacht.

Mein Vater sagte, jeder soll das tun,
Was er von ganzen Herzen liebt,
Er sagte, es sei nicht so wichtig,
Was andere davon denken,
Er sagte,  Liebe kann alles überwinden,
Selbst den dunkelsten Hass,
Er sagte, ein gütiges Herz reiche,
Um die tiefsten Wunden der Welt zu heilen.
Doch sein eigenes ist bereits verstummt,
Denn sie haben ihn jetzt totgemacht.

Sie sagen, es täte ihnen Leid,
Dass Vater nun gestorben ist,
Sie sagen, es sei ein grosser Verlust,
Denn er sei tapfer, mutig, stark gewesen,
Sie sagen, er hätte eben weniger kämpfen sollen,
Denn manchmal müsse man eben schweigen,
Sie sagen, manchmal ist es besser zurückzuweichen,
Denn manchmal müsse man eben die Waffen strecken,
Sie sagen, die Meinung sagen, sei schon wichtig,
Aber wenn sie andere stört, solle man besser verstummen.
Denn darum hätten sie ihn totgemacht.

Doch wenn wir jetzt wie Vater für immer verstummen,
Haben sie uns alle totgemacht.



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