Sonntag, 30. November 2014

Sieben



Anmerkung:  Der nachfolgende Text ist extrem kitschig und dient eigentlich keinem besonderen Zweck. Wer sie ist und wer er ist, wird nicht enthüllt, schlussendlich ist es aber auch nicht wichtig. Die Idee dahinter war, dass ich finde, dass heutzutage sehr freizügig mit Gefühlen umgegangen wird. Wobei das eigentlich nicht das richtige Wort ist, ich finde Gefühle werden im Alltag stellenweise sehr zur Schau gestellt. Ich rede nicht von Filmen oder von Shows, denn da gehört es ja irgendwie dazu, aber ich finde das ständige Abknutschen, Umarmen und Liebesbeteuern eher ein bisschen peinlich. Ich mag diese schlichten, bewussten Gesten zwischen Liebespaaren und diese kleinen Selbstverständlichkeiten. In „Sieben“ geht es im Wesentlichen darum, dass ein Mann die magischen Worte relativ selten ausspricht…aber immer ist es ein ganz besonderer Moment.  


Sieben



Als er das erste Mal „Ich liebe dich“ zu ihr sagte, meinte er es eigentlich gar nicht so. Er sagte es ganz leichthin, weil man es nun mal so sagte und weil er wusste, dass sie schon lange darauf wartete. Und ganz so gelogen war es nicht mal. Er fand sie süss, er fand sie nett, er fand sie sehr hübsch. Er fand, dass das Leben sich leichter mit ihr lebte als ohne sie. Er mochte ihre braunen Locken und die kleine Lücke zwischen ihren Vorderzähnen. Er mochte die Art, wie sie den Kopf schräg legte, wenn sie ihm zuhörte, als wolle sie jedes einzelne Wort in sich aufnehmen. Und wenn er ihre Lippen auf den seinen fühlte, dann war da in seinem Bauch so ein Gefühl, das ziemlich nahe an Liebe herankam. Aber sie waren noch so jung. Es würden noch viele Frauen kommen. Und dennoch machte sein Herz einen Sprung, als sie leise erwiderte: „Ich dich auch.“



Als er das zweite Mal „Ich liebe dich“ zu ihr sagte, war es mehr ein Unfall. Es entschlüpfte ihm einfach so, als er zusah wie sie im Regen tanzte. Er war fasziniert von ihrer Leichtigkeit und Ausgelassenheit. Sie gebärdete sich wie ein kleines Mädchen und eigentlich hätte er sich dafür schämen müssen, dass seine Freundin sich so aufführte. Aber er hörte ihr perlendes Lachen, das sich mit dem Rauschen des Regens vermischte und er sah, wie ihr feuchtes Gesicht wie Silber glänzte, als die Sonne unvermittelt hervorbrach. Als sie die Arme um ihn schlang und sich an ihn drückte wie ein nasser Pudel, stiess er sie nicht weg, sondern zog sie näher. Und als sie „Ich dich auch“ in seine Schulter murmelte, wusste er, dass sie es diesmal beide auch so meinten.



Als er das dritte Mal „Ich liebe dich“ zu ihr sagte, geschah es eigentlich mehr, weil er wollte, dass sie endlich aufhörte zu schreien. Er hatte sie noch nie so wütend gesehen und er konnte beinahe nicht glauben, dass diese keifende Furie wirklich seine hinreissende Freundin war. Doch während er ihr rot angelaufenes Gesicht betrachtete und die vor Zorn glühenden dunklen Augen; während er zusah, wie sie mit dem Zeigfinger in der Luft rumstocherte, als wolle sie ihn damit erdolchen und während er zuhörte, wie sie mit zeternder Stimme, alle seine Fehler aufzähle, wobei sie mit jedem Fehler lauter wurde; da konnte er einfach nicht anders als es ihr zu sagen. Und obwohl sie daraufhin noch mehr ausflippte und ihm eine knallte, hatte er es nicht bereut, denn abends kroch sie zu ihm ins Bett, legte die Hand auf seine Brust und flüsterte das von ihm so heiss ersehnte: „Ich dich auch.“


Als er das vierte Mal „Ich liebe dich“ zu ihr sagte, hätte er eigentlich etwas anderes sagen sollen. Aber als sie ihm unter ihrem weissen Schleier anlächelt, auf diese unschuldige und zugleich aufreizende Weise, als sie die Augen in stiller Andacht niederschlägt und mit ihren Fingern, die seinen fest umschliesst, als wolle sie ihn nie mehr loslassen, da weiss er, dass jedes Gelübde sich falsch und künstlich anhören würde. Und als sie vertrauensvoll die Stirn an die seine legte, wusste er, dass es nie mehr Worte zwischen ihnen benötigen würde.

Als er das fünfte Mal „Ich liebe dich“ zu ihr sagte, schloss dieses Geständnis nicht mehr bloss sie mit ein, sondern auch das kleine, zarte Wesen das an ihrer Brust ruhte. Er hätte nie gedacht, dass er einmal Vater sein würde, doch als er mit dem Daumen über den weichen Flaum fuhr, der auf dem Kopf seiner neugeborenen Tochter spross, verstand er nicht mehr, wieso er auf dieses Glück hatte freiwillig verzichten wollen. Auch wenn ihre Haare in nassen Strähnen an ihrer Stirn klebten und ihre Augen müde und glanzlos wirken, war sie für ihn noch nie schöner gewesen.


Als er das sechste Mal „Ich liebe dich“ zu ihr sagte, hielt er ihre Hand und fragte sich verzweifelt, wann diese angefangen hatte zu verwelken. Wann hatte diese kraftvolle, wunderbare Frau angefangen zu schwinden? Er musste dankbar sein für die Jahre, die sie gemeinsam verbringen durften und doch schien es ihm noch zu wenig. Und wenn er sie mit seinen Liebesgeständnissen hätte bei sich behalten können, er hätte ihr tausendmal gesagt, wie sehr er sie liebte. Dennoch war er erstaunt, als sie die Augen aufschlug und ein kaum hörbares „Ich liebe dich auch“ hauchte.


Als er das siebte Mal „Ich liebe dich“ zu ihr sagte, wusste er, dass sie ihm nie mehr antworten würde.

---


Schlussbemerkung: Naja….Kitschig halt. Aber mir war eben danach. Ein bisschen Romantik braucht’s eben im Leben.        

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen