Mittwoch, 1. Oktober 2014

Das Grauen auf dem Sportplatz



Gewidmet allen Sportmuffeln dieser Welt!

Sie ist das namenlose Grauen, der dunkle Fleck auf jedem Stundenplan, der nahende Schatten an jedem Tag und die Nemesis eines jeden Sportmuffels. Sie hinterlässt bleibende Spuren in jedem Antisportler und selbst, wenn schon Jahre ins Land gegangen sind, erinnern wir uns mit Schaudern an sie und wagen es kaum über unsere schmerzlichen Erfahrungen zu sprechen, weil sie tiefe Narben in unserer Seele hinterlassen haben. Von was ich da rede? Von der Sportstunde!

Ja, die Sportstunde ist ein Übel das Jahr um Jahr immer mehr Schüler heimsucht. Sie zwingt uns lächerliche Dinge zu tun, die ein vernunftbegabter Mensch niemals tun würde. Sie fördert schlimmsten Seiten eines Menschen zu Tage und sie verhindert, dass man als unsportlicher Mensch ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln kann. Sport ist Mord, das kann man wirklich sagen. Es ist Mord an jedem Fünkchen Selbstachtung, das nach anhaltender Schulkarriere noch in uns steckt.

Wer erinnert sich nicht mit leisen Stöhnen an all die albernen Spiele, die man mit einer Portion Ernst hätte angehen sollen, die allerdings auf so lächerliche Namen wie „Brennball“ oder „Burgball“ oder „Völkerball“ hören, wobei letzteres auch noch höchst bedenkliche Spielregeln hat, geht es doch darum das man das andere Volk ausrotten soll. Wahrscheinlich haben die Amerikaner deshalb die Indianer vernichtet. Weil sie es im Sportunterricht mal so gelernt haben! Bei den genannten Spielen ist es übrigens auch völlig in Ordnung seinen Mitspielern einen Ball irgendwo hinzuballern. Manchmal gibt es dann auch noch so Pseudo – Regeln wie „Nicht auf den Kopf zielen“. Ein mit voller Wucht gepfefferter Ball tut aber nun einmal auch am Hintern weh! (Aber wehe, man beschwerte sich, dann kam meist ein lapidares: „Stell dich nicht so an, das ist nur ein Ball“, zurück. Ach so, wenn das NUR ein Ball ist, dann spielen Sie doch mit, Herr Lehrer, und dann steck ich Ihnen den Ball dorthin es RICHTIG weh tut und sorge dafür, dass Sie nie mehr kleine Sportlerbabys zeugen werden!)

Hat man seinen Verstand nicht schon bei diesen Ballspielen verloren, gibt es noch andere Möglichkeiten sich ihm auf sportliche Art und Weise zu entledigen. Zum Beispiel beim sogenannten „Bällchen Weitwurf“, bei dem es darum geht ein solches „Bällchen“ möglich weit wegzuwerfen. Man sollte erst gar nicht versuchen, den Sinn hinter dieser zweifelhaften Tätigkeit zu entdecken: Es gibt nämlich keinen. Höchstens den, dass man damit die Kinder in negative Muster drängt, indem man ihnen dadurch bewusst macht, dass nur derjenige etwas zählt, der besser, weiter und höher kann. Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass unsere Gesellschaft von Ehrgeiz zerfressen wird. Schliesslich bringen wir ja unseren Kindern nichts anderes bei. Der Junge, der verbissen versucht seinen Ball am weitesten zu werfen, wird vielleicht später ebenso verbissen versuchen immer mehr Geld zu scheffeln.

Eine beliebte Methode Schüler zu quälen, ist auch der sogenannte Orientierungslauf. Hierbei werden den Schüler Karten mit seltsamen Zeichen in die Hände gedrückt, mit deren Hilfe sie sogenannte Posten im Wald  ausfindig machen sollen. Dabei kämpft man sich durch Brennnesseln, durch Dornenranken, durch Wespennester und durch tosende Bäche; weshalb man sich nach wenigen Minuten wie in einer Ausgabe des Dschungelcamps fühlt und ungefähr von ähnlicher Hysterie erfüllt ist, wie die Teilnehmer dieses Formats. Viele Lehrer versuchten diese zweifelhafte Übung damit zu erklären, dass es wichtig sei sich orientieren zu können, falls man sich wohl im Wald verirrt. Was eine völlig unlogische Argumentation ist, denn wer hat schon eine farbig gedruckte OL – Karte bei sich, wenn er im Wald spazieren geht? Manche Lehrer sind auch nicht in der Lage, die Posten richtig zu stecken, weshalb man dann trotz Kartenlesefähigkeit wie ein betrunkenes Reh im Wald herumirren darf. Die Ausrede dafür lautet übrigens: „Oh, da haben sich wohl andere Schüler einen Spass erlaubt und sie umgesteckt.“ Ja, klar.

Aber auch Rennen kommt nicht zu kurz. Es gibt den 1000m Lauf, es gibt den 80m Lauf, den 60m Lauf, den Geländelauf…..Alles Gelegenheiten sich so richtig schön die Lunge aus dem Leib zu keuchen. Mein Lieblingslauf ist hierbei der Geländelauf, denn er kombiniert auf wunderbare Weise alle Dinge, die ich leidenschaftlich verabscheue: Langes Laufen bei jedem Wetter durch einen zeckenverseuchten Wald und umringt von Zuschauern. Der Lauf findet auch noch im Rudel statt, das heisst du bist umgeben von dampfenden, japsenden Leiber, die du entweder schon hasst oder spätestens nach diesem Lauf hassen wirst. Beim Geländelauf geht es darum eine gewisse Strecke innerhalb einer bestimmten Zeit zu laufen. Erreicht man das Ziel nicht rechtzeitig, darf man den ganzen Mist noch einmal wiederholen.  Und so rennt man eben, was die Lunge hergibt und wird dabei von den Lehrern beobachtet, die ihre Häme darüber, dass du gerade dabei bist abzukratzen, nicht ganz verbergen können.

Es gibt auch Lehrer, die sich dann immer Spezialprogramme ausdenken. Bei denen kommt man in das zweifelhafte Vergnügen, sich auf Eisbahnen rumquälen zu müssen. Selbst wenn man ihnen versucht klarzumachen, dass man noch nie auf einer Eisbahn gestanden ist, sie werden keine Gnade zeigen. Du wirst dich in viel zu enge Schlittschuhe quetschen und dich dann irgendwie über die Bahn schleppen müssen, wo wildgewordene Dreijährige dich über den Haufen fahren werden. Und wenn du mit deinen Hintern einmal die Bahn leergewischt hast, wirst du vielleicht entlassen, mit einem genervten Stöhnen, da kein Lehrer es glauben kann, dass es tatsächlich Kinder gibt, die keine Freude an sportlichen Aktivitäten haben, sondern die Zeit lieber mit etwas Sinnvollerem verbringen, wie zum Beispiel mit dem Lesen eines Buches.

Ebenfalls beliebt ist es, Schüler auf Fahrräder zu zwingen, um mit ihnen irgendwelche halsbrecherische Touren zu fahren. Danach ist dein Hintern nie mehr derselbe. Richtig entnervend wird es dann, wenn die Lehrer selbst nicht so genau wissen wo sie durchfahren und die ganze Klasse dann irgendwo in der Pampa landet. Die Rückfahrt geht dann doppelt so lange, wobei die Lehrer steif und fest behaupten, es sei eine bewusste „Abkürzung“ gewesen.

Das Gute an den Sportstunden ist, dass sie mit der Schule zu Ende gehen. Es ist ein grossartiges Gefühl so ganz ohne Ballspiele, Leichtathletik und Postenläufe. Es ist die pure Freiheit. Deshalb geniesse ich es immer an schönen Sommertagen bei meinem alten Schulhaus vorbeizulaufen und den Schülern dabei zuzusehen, wie sie sich gerade auf dem Sportplatz abmühen. Es verschafft mir stets ein befriedigendes Gefühl, zu beobachten wie sich andere zum Affen machen.

Das ist gemein? Beschweren Sie sich bei meinen Sportlehrern. Sie haben den letzten Rest Menschlichkeit in mir abgetötet, als sie mich gezwungen haben, meine Hirnzellen gegen einen Volleyball einzutauschen. Die Boshaftigkeit hat einen neuen Namen: Sportstunde! 

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